Schuldenkrise

Spanien-Finanzhilfe beflügelt den deutschen Aktienmarkt

Mit Erleichterung haben Anleger weltweit auf die geplanten Hilfen für Spanien reagiert. Der Dax startete mit einem Plus von 2,5 Prozent.

Spaniens Griff zum Rettungsschirm für seine maroden Banken hat die Kurse am deutschen Aktienmarkt zu Wochenbeginn nach oben getrieben. Der Leitindex Dax legte am Montag gleich nach Handelsstart um 2,5 Prozent auf 6.285 Punkte zu. Vor allem Bankaktien zogen kräftig an. So gewannen Commerzbank 3,6 Prozent auf 1,43 Euro. Deutsche Bank stiegen 3,4 Prozent auf 29,50 Euro. Heidelbergcement gewann 4,4 Prozent auf 35,52 Euro. Volkswagen legten 4,2 Prozent auf 127 Euro zu.

Die europäischen Bankenaktien haben am Montag dank der geplanten Finanzhilfen für Spaniens Geldhäuser in den ersten Handelsstunden ein regelrechtes Kursfeuerwerk erlebt. Insbesondere die spanischen Institute profitierten davon, dass die Euro-Finanzminister dem Land am Wochenende bis zu 100 Milliarden Euro für den angeschlagenen Bankensektor in Aussicht stellten. Aktien der BBVA und der Santander zogen am Vormittag um mehr als sechs beziehungsweise gut fünf Prozent an.

Auch an den Börsen der Nicht-Euro-Mitglieder Großbritannien und Zürich gehörten Titel wie Lloyds Banking Group, Barclays und Credit Suisse zu den Favoriten der Anleger. Der Branchenindex Stoxx Europe 600 Banks führte mit plus 3,37 Prozent die europäische Branchenübersicht an.

Die Nebenwerte notierten am Montag zunächst ebenfalls deutlich im Plus. Der Mdax gewann 2,2 Prozent auf 10.346 Punkte. Der TecDax kletterte 1,8 Prozent auf 759 Zähler.

Auch der Euro profitierte. Die Gemeinschaftswährung stieg wieder über die Marke von 1,26 Dollar. Am Morgen kostete der Euro 1,2630 Euro.

Spanien hatte am Wochenende nach langem Zögern beschlossen, als viertes Land der Eurozone den Rettungsschirm in Anspruch zu nehmen und Hilfe für seine kriselnden Banken zu beantragen. Die Eurogruppe will dafür bis zu 100 Milliarden Euro bereitstellen. Vor Spanien hatten Griechenland, Irland und Portugal EU-Hilfen bekommen. Allerdings braucht Spanien die Finanzspritze zunächst nur für seine Banken.

Auch in Asien löste das Hilfspaket für Spanien Euphorie an den Finanzmärkten aus. So legte in Tokio der Nikkei-Index um fast zwei Prozent 8.625 Punkte zu. In Hongkong gewann der Hang Seng 2,1 Prozent auf 18.883 Zähler.

Vergangene Woche wartete jeder darauf, dass die politisch Verantwortlichen handeln“, sagte der Analyst Masayuki Doshida von Rakuten Securities. „Daher sind die Investoren jetzt wieder etwas beruhigt, nachdem die Rettungsaktion für Spanien beschlossen ist.“ Allerdings ist die Krise noch nicht ausgestanden. „Die Unsicherheiten bleiben“, sagte Takao Hattori von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities warnte. „Offen ist, auf welchem Weg die Gelder an die spanischen Banken gezahlt werden, wie das Ergebnis der Wahlen in Griechenland ist und wie sich die Situation in Peripherieländern wie Italien entwickelt.“

Dem Börsenexperten Doshida zufolge richtet sich der Blick der Anleger nun wieder verstärkt auf die nächsten Weichenstellungen in der europäischen Schuldenkrise. Am Sonntag wählen die Griechen ein neues Parlament. Das Votum gilt für viele als Entscheidung über den Verbleib des Landes in der Euro-Zone. Kurz darauf folgt das Gipfeltreffen der 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G20), von dem sich Investoren Antworten auf die Probleme der Weltwirtschaft erhoffen.