Küchengeräte

US-Investor will Traditionsfirma WMF kaufen

Mit dem WMF-Hauptaktionär Capvis ist sich der US-Investor KKR handelseinig. Die Zustimmung der Kartellbehörden steht aber noch aus.

Der US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) greift nach dem schwäbischen Besteckhersteller WMF und pirscht sich damit an den deutschen Mittelstand heran. KKR bietet fast 600 Millionen Euro für das Traditionsunternehmen aus Geislingen an der Steige und will die Marke vor allem im Ausland noch bekannter machen.

WMF stand seit dem Frühjahr zum Verkauf, nachdem der Mehrheitseigner, die schweizerische Beteiligungsgesellschaft Capvis, nach sechs Jahren den Ausstieg auslotete. Er bekommt allein 238 Millionen Euro – gezahlt hatte Capvis einst nur 92 Millionen Euro. WMF-Chef Thorsten Klapproth begrüßte den Eigentümerwechsel am Freitag: „Wir sind davon überzeugt, dass wir gemeinsam die langfristige Wachstumsstrategie der WMF Group fortsetzen können.“

WMF hat erfolgreiche Jahre hinter sich. Der Einstieg in das Geschäft mit Kaffeemaschinen für Hotels und Gastronomie verlieh der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF) einen Schub. 2011 kletterte der Umsatz des Unternehmens mit 6000 Mitarbeitern um neun Prozent auf 980 Millionen Euro, im laufenden Jahr soll die Milliardenschwelle überschritten werden. KKR will mit WMF auf Expansionskurs gehen: Es gehe darum, das „erhebliche Potenzial des Unternehmens zur weiteren Marktdurchdringung und internationalen Expansion (zu) realisieren“, hieß es in einer Mitteilung des Käufers. „Dies gilt insbesondere für Asien und den US-amerikanischen Markt.“ 2011 erwirtschaftete WMF 47,5 Prozent seines Umsatzes außerhalb Deutschlands.

Große Finanzinvestoren wie KKR hatten sich in der Vergangenheit meist auf Milliarden-Transaktionen beschränkt. Doch weil ihnen seit der Finanzkrise oft das nötige Fremdkapital für so große Übernahmen fehlt, blicken auch sie verstärkt auf den deutschen Mittelstand.

In Deutschland ist KKR unter anderem am Gabelstapler-Hersteller Kion, an der Werkstattkette ATU, am Recycling-System Grüner Punkt, der TV-Senderkette ProSiebenSat.1 und am Aromen-Hersteller Wild beteiligt. Der US-Rivale Blackstone hatte zuletzt schon mehrfach mit Beteiligungen an kleineren Unternehmen von sich reden gemacht – etwa beim Kamerahersteller Leica oder dem Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin.

Die Mehrheit der Stammaktien an WMF hat KKR bereits sicher: Capvis verkauft seine Anteile – 52,4 Prozent der Stamm- und fünf Prozent der Vorzugsaktien – für 238 Millionen Euro an die Amerikaner. Der zweitgrößte Aktionär, der österreichische Unternehmer Andreas Weißenbacher, hatte stets beteuert, seine 37 Prozent nicht verkaufen zu wollen. Finanzkreisen zufolge hatte er selbst versucht, WMF ganz zu übernehmen.

Am Freitag war der Chef des Wasseraufbereitungs-Spezialisten BWT für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Ein Sprecher von KKR sagte: „Wir freuen uns über jeden, der uns seine Aktien verkauft - das gilt auch für Herrn Weißenbacher.“ Die Übernahme sei aber nicht an seine Zustimmung geknüpft.

KKR bietet 47 Euro je Stammaktie – das ist fast ein Viertel mehr als der Schlusskurs vom Donnerstag. Mehrere Bieter waren vor der komplizierten Aktionärsstruktur zurückgeschreckt. Daher hatte Capvis bis zuletzt auch einen zweiten Börsengang für WMF erwogen, wie die beratende Anwaltskanzlei Latham & Watkins bestätigte.

Während die Offerte für die Stammaktien attraktiv ist, will KKR für die WMF-Vorzugsaktien, die größtenteils im Streubesitz sind, nicht mehr ausgeben als unbedingt nötig. Die Offerte werde bei etwa 31,70 Euro liegen, dem vorgeschriebenen gewichteten Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate. Das Gebot liegt knapp unter dem Donnerstags-Schlusskurs. Am Freitag stiegen die Vorzüge um 4,6 Prozent auf 33,20 Euro, die Stämme schossen um 23 Prozent auf 46,40 Euro nach oben.