"Grexit"

Was ein Euro-Austritt Griechenlands kosten würde

Auch wenn Europa Griechenland in der Euro-Zone behalten will, wird ein Austritt Athens aus der Währungsunion durchgespielt.

Offiziell wollen die meisten Verantwortlichen in Europa einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone. Dennoch wird in der EU an Notfallmaßnahmen für den Fall gearbeitet, dass Griechenland nach der Parlamentswahl am Sonntag zur Drachme zurückkehrt. Längst gibt es mit „Grexit“ – aus dem englischen „Greece“ und „Exit“ – ein eigenes Wort für das Szenario, das nicht nur für die Griechen, sondern auch für den Rest Europas teuer werden könnte.

Gibt Griechenland den Euro auf und führt die Drachme wieder ein, wird diese weit schwächer sein als die Gemeinschaftswährung. Griechenland, seine Banken und Unternehmen werden ihre Auslandsschulden kaum mehr begleichen können. Auf die Geldgeber aus dem Ausland kommen also milliardenschwere Verluste zu. Beziffert werden diese allein für Deutschland von Wirtschaftsinstituten, Politikern und Banken auf Summen zwischen 60 und 80 Milliarden Euro - Geld, das größtenteils dem deutschen Steuerzahler gehört.

"Zwischen Katastrophe und Armageddon“

Verloren wäre zum einen der Anteil, der Deutschland zu den internationalen Hilfspaketen im Umfang von mehr als 200 Milliarden Euro für Griechenland beisteuerte. Verloren wären auch die griechischen Staatsanleihen im Wert von rund 50 bis 55 Milliarden Euro, welche die Europäische Zentralbank (EZB) zur Stützung Athens gekauft hatte. Verlässt Griechenland die Eurozone, wären zudem rund 104 Milliarden Euro verloren, welche die griechische Zentralbank dem Eurosystem schuldet. Deutschland müsste bei diesen beiden Posten für gut ein Viertel der Summen geradestehen.

Weit größer als diese direkten und halbwegs bezifferbaren Kosten aber sind die möglichen weiterreichenden Folgen eines „Grexit“. Andere Euro-Länder wie Spanien, Italien oder sogar Frankreich könnten von der Krise mitgerissen werden – und womöglich sogar das gesamte System der Gemeinschaftswährung zum Einsturz bringen. Dieses Worst-Case-Szenario könnte Deutschland nach Einschätzung des Wirtschaftsexperten Hans-Werner Sinn bis zu eine Billion Euro kosten.

Angesichts solcher Summen wundert es nicht, dass der Geschäftsführer des Internationalen Bankenverbands IIF, Charles Dallara, davon sprach, dass ein Abschied Griechenlands vom Euro für den Rest Europas einen Schaden „irgendwo zwischen Katastrophe und Armageddon“ bedeuten würde.

Andere, wie Europaparlamentschef Martin Schulz, weisen zudem darauf hin, dass ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone nicht automatisch ein Ende des Zahlungsflusses nach Athen bedeutet. Denn nach dem dann erwarteten Zusammenbruch der griechischen Wirtschaft werden die europäischen Partner Notfallhilfen für die Bevölkerung kaum verweigern können.