Hauptuntersuchung

EU will jetzt auch Motorroller zum TÜV schicken

Erst sorgte die EU mit ihrer Forderung nach einer jährlichen Hauptuntersuchung für Kritik. Jetzt sollen auch Kleinkrafträder geprüft werden

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Nach der angestrebten Verkürzung der Prüfintervalle beim Auto-TÜV will die EU offenbar auch Kleinkrafträder und Motorroller über 25 km/h mit einer Prüfpflicht belegen. Wie der ADAC am Mittwoch unter Berufung auf Informationen aus der EU-Kommission berichtete, sollen die in Deutschland bisher von der Prüfung ausgenommenen Zweiräder künftig zu einer Hauptuntersuchung (HU) vorgestellt werden müssen. Geplant sei, Neufahrzeuge nach vier Jahren erstmals zur technischen Überprüfung zu schicken. Danach solle diese nach zwei Jahren und anschließend jährlich erfolgen. Bislang müssen Krafträder bis 50 km/h gar nicht zum TÜV. Die Motorroller sind vor allem in Großstädten wie Berlin immer beliebter, weil sie nur ein Versicherungskennzeichen brauchen. Steuern werden nicht fällig.

Bei dem Autoclub stößt diese Idee auf wenig Gegenliebe: Eine Hauptuntersuchung für 1,5 Millionen Kleinkrafträder bedeute „nicht nur einen immensen bürokratischen Aufwand, sondern in erster Linie Zusatzeinnahmen für die Prüf-Institutionen“, kritisierte der ADAC-Vizepräsident für Technik, Thomas Burkhardt. „Leidtragende wären vor allem Jugendliche und Geringverdiener, die auf diese Form der Mobilität angewiesen sind.“ Burkhardts Ansicht nach sind die Pläne „zutiefst unsozial“.

Bereits vor zwei Wochen war die Absicht der EU-Kommission bekannt geworden, dass ältere Pkw und Motorräder künftig jährlich zur HU gebracht werden müssen. Fahrzeuge, die vor ihrem siebten Zulassungsjahr 160.000 Kilometer Laufleistung erreicht haben, müssten dann ebenfalls jedes Jahr zu einer Prüforganisation gebracht werden. Die EU hatte den Vorschlag damit begründet, dass technische Mängel als Unfallursache mit zunehmendem Fahrzeugalter ansteigen würden. Der ADAC teilte am Mittwoch dazu mit, dass nicht einmal 0,5 Prozent der schweren Pkw-Unfälle in Deutschland auf einen technischen Mangel zurückzuführen seien. Den größten Anteil nähmen dabei Reifenschäden ein.