Gewinnprognose

Die Euro-Krise trifft Siemens mit voller Wucht

Siemens muss einen herben Auftragseinbruch verkraften. Konzern-Chef Peter Löscher verschiebt den Osram-Börsengang und spart.

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Die Abkühlung der Weltwirtschaft hat Siemens mit voller Wucht getroffen. Vorstandschef Peter Löscher erwartet einen weiteren „deutlichen Abschwung“, versah die bereits gesenkte Gewinnprognose mit dicken Fragezeichen und kündigte ein Sparprogramm an. Dabei gehe es aber nicht primär um Stellenabbau, betonte er am Donnerstag in München.

Der Auftragseingang von Europas größtem Elektrokonzern fiel im abgelaufenen Quartal um 23 Prozent, der Gewinn blieb mit 850 Millionen Euro weit unter den Erwartungen.

Vor allem in Europa, aber auch in China und anderen Schwellenländern würden weniger Kraftwerke und Industrieausrüstungen bestellt, und er erwarte in den nächsten Monaten einen weiteren „deutlichen Abschwung“, sagte Löscher und warnte: „Angesichts des verschlechterten Umfelds ist es schwieriger geworden, unsere Prognose für das Geschäftsjahr zu erreichen.“ Erst im April hatte er das Gewinnziel von 6,0 auf 5,2 Milliarden Euro gesenkt.

Siemens werde aber „aus dieser Krise schlanker, schneller und agiler“ herauskommen. In allen Sektoren „arbeiten wir gezielt an Kostensenkungen“, sagte Löscher. „Das ist kein Programm, das primär fokussiert, wie kann man bei Mitarbeitern durch einen Stellenabbau gegensteuern.“ Die Planung sei breiter angelegt und ziele auf die „Verbesserung von Kosten, Produktivität, Effizienz und Prozessen“. Die Pläne sollen im Herbst mit Führungskräften erörtert und dann vorgestellt werden. Heute beschäftigt Siemens in Deutschland 119.000 Mitarbeiter – 3000 mehr als vor einem Jahr.

Osram-Börsengang verschoben

Der Plan für einen Osram-Börsengang in diesem Jahr wurde abgeblasen – wie schon beim ersten Anlauf 2011 seien die Finanzmärkte zu schwach, erklärte Löscher. Stattdessen will er die Osram-Aktien im nächsten Frühjahr an die Siemens-Aktionäre ausgeben, die sie dann selbst nach Belieben an der Börse weiterverkaufen könnten.

Ausgerechnet in den beiden wichtigsten Geschäftsfeldern Energie und Industrie läuft es bei Siemens schlechter. „Wir spüren eine zunehmende Investitionszurückhaltung bei unseren Kunden und einen stärkeren konjunkturellen Gegenwind“ sagte Löscher.

Zwischen April und Juni brach der Auftragseingang um fast ein Viertel auf 17,8 Milliarden Euro ein. Am schlimmsten sei es im Heimatmarkt Europa, aber „auch global wird das Terrain schwieriger“.

Dank eines noch dicken Auftragspolsters steigerte Siemens seinen Umsatz im abgelaufenen Quartal zwar um zehn Prozent auf 19,5 Milliarden Euro. Aber der Gewinn lag mit 850 Millionen Euro deutlich unter den Erwartungen. Er wurde durch Abschreibungen von 443 Millionen Euro bei Osram belastet, die die Lichttochter in die roten Zahlen rutschen ließen. Aber im Vorjahresquartal hatte Siemens trotz Sonderlasten von 1,1 Milliarden Euro beim früheren Atomkraft-Partner Areva und in der Medizintechnik noch 501 Millionen Euro Gewinn gemacht.

Die Börse strafte Siemens ab – die Aktie verlor nach der Vorlage der Zahlen und des Ausblicks fast vier Prozent. Siemens hält zwar an dem Ziel fest, den Umsatz in dem im September endenden Geschäftsjahr moderat zu steigern. Der Auftragseingang soll aber nicht mehr darüber liegen. In den ersten drei Quartalen seines bis September laufenden Geschäftsjahres hat Siemens nur 3,3 Milliarden Euro Gewinn gemacht, gegenüber 5,1 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.