Job-Kahlschlag

Hewlett-Packard streicht weltweit 27.000 Stellen

Die Befürchtungen haben sich bestätigt: Bei HP sollen 27.000 Leute gehen. Die Mitarbeiter müssen auch für Management-Fehler büßen.

Der angeschlagene Computerhersteller Hewlett-Packard plant mit einem radikalen Stellenabbau den Befreiungsschlag. Unter dem Druck schwacher Geschäfte und hausgemachter Probleme greift die neue Konzern-Chefin Meg Whitman zur Axt und streicht in den kommenden Jahren 27.000 Arbeitsplätze. Das entspricht ungefähr acht Prozent der Belegschaft. Der Marktführer verspricht sich davon den Durchbruch in bessere Zeiten. „Der Abbau ist in diesem Fall absolut entscheidend für die langfristige Gesundheit des Unternehmens“, erklärte die frühere eBay-Chefin, die zu den mächtigsten Frauen in der US-Geschäftswelt zählt.

Hewlett-Packard verbuchte im abgelaufenen Geschäftsquartal erneut einen massiven Gewinnrückgang und büßte weiter beim Umsatz ein. Experten sehen aber erste Anzeichen dafür, dass der US-Konzern nach dem turbulenten vergangenen Jahr mit zwei Chefwechseln wieder Fuß fasst. Die Aktie legte nachbörslich elf Prozent zu. Whitman ließ zunächst offen, wie groß die Einschnitte im Europa-Geschäft und damit Deutschland sind. Ein Drittel der Arbeitsplätze werde in den USA wegfallen, sagte sie lediglich. „Das ist ein breit angelegtes Programm. Es wird alle bei HP betreffen.“ Hewlett Packard unterhält unter anderem Standorte in Böblingen bei Stuttgart und München. Die Konzernchefin machte das schwache Geschäft auf dem Kontinent mitverantwortlich für das schlechte Vorankommen. Unternehmen und Verbraucher in Europa seien verunsichert und dies schade Hewlett Packard, sagte sie. Die Schuldenkrise habe einen starken Gegenwind erzeugt.

HP leidet darunter, dass immer mehr Kunden zu einem Tablet-Computer oder ihrem Smartphone greifen und sich den Kauf eines neuen PC sparen.

Erschwerend hinzu kamen in der jüngeren Vergangenheit Querelen und konfuse Entscheidungen im Management. Die frühere Ebay-Lenkerin Meg Whitman hat den Chefjob bei HP im September angetreten und räumt seitdem auf.

Durch die harten Einschnitte will HP 3,0 bis 3,5 Milliarden Dollar im Jahr sparen (2,4 bis 2,8 Mrd Euro). Der Stellenabbau variiere je nach Land, erklärte das Unternehmen. Ein Teil der Mitarbeiter soll in Frühruhestand gehen. Informationen zu Deutschland gab es am Donnerstag zunächst nicht.

„Ein Stellenabbau ist niemals leicht“, erklärte Konzernchefin Whitman am Mittwoch. „Aber in diesem Fall ist er absolut notwendig.“ HP verkauft immer weniger Computer und Drucker. Der kalifornische Konzern droht sogar, die PC-Marktführerschaft an den chinesischen Rivalen Lenovo zu verlieren, der zuletzt merklich zulegen konnte.

Börsianer erfreut

Im zweiten Geschäftsquartal von Februar bis April ging der Umsatz um 3 Prozent auf 30,7 Milliarden Dollar zurück und der Gewinn gab im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 31 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar nach. Im vorangegangenen Weihnachtsquartal war der Rückgang allerdings noch drastischer ausgefallen.

