Regierungsgutachten

Dispozinsen deutscher Banken viel zu hoch

Jeder vierte Deutsche hat 2012 bereits sein Konto überzogen – und muss dafür überzogene Zinsen zahlen, heißt es in einer Studie.

Ein von der Bundesregierung in Auftrag gegebenes Gutachten schätzt die Zinsen bei der Überziehung von Konten in Deutschland einem Bericht zufolge als deutlich überhöht ein. Die Studie komme zu dem Ergebnis, dass „die Erträge aus dem Dispokreditgeschäft die Kosten, die dem Kreditinstitut für dieses einzelne Produkt entstehen, deutlich übersteigen“, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ am Donnerstag unter Berufung auf die Untersuchung. Die zusätzlichen Einnahmen würden von den deutschen Banken „zur Quersubventionierung anderer Leistungen oder zur Gewinnsteigerung verwendet“.

Bis zu 18,25 Prozent

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) will die gemeinsame Studie des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung und des Instituts für Finanzdienstleistungen am Donnerstag vorstellen. Die Experten kommen laut dem Bericht in ihrem Gutachten zu dem Ergebnis, dass die Banken mit einem Zinssatz von höchstens zehn Prozent „profitabel arbeiten“ könnten und bereits der Durchschnittszins von 12,4 Prozent, vor allem aber ein ebenfalls im vergangenen Jahr ermittelter Spitzensatz von 18,25 Prozent zu hoch seien.

Laut der Studie summieren sich die Dispokredite der Deutschen aktuell auf mehr als 40 Milliarden Euro oder 500 Euro pro Bürger. Eine gesetzlich festgelegte Zinsobergrenze für Dispokredite sähen die Experten aber kritisch. Es bestehe die Gefahr, dass sich die Banken an dieser Grenze orientieren und bisher günstigere Institute den Rahmen ausschöpfen könnten, heißt es demnach. Zudem könnten die Banken sich das Geld über die Anhebung anderer Gebühren zurückholen, was auch auch Aigner so sehe.

Die SPD fordert dennoch staatliche Schranken gegen die hohen Dispozinsen. „Wir brauchen endlich ein Gesetz mit einer Obergrenze für Dispo-Zinsen“, sagte Parteichef Sigmar Gabriel der „Bild“-Zeitung. Die Geldbeschaffung sei für Banken nie so billig gewesen, Kunden müssten aber im Schnitt mehr als zehn Prozent Zinsen zahlen. „Das ist Abzocke“, so Gabriel weiter. Baden-Württembergs Finanzminister Nils Schmid (SPD) kündigte in der Zeitung eine entsprechende Bundesratsinitiative an. Auch Verbraucherschützer fordern seit langem eine Obergrenze.

Westdeutsche überziehen häufiger als Ostdeutsche

Im Jahr 2012 überzogen laut einer Untersuchung des Forschungsinstituts Forsa, aus der das „Hamburger Abendblatt“ am Donnerstag berichtete, bereits 24 Prozent der Verbraucher in Deutschland ihre Girokonten. Demnach überziehen Westdeutsche mit 24 Prozent häufiger als Ostdeutsche mit 21 Prozent und Männer mit 26 Prozent öfter als Frauen mit 21 Prozent ihre Konten. 80 Prozent der Verbraucher empfänden die Höhe der Dispozinsen als unangemessen hoch. Auch die Forsa-Studie will Aigner am Donnerstag vorstellen.