Insolvenz

Finanzinvestor treibt Neckermann-Versand in Pleite

Neckermann.de hat Insolvenz angemeldet, nachdem die US-Konzernmutter den Geldhahn zugedreht hat. 2000 Mitarbeiter sind betroffen.

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Der traditionsreiche Versandhändler Neckermann ist pleite. Der US-Finanzinvestor Sun Capital, dem das mehr als 60 Jahre alte Frankfurter Unternehmen seit 2008 mehrheitlich gehört, drehte Neckermann.de den Geldhahn zu. Neckermann kündigte daraufhin am Mittwoch einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Frankfurt an.

Damit eskaliert ein seit Monaten schwelender Streit mit den Arbeitnehmervertretern und der Gewerkschaft Ver.di über einen drastischen Umbau des Unternehmens. Dabei hatte die Neckermann-Geschäftsführung sich mit dem Betriebsrat schon geeinigt. „Der Eigentümer des Unternehmens hält das Ergebnis dieser Verhandlungen nicht für tragfähig und wird keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung stellen“, erklärte Neckermann nun. Damit könne das Unternehmen in der bestehenden Form nicht fortgeführt werden. Nicht betroffen ist der Anbieter Neckermann Reisen, der seit Längerem separat geführt wird und zum Touristikkonzern Thomas Cook gehört.

Ver.di-Vertreter und Neckermann-Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Thurner sagte, Sun Capital habe seine Finanzierungszusage im Volumen von 25 Millionen Euro für den Monat Juli zurückgezogen. Sun Capital war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Keine Abfindungen

Von der Insolvenz betroffen sind nach Gewerkschaftsangaben rund 2000 Mitarbeiter von Neckermann.de und Neckermann Logistik. Die Geschäftsführung hatte ohnehin 1380 Stellen streichen wollen. Das schrumpfende Kataloggeschäft sollte aufgegeben werden, nachdem das Geschäft über das Internet bereits 80 Prozent des Umsatzes ausmacht. Statt der eigenen Textilmarken wollte Neckermann Markenware ins Sortiment nehmen, sodass die eigene Logistiktochter in Frankfurt mit allein knapp 900 Mitarbeitern überflüssig geworden wäre.

Ver.di hatte dafür gekämpft, wenigstens kleine Abfindungen zu zahlen, Neckermann hatte argumentiert, dafür sei kein Geld da. Der Kompromiss hätte Abfindungen „in begrenztem Umfang“ und Transfergesellschaften enthalten, teilte Neckermann mit. Die notwendigen Finanzmittel hätten nach und nach bis Anfang 2013 fließen sollen. Der mit dem Eigentümer vereinbarte Businessplan hätte das hergegeben. Sun Capital habe dies aber abgelehnt.

Der Handelskonzern Arcandor hatte die Mehrheit an Neckermann schon vor der eigenen Pleite verkauft. Sun Capital hat nach Gewerkschaftsangaben rund 200 Millionen Euro in das Unternehmen investiert. Doch auch nach der symbolträchtigen Umbenennung in Neckermann.de schaffte es die Firma nicht, mit der neuen Konkurrenz im Internet Schritt zu halten. Die verzögerte Hinwendung zum Online-Geschäft war schon der früheren Schwesterfirma Quelle zum Verhängnis geworden.