Autoindustrie

Peugeot streicht in Frankreich Tausende Arbeitsplätze

Der französische Autobauer PSA Peugeot-Citroën streicht im Kampf gegen die roten Zahlen 8000 Jobs und schließt eine Fabrik bei Paris.

Der größte französische Autobauer PSA Peugeot Citroën will angesichts der düsteren Marktsituation in Europa Tausende Stellen streichen. Zusätzlich zur bereits angekündigten Streichung von 6000 Jobs baut Peugeot nun noch einmal 8000 Stellen ab.

Betroffen von den Plänen seien vor allem die Standorte in Aulnay-sous-Bois bei Paris sowie in Rennes, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. In Aulnay-sous-Bois, wo der Kleinwagen C3 gebaut wird, solle die Produktion 2014 ganz eingestellt werden. Dort allein arbeiten 3000 Menschen.

PSA reagiert damit auf den dramatischen Absatzeinbruch infolge der Schuldenkrise vor allem in Südeuropa, wo die Kleinwagen des Herstellers ihre Hauptmärkte haben. Im ersten Halbjahr verkaufte Peugeot weltweit 13 Prozent weniger Fahrzeuge. Der Konzern verliert seit Mitte 2011 rund 200 Millionen Euro pro Monat, wie PSA erklärte.

Für das erste Halbjahr kündigte der VW-Konkurrent erneut ein negatives Nettoergebnis an. Im Autogeschäft werde ein operatives Minus von rund 700 Millionen Euro erwartet.

Bei Renault sank der Absatz um lediglich 3,3 Prozent, bei Volkswagen ergab sich ein Plus von zehn Prozent. Der Wolfsburger Konzern profitiert vor allem von der regen Nachfrage aus China und einem robusten deutschen Markt. Auch die GM-Tochter Opel kämpft mit Gegenwind. GM hatte sich im Rahmen einer Allianz mit sieben Prozent bei Peugeot eingekauft.

Gewerkschaften rufen zu Streiks auf

„Ich bin mir voll und ganz darüber im Klaren, wie schwerwiegend die Ankündigungen sind und was für einen Schock und was für Emotionen sie innerhalb des Unternehmens und in seiner Umgebung auslösen werden“, kommentierte Konzernchef Philippe Varin. Die Gewerkschaften hatten bereits für Donnerstag zu Streiks und Protesten aufgerufen.

Die Stärke und die Dauer der Krise in Europa machten die Reorganisation allerdings unausweichlich. Das Unternehmen werde alles dafür tun, dass der Stellenabbau so sozialverträglich wie möglich erfolge.

Die vom Unternehmen vorgestellten Pläne sehen vor, rund 1500 Mitarbeitern des Werks in Aulnay andere Stellen in der Gruppe anzubieten. Die anderen Hälfte der 3000 Beschäftigten soll in der Region Jobs bei anderen Unternehmen angeboten bekommen. Ein ähnliches Vorgehen ist im Werk in Rennes geplant, wo 1400 von 5600 Stellen wegfallen sollen.

Weitere 3600 Mitarbeiter in ganz Frankreich werden nach PSA-Angaben Angebote für einen freiwilligen Verzicht auf ihren Arbeitsplatz bekommen. Das detaillierte Restrukturierungspaket soll am 25. Juli vorgestellt werden. Dann legt der Konzern auch seine Halbjahreszahlen vor.

Die Regierung schaltete sich umgehend ein. „Wir können etwas Derartiges nicht akzeptieren“, sagte Sozialministerin Marisol Touraine dem Sender Europe 1. Der Autobauer habe in den vergangenen Jahren vier Milliarden Euro Staatshilfen erhalten. „Das ist Geld, das ohne Ertrag verschwunden ist.“ Die Regierung werde sich die Pläne von Peugeot genau ansehen und in zwei Wochen ein Treffen anberaumen.

Die Schließung des Werks bei Paris war bereits befürchtet worden. Die Pläne sickerten zum Teil schon kurz vor den Parlamentswahlen in Frankreich durch. Das Management wollte aber auf keinen Fall vor den Wahlen damit an die Öffentlichkeit gehen.

Die Regierung hat bereits angekündigt, neue Hilfen für die Autobranche aufzulegen. Details will sie im August verkünden. Industrie-Minister Arnaud Montebourg hatte am Mittwoch gesagt, der erwartete Umbau bei Peugeot werde keine gute Nachrichten bringen. Die Regierung stehe bereit, zu helfen, um den Jobabbau zu mildern.

Peugeot-Aktien starteten dennoch mit Aufschlägen in den Handel. Die Titel legten um knapp ein Prozent zu auf 7,20 Euro. Die Gewerkschaften hatten mit einem Abbau von bis zu 10.000 weiterer Stellen gerechnet. Auch in Medien war über diese Zahl spekuliert worden. Die Aktie hat seit Jahresbeginn gut 30 Prozent an Wert verloren.