Wall Street

Facebook stolpert mit Pannenserie an die Börse

Das Wall-Street-Debüt des sozialen Netzwerks ist enttäuschend verlaufen. Computerpannen überschatten den Handelsstart.

Das weltgrößte soziale Netzwerk Facebook hat ein enttäuschendes Börsendebüt hingelegt. Die Aktien notierten kurz nach Handelsbeginn am Freitag mit 38 Dollar exakt zu ihrem Ausgabepreis. Nach dem Start waren sie noch bis auf 45 Dollar gestiegen, dann bröckelte der Kurs aber ab. „Ich bin überrascht über die Schwäche“, sagte Investor Kevin Landis dem US-Wirtschaftssender CNBC.

Viele Experten hatten im Vorfeld ein deutliches Kursplus bei dem weltgrößten Börsengang eines Technologieunternehmens vorhergesagt. Den Gang an die Börse hatte Firmengründer und -chef Mark Zuckerberg zuvor in der Zentrale im kalifornischen Silicon Valley unter dem Applaus seiner Mitarbeiter mit der traditionellen Startglocke eingeläutet. Der schwache Beginn belastete auch die US-Börsen, wo die Kurse ins Minus drehten.

Möglich, dass Computerprobleme den Start vermiesten. Bereits der Beginn des Handels mit der Aktie verzögerte sich um eine halbe Stunde – in der schnelllebigen Börsenwelt ist das eine Ewigkeit. Die schiere Zahl der Kauf- und Verkaufsaufträge überforderte die Nasdaq und sorgte für einen Imageschaden. Vermutlich sorgten die überlasteten Börsensysteme auch dafür, dass die Facebook-Aktie einknickte. Der Fernsehsender CNBC berichtete, dass Wertpapier-Händler wegen der Pannenserie keine Aufträge mehr erteilt hätten – damit blieb die Nachfrage nach den Aktien aus, und der Kurs brach ein.

Wegen der hohen Nachfrage hatte Facebook nur zwei Tage vor dem Handelsstart 25 Prozent mehr Aktien für das IPO bereitgestellt als ursprünