GfK-Marktforscher

Kauflaune der Deutschen steigt trotz wachsender Sorgen

Mitten in der Euro-Krise lassen sich die Deutschen nicht verunsichern. Laut Konsumklima-Barometer wird in Deutschland gekauft statt gespart.

Trotz der wachsenden Furcht vor einem Abschwung steigt die Kauflaune der Deutschen. Ihre Konjunkturerwartungen rutschten im Juni nach einer Serie schlechter Nachrichten aus der Wirtschaft zwar auf ein Jahrestief. Die Verbraucher rechnen aber dennoch mit steigenden Einkommen und wollen mehr Geld für teure Anschaffungen ausgeben.

Das für Juli berechnete Konsumklima-Barometer kletterte deshalb überraschend von 5,7 auf 5,8 Punkte, teilten die GfK-Marktforscher mit. Analysten hatten einen Rückgang auf 5,6 Zähler erwartet.

„Die Turbulenzen im Euro-Raum haben dem Konjunkturoptimismus der Verbraucher einen deutlichen Dämpfer gegeben“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. „Bislang sehen die Bundesbürger jedoch die Gefahren aus dem Ausland offenbar ausschließlich für die Konjunktur generell und weniger für ihre persönliche Situation.“ Das Barometer für die Konjunkturerwartungen brach um 16,6 auf 3,0 Punkte ein.

Zuletzt gingen Exporte, Produktion und Aufträge zurück

Vorausgegangen war eine Serie negativer Nachrichten aus der Wirtschaft: Exporte, Produktion und Industrieaufträge gingen zurück, die ZEW-Konjunkturerwartungen von Anlegern und Analysten fielen so stark ein wie seit 1998 nicht mehr, während der Ifo-Index nach zwei Rückgängen in Folge auf dem niedrigsten Wert seit März 2010 liegt. Grund ist neben der schwächeren Weltkonjunktur vor allem die Schuldenkrise, wegen der viele Euro-Länder auch in der Rezession sparen.

Angesichts spürbarer Tariferhöhungen und sinkender Arbeitslosigkeit rechnen die Deutschen zugleich mit steigenden Einkommen. „Hinzu kommt, dass der Inflationsdruck zuletzt nachgelassen hat“, sagte Bürkl. „Dadurch sehen die Konsumenten ihre Kaufkraft gestärkt.“ Die Teuerungsrate war im Mai erstmals seit rund anderthalb Jahren unter die Marke von zwei Prozent gefallen, bis zu der die Europäische Zentralbank von stabilen Preisen spricht. Das Barometer für die Einkommenserwartung legte deshalb um 8,1 auf 40,1 Zähler zu.

Verbraucher wollen Geld nicht auf die hohe Kante legen

Auch die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen legte zu. „Trotz gestiegener Konjunkturängste ist das Umfeld für die Konsumneigung nach wie vor günstig“, sagte Bürkl. Die gute Beschäftigungslage sorge für „weniger Angst vor Jobverlust und damit Planungssicherheit, was gerade für größere Anschaffungen eine wichtige Rolle spielt“. Durch das fehlende Vertrauen in die Finanzmärkte und historisch niedrige Zinsen hielten es viele Konsumenten derzeit für nicht sehr attraktiv, ihr Geld auf die hohe Kante zu legen. „Stattdessen tendieren sie eher dazu, werthaltige Anschaffungen zu tätigen“, sagte GfK-Experte Bürkl.

Die GfK rechnet in diesem Jahr mit einem Wachstum der realen Konsumausgaben um etwa ein Prozent. Die Konsumforscher warnen aber auch vor großen Risiken – etwa durch bei einer Verschärfung der Eurokrise, Diskussionen um einen Austritt Griechenlands aus dem Währungsraum und die Krise des spanischen Bankensektors. „In diesem Falle würde dies auch das Konsumklima belasten und die positive Entwicklung der Konsumkonjunktur stoppen“, prophezeien die Forscher.