Währungsunion

Commerzbank rät zu Planung für Euro-Austritt Griechenlands

Die Unruhe der Wirtschaft wächst. Commerzbank-Vorstand Zielke empfiehlt jetzt die Vorbereitung auf einen Euro-Exit Griechenlands.

Angesichts der verfahrenen Situation in Griechenland fürchten Verbände und Konzerne zunehmend um die wirtschaftliche Zukunft Europas. So kritisierte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, die Spekulationen über einen möglichen Ausstieg Athens aus dem Euro. „Von einem Austritt Griechenlands profitiert keiner in Europa“, sagte er. So werde nur „der Finanzsektor destabilisiert“ und allgemeine Unsicherheit geschürt.

Ähnlich äußerte sich der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, über einen möglichen Euro-Austritt der Griechen. „Wir müssen wissen: Das wäre ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Keiner kann die Risiken wirklich übersehen“, sagte er.

Der scheidende Vorstandschef des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, Louis Gallois, sieht die Gemeinschaftswährung dennoch in akuter Gefahr. „Die Krise ist schlimmer geworden“, sagte Gallois der „Welt am Sonntag“. „Es gibt das Risiko, dass Griechenland aus der Eurozone austritt. Das könnte zu einem Dominoeffekt führen und andere Länder mitreißen“, warnte er. Europa brauche den Euro aber. „Die Europäer hängen am Euro und keiner weiß genau, wie man wieder aus der Gemeinschaftswährung aussteigen soll“, sagte Gallois.

Trotz der Gefahren sollten sich die Euro-Staaten nach Ansicht der Commerzbank einen griechischen Austritt aus der Gemeinschaftswährung offen halten. „Es ist schlicht ein Gebot der Verantwortung, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten“, sagte Privatkundenvorstand Martin Zielke dem „Tagesspiegel“ (Dienstagausgabe) laut Vorabbericht. „Zudem würde ein Austritt Griechenlands, falls er denn kommen sollte, nicht das Ende des Euro bedeuten“, beschwichtigte er. Deutschland und Europa insgesamt seien in einer starken Position. „Wir haben Spielraum – noch“, sagte der Banker.

Gemeinsame Staatsanleihen der Euro-Staaten, sogenannte Euro-Bonds, lehnte Zielke dagegen ab, weil sie die Wettbewerbsfähigkeit nicht verbesserten. „Wir erkaufen uns für viel Geld etwas Zeit und lösen nicht die eigentlichen Probleme“, sagte er. Europa fehle es an politischer Einheit. Trotz der Lage sei er „nicht alarmiert“, so Zielke. „Gerade Deutschland, aber auch Europa insgesamt, ist in einer starken Position. Wir haben Spielraum - noch.“

Hängepartie muss enden

Zugleich unterstützten die Wirtschaftslenker die ablehnende Haltung der Bundesregierung gegenüber Euro-Bonds. „Gemeinsame Staatsanleihen der Euro-Länder bei nationaler Haushaltspolitik vergemeinschaften die Schulden und entbinden die Länder von ihrer Verantwortung für eine solide Wirtschafts- und Finanzpolitik“, sagte Wansleben. „Sparen und Wachstum schließen sich nicht aus“, sagte der DIHK-Hauptgeschäftsführer.

BDI-Präsident Keitel zeigte sich dabei kompromissbereit bei der Frage, ob Athen sein Sparprogramm nicht strecken könnte. „Jedenfalls müssen wir vom Ende her denken, was leistbar ist im Lande. Und dann kann es sein, dass wir sagen: Am wichtigsten ist jetzt, dass die Strukturen kurzfristig und konsequent geändert werden.“ Nur dann könne das bedeuten, dass Europa etwas länger helfe. Auch Wansleben forderte, dass die „Hängepartie“ nach der griechischen Neuwahl enden müsse, um den Spar- und Reformkurs in dem Land schnell fortzusetzen.

Krisenstrategie überdenken

Allerdings muss nach Ansicht des Präsidenten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Dennis Snower, auch Europa insgesamt seine Krisenstrategie überdenken. Die derzeitigen Bemühungen zur Rettung der Gemeinschaftswährung seien „gescheitert und nicht dazu geeignet, den Euroraum aus der Krise zu bringen“, schrieb der Ökonom in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Das Paket aus der Rekapitalisierung der Banken, den Euro-Rettungsschirmen EFSF und ESM, Fiskalpakt sowie lockerer Geldpolitik habe große Schwächen.

Stattdessen skizzierte Snower einen Vier-Punkte-Plan zur Rettung des Euro. Darin forderte er „eine 'atmende Fiskalregel'“, mit der Krisenländer ihre Wirtschaft kurzfristig ankurbeln und dennoch langfristig Schulden senken könnten, und klare Kriterien für die Insolvenz eines Euro-Staates. Zudem nannte Snower gezielte Investitionen der EU aus ihren Strukturfonds und neue Regeln für Finanzinstitute, um künftig deren Zusammenbruch zu verhindern. So könnten Banken und Versicherungen Schulden künftig in Form von Wandelanleihen aufnehmen müssen, um ihr Eigenkapital im Ernstfall auf Kosten der Aktionäre und nicht der Steuerzahler aufzupolstern.