Die Kennzahlen übertrafen jedoch die Prognosen der Experten – ein Novum in der jüngeren Geschichte des Konzerns, der für negative Überraschungen inzwischen gefürchtet ist. Analysten waren zudem erleichtert, dass der Marktführer einen besseren Eindruck hinterließ als die Nummer 3 der Branche, Dell. Der US-Rivale hatte am Dienstag eine Quartalsbilanz vorgelegt, die wenig Gutes verhieß. „Alle haben nach Dell erwartet, dass HP die Erwartungen verfehlt“, sagte Shaw Wu von Sterne Agee. „Aber es sieht so aus, als ob der Konzern wieder Tritt fasst.“

„Ich würde noch nicht so weit gehen zu sagen, wir haben die Kurve gekriegt“, sagte Whitman in einer Telefonkonferenz mit Analysten. „Aber wir machen Fortschritte.“ Es dauere, HP wieder in die Spur zu bringen. Alleine die Kosten für den Stellenabbau veranschlagt das Unternehmen mit 3,5 Milliarden Dollar.

Bei den Börsianern kamen die Sparpläne gut an. Zudem lief das Geschäft besser als befürchtet. Die Aktie stieg nachbörslich um 8,6 Prozent auf gut 21 Dollar. Für viele Anleger dürfte aber selbst dieser Sprung nur ein schwacher Trost sein: Vor einem Jahr kostete das HP-Papier noch 36 Dollar.

Selbst die einstige Geldmaschine von HP stottert: die Drucker. Der Umsatz der Sparte ging um satte 10 Prozent zurück. Whitman hatte im März angekündigt, die Drucker- mit der PC-Sparte zusammenzulegen. Das soll Verbesserungen bei Produktion, Einkauf, Kundendienst und Marketing bringen und sparen helfen.

Es ist eine radikale Abkehr von den Plänen von Whitmans Vorgänger, dem aus Deutschland stammenden Léo Apotheker. Der wollte das PC-Geschäft abspalten und sich auf IT-Dienstleistungen und Software konzentrieren. Damit eckte er bei seinen Managerkollegen und bei den Anteilseignern an. Er musste schließlich gehen. Ebenso verlässt Hewlett-Packard jetzt auch der Chef des von Apotheker für knapp 12 Milliarden Dollar gekauften britischen Software-Spezialisten Autonomy, Mike Lynch.

Whitmann steckt Ersparnisse in PC- und Tablet-Entwicklung

Der Stellenabbau soll jährlich bis zu 3,5 Milliarden Dollar sparen. Der rund 330.000 Mitarbeiter beschäftigende Konzern will dabei weitgehend ohne Entlassungen auskommen und stattdessen Frühpensionierungen anbieten. Dafür legt HP zunächst 1,7 Milliarden Dollar im bis Ende September laufenden Geschäftsjahr zur Seite. Bis Herbst 2014 soll der Abbau abgeschlossen sein.

Das gesparte Geld will Whitman in die Forschung und Entwicklung stecken, um den Rückstand bei den Kernprodukten Drucker und PCs aufzuholen. Zudem nimmt der Konzern einen zweiten Anlauf, ins lukrative Geschäft mit Tablets vorzustoßen. Man werde im Laufe des Jahres einen Kleincomputer mit dem Betriebssystem Windows 8 von Microsoft für Privatkunden und Unternehmen auf den Markt bringen, sagte Whitman.

Hewlett Packard hat den Tablet-Trend zunächst verpasst, dann ein erstes eigenes Modell wieder zurückgezogen. Whitman setzte das Thema aber wieder auf die Tagesordnung, nachdem sie den Konzern im September übernommen hatte. Ihr Vorgänger, der deutsche Leo Apotheker, wollte sich ganz aus dem PC-Geschäft verabschieden, musste dann aber selbst nach wenigen Monaten den Hut nehmen. Unzufrieden äußerte sich die Konzernchefin auch mit einem anderen Erbe aus der Apotheker-Zeit: Das zugekaufte Software-Unternehmen Autonomy entwickelt sich demnach nicht wie erhofft. Die Sparte trug ihren Worten zufolge weniger zum Ergebnis bei als erwartet.