Ex-BayernLB-Manager

Gribkowskys Geständnis bringt Ecclestone in Erklärungsnot

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Andre Tauber

Ex-Banker Gribkowsky gesteht – und belastet Formel-1-Chef Ecclestone. Die Aussage hat Sprengkraft und gefährdet den Börsengang.

Einen Sinn für eine gute Dramaturgie hat Gerhard Gribkowsky. Der ehemalige Risikovorstand der BayernLB saß in den vergangenen acht Monaten schweigend in dem schmucklosen Gerichtsaal.

An diesem Mittwoch sind alle Plätze besetzt, die Hitze steht im Raum, bekannt war längst, dass Verteidigung und Staatsanwaltschaft sich nicht auf ein Strafmaß einigen konnten. Da entscheidet sich Gribkowsky, das Wort zu ergreifen. „Angaben machen“, sagt er dem Vorsitzenden Richter, als der ihn fragt, ob er ein Geständnis ablegen will.

Endlich packt Gribkowsky aus. Es ist der Höhepunkt in einem der schillerndsten Wirtschaftsstrafverfahren in Deutschland. Im Zentrum steht eine Beteiligung am Rennzirkus Formel 1, die die BayernLB aus der Insolvenzmasse des Medienunternehmers Leo Kirch erhielt und vor sieben Jahren an den britischen Investor CVC verkaufte. Gribkowsky war damals als Risikovorstand der BayernLB für die Verwertung dieses Pakets zuständig. Ihm wird vorgeworfen, sich persönlich bereichert und Steuern hinterzogen zu haben. 44 Millionen Dollar soll er vom Formel-1-Chef Bernie Ecclestone erhalten und dann vor den Steuernbehörden versteckt haben. So der Vorwurf. Gribkowsky gesteht: „Es stimmt im Wesentlichen.“

Worte mit Sprengkraft für die Formel 1

Was Gribkowsky zu sagen hat, das hat Sprengkraft. Den Rennzirkus stellt er als eine undurchsichtige, von kommerziellen Interessen getriebene Veranstaltung dar, in dessen Zentrum der Brite Ecclestone steht. Solche Vorwürfe sind schlecht an in einer Zeit, in denen Ecclestone den Börsengang der Formel 1 plant. „Den kann er wohl absagen“, sagt Gribkowsky.

Gribkowsky rechnet mit der Glitzerwelt der Formel 1 ab. Im Grund genommen sei die Formel 1 nicht mehr als ein Schrank mit lauter Akten. Das wirkliche Geld werde häufig in Vermarktungsgesellschaften gemacht, deren Besitzverhältnis zum Teil unklar sei. Auch die Rennteams bringt Gribkowsky gegen die Fomel-1-Organisatoren auf. „Der Rennzirkus ist vollkommen unerheblich“, sagt er. „Das eigentlich Interessante an der Formel 1 ist die Möglichkeit, unheimlich viel Geld zu generieren.“ Ecclestone spiele die Teams gegeneinander aus und sorge so dafür, dass nur ein geringer Anteil der Einnahmen an die Rennställe wandere.

„Ecclestone ist kein Mann von Papier“

An Ecclestone arbeitet sich Gribkowsky ab. Er bezeichnet „den kleinen Mann“ als die zentrale Stelle im System der Formel 1. „Ecclestone ist kein Mann von Papier“, sagte er. „Handys, Aktentasche, Ende. Der Rest ist mündlich.“ Der Brite habe die „absolute Schlüsselgewalt“. Ohne ihn gehe nichts. Gribkowsky pflegt eine Mischung aus Bewunderung und Verachtung für den Briten, der es vom Sohn eines Schafhirten zum Multimilliardär schaffte.

Das mag auch damit zusammenhängen, dass Gribkowsky an dem Briten selbst scheiterte. Seine Aufgabe als Risikovorstand der BayernLB war es, den Einfluss der Bank auf das operative Geschäft der Formel 1 zu sichern. Mühsam erstritt er sich über Jahre hinweg die Sitze im Verwaltungsrat. Ein Pyrrhussieg. Denn Ecclestone drohte, dass er aus der Formel 1 eine wertlose Hülle machen könne. „Wenn du mir ins Handwerk pfuscht, werde ich dir zeigen, wie es läuft“, habe der heute 81-jährige Ecclestone ihm gesagt.

Es war ein wichtiges Erlebnis für Gribkowsky. Seine Stimme stockt. Er nimmt einen Schluck Wasser. „Ich habe zweieinhalb Jahr lang gekämpft“, sagt er. „Und dann hatte ich plötzlich das Gefühl, umsonst gekämpft zu haben.“

Gribowsky: „Ja, es war Bestechungsgeld"

Es war der Moment, in dem Ecclestone ihm ein heikles Angebot unterbreitet. „Er sagte mir: Wenn Du einwilligst, dann beschäftige ich Dich als Berater.“ Gribkowsky Stimme zittert, wenn er von der Gelegenheit berichtet, auf der Gewinnerseite zu stehen, der Seite Ecclestones. „Ich hatte die Chance, aus dieser Situation auch für mich noch was rauszuholen“, sagt er heute. „Ich wusste, dass ich mich auf dünnem Eis bewege“, sagt Gribkowsky. Und ergänzt: „Ja, es war Bestechungsgeld.“

Diese Aussage bringt Ecclestone massiv unter Druck. Die Münchener Staatsanwaltschaft ermittelt bereits gegen ihn wegen des umstrittenen Geschäfts. Der Formel-1-Patriarch hatte vergangenes Jahr noch vor dem Münchner Gericht erklärt, er sei ein Opfer von Gribkowsky. Der Banker habe ihn erpresst und so den Beratervertrag erzwungen. Die Aussage von Gribkowsky könnte die Staatsanwälte nun dazu bringen, Anklage gegen Ecclestone zu erheben. Dessen Anwalt Sven Thomas erklärte, die Aussagen von Gribkowsky seien für das laufende Ermittlungsverfahren nicht bindend. Die Vorwürfe wies er zurück. Gribkowsky erklärte, er habe dazu beigetragen, dass sowohl Ecclestone als auch die Rennteams hohe Beträge aus den Kassen der BayernLB erhielten. Rund 66 Millionen Dollar bekam Ecclestone dafür, dass er mit dem britischen Finanzinvestor CVC, den späteren Käufer des Formel-1-Pakets, gefunden hatte.

Undurchsichtige Kreditpakete wechselten die Besitzer

Doch welche Gegenleistung erbrachte Gribkowsky nun, um die Zahlung zu rechtfertigen? Etwas Licht bringt Gribkowsky in die Sache. Es könnte um ein kompliziertes Finanzgeschäft gehen, an dem letztlich Ecclestone gut verdient hat. So existierte ein Kreditpaket von rund 300 Mio. Dollar, das zumindest zum Teil in undurchsichtigen Geschäften mehrfach den Besitzer wechselte. Ecclestone profitierte davon, die BayernLB hingegen verzichtete auf Gewinn. Welche Rolle er in dem Fall genau spielte, erklärte Gribkowsky nicht.

Es ist ein spätes Geständnis. Für Gribkowsky könnte es das Urteil zumindest ein wenig mildern. Vor seiner Aussage hatten ihm die Richter maximal neun Jahre Haft zugesichert – bei einer Verurteilung ohne Geständnis hätten es noch mehr sein können. Gribkowsky sitzt bereits seit Januar 2011 in Haft.