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Die Investitionsbank Berlin reißt das Steuer rum

Die landeseigene Investitionsbank Berlin stößt ausländische Staatsanleihen ab. Sie verdient lieber Geld mit Immobilienfinanzierungen.

Foto: IBB

Berlins landeseigene Förderbank IBB verabschiedet sich so weit wie möglich von den durchgeschüttelten internationalen Finanzmärkten. Das Geld, um Berlins Unternehmen mit günstigen Darlehen und Zuschüssen zu unterstützen sowie für den Senat Wirtschaftsförderorganisationen wie Berlin Partner oder die Technologiestiftung zu finanzieren will IBB-Chef Ulrich Kissing in der Heimat verdienen. Die Investitionsbank Berlinist in den vergangenen Monaten stark ins Geschäft mit Berliner Wohnimmobilien eingestiegen: „Wir stehen jetzt zur Verfügung, wenn neu gebaut wird“, sagte Kissing am Donnerstag bei der Vorlage der Zahlen für 2011. Die Finanzierungszusagen für Immobilien haben sich in den vergangenen vier Jahren auf 727 Millionen Euro versiebenfacht.

Dass die Förderbank jedoch die erklärte Politik von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) bezahlen würde, der Bau von möglichst günstigen Wohnungen für einkommensschwache Mieter anstrebt, ist mit diesem Kurswechsel nicht verbunden. „Wir sind nicht der verlängerte Landeshaushalt“, stellte der IBB-Vorstandsvorsitzende klar. Jedes Projekt müsse sich über die erwarteten Rückflüsse rechnen, gab Kissing die Linie vor. Mieten von sechs Euro pro Quadratmeter seien „zu marktgängigen Konditionen nicht hinzubekommen“.

Der Ausstieg aus den risikobehafteten Wertpapieren aus Griechenland und anderen europäischen Krisenstaaten hat der IBB ein besseres Jahresergebnis verhagelt. „Ohne Griechenland wäre es ein sehr gutes Jahr gewesen, mit Griechenland war es ein gutes“, kommentierte Kissing das wirtschaftliche Ergebnis der IBB von 55 Millionen Euro, knapp über dem Vorjahr. Im ersten Quartal 2012 lag das Ergebnis bei 19 Millionen, über Plan.

75 Millionen Euro im Jahr 2011 verloren

Insgesamt 75 Millionen Euro hat die IBB im vergangenen Jahr verloren, weil sie sich am Schuldenschnitt der Banken beteiligte und andere Papiere unter Wert verkaufte. Noch lagern laut Geschäftsbericht Wertpapiere aus den Krisenstaaten mit einem Buchwert von knapp 800 Millionen Euro in den Büchern der IBB, die größten Brocken sind spanische Bankanleihen von fast 200 Millionen sowie Staatsanleihen von 100 Millionen Euro. In diesem Jahr will Kissing das Wertpapierportfolio von noch 3,5 Milliarden Euro auf 2,5 bis drei Milliarden abschmelzen. „Das ist ein Paradigmenwechsel“, so der IBB-Chef. In der Folge werde auch die Risikovorsorge, die 2011 auf mehr als 80 Millionen Euro verdoppelt worden war, wieder zurück gehen.

In früheren Jahren hatte die landeseigene Bank versucht, das rückläufige Geschäft mit der alten Wohnungsbauförderung durch Engagements auf dem internationalen Wertpapiermarkt zu kompensieren. Denn die Erwartungen der Berliner Politik an die IBB sind vielfältig. Die Bank soll vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen fördern, gleichzeitig aber auch keine übermäßigen Risiken eingehen und zudem Geld erwirtschaften, das in den Landeshaushalt fließt oder im Auftrag des Senats an förderwürdige Institutionen. Die Leistungen für das Land bezifferte Kissing auf 33 Millionen Euro. Es sei ein „Kraftakt“, dazu auch noch den ausgewiesenen Jahresüberschuss von 22 Millionen Euro zu erwirtschaften.

Letztlich hat die IBB aber die Möglichkeit, Berlins Unternehmen finanziell zu helfen. Einzelne Finanzierungszusagen für die Wirtschaftsförderung haben ein Volumen von 362 Millionen Euro erreicht, 105 davon als Zuschüsse und 257 Millionen als Kredite. Hinzu kommen noch 100 Millionen, die als Globaldarlehen an Banken geflossen sind.

Vor allem in der Förderung von Unternehmensgründern spielt die IBB inzwischen eine wesentliche Rolle in Berlin. 463 Finanzierungszusagen gab es für die ganz jungen Unternehmen, die zusammen 67,5 Millionen erhielten. Ein Drittel davon floss in Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Die IBB geht davon aus, dass sie bei etwa jeder dritten der mit nennenswertem Fremdkapital verbundenen Gründung Berlins mit im Boot ist. Berlins Bestandsunternehmen bekamen 627 Finanzierungen von der IBB, hier spielte die Technologieförderung jedoch eine weniger gewichtige Rolle.

Pech mit Solarwirtschaft

Zu 80 Prozent finanziert die IBB Unternehmen und Projekte, die zu den fünf vom Senat definierten Wachstumsbranchen der Stadt, den so genannten Clustern, gehören. Der Sektor „Verkehr, Mobilität Logistik“ bekam 121,4 Millionen Euro, es folgten „Informations- und Kommunikationstechnik, Medien, Kreativwirtschaft“ (68,2 Mio.), Gesundheitswirtschaft (53,4 Mio.), Energietechnik (22,8 Mio.) sowie Optische Technologien (21,7 Mio.).

Weniger Glück hatte die IBB mit ihrem Engagement in der ostdeutschen Solarwirtschaft, in der viele Unternehmen in den vergangenen Monaten Konkurs angemeldet haben. Die Förderung sei „dezidierte Politik“ gewesen, sagte Kissing. Die IBB habe Verluste gemacht, „aber das ist kein Betrag, der uns massiv schmerzen würde“.