Honorarbericht

Was Kassenärzte netto im Monat verdienen

Um das Einkommen niedergelassener Ärzte ranken sich verschiedene Legenden. Nun wurde erstmals ein Honorarbericht vorgelegt.

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Das Einkommen von Ärzten hat schon oft für Streit gesorgt. Viele Mediziner halten es für zu gering, den Krankenkassen und Versicherten dagegen, die es aus ihren Beiträgen zahlen müssen, erscheint es oft recht üppig. Aufklärung leistet nun ein Honorarbericht, den die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) erstmals veröffentlicht hat. Daraus ergibt sich, dass ein niedergelassener Arzt im Monat knapp 5500 Euro verdient. Exakt sind es 5442 Euro netto, also nach Abzug von Steuern, Abgaben und den Aufwendungen für seine Altersvorsorge.

Das ist nicht schlecht, setzt man den Wert ins Verhältnis zum durchschnittlichen Nettoeinkommen eines (westdeutschen) Arbeitnehmers, das das Statistische Bundesamt in seiner „Modellrechnung für Nettoverdienste“ mit 2400 Euro angibt. Treffender ist wohl der Vergleich mit einem „in leitender Stellung beschäftigten Arbeitnehmer“ (4165 Euro), denn auch ein Arzt beschäftigt Personal. Dass er sich selbst weniger als Arbeitnehmer, sondern als selbstständig begreift, ist eine andere Frage.

„Das Einkommen der Ärzte ist nicht schlecht, aber es ist nicht üppig“, sagt der KBV-Chef Andreas Köhler zum Ergebnis des Berichts. Innerhalb der Ärzteschaft kann das schon als bescheidene Haltung gelten. „Angesichts der langen Ausbildung, der hohen Verantwortung, einer kontinuierlichen Fortbildung und des unternehmerischen Risikos sind die Verdienstmöglichkeiten zu anderen akademischen Berufen eher unattraktiv“, findet der Vorsitzende des Verbands der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, NAV-Virchow-Bund, Dirk Heinrich. Der Arztberuf werde nur durch ein „attraktiveres, reales Einkommen“ interessanter werden.

Kassen weisen Forderungen zurück

„Ärzte gehören nun auch nach ihren eigenen Zahlenangaben ganz klar zu der Gruppe der gut bis sehr gut Verdienenden in Deutschland“, meint dagegen Johann-Magnus von Stackelberg, Vizechef des Spitzenverbands der Krankenkassen, die Zahlen der KBV. Von Stackelberg nimmt sie deshalb so aufmerksam zur Kenntnis, weil er gerade mit den Ärzten über ihr Honorar für das nächste Jahr verhandelt. KBV-Chef Köhler hat schon einmal einen Aufschlag von zehn Prozent gefordert, den die Kassen nun umso konsequenter ablehnen: „Neue Honorarforderungen erscheinen vor diesem Hintergrund unangemessen und überzogen“, sagte von Stackelberg.

Auch Uwe Deh, Geschäftsführender Vorstand des AOK-Bundesverbands, findet die Forderung der KBV nach zehn Prozent mehr Geld „überzogen“. Die AOK-Versicherten, die diese Honorare bezahlen müssten, „können von solchen Einkommensentwicklungen nur träumen.“ Die Vergütung der Ärzte sei zwischen 2007 bis 2011 um stolze 16 Prozent gestiegen.

Dass selbst viele Ärzte das noch nicht glauben können, darf als einer der Gründe gelten, weshalb die KBV nun einen solchen Honorarbericht veröffentlicht. „Verschiedene Legenden ranken sich um das Einkommen der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten“, so KBV-Chef Köhler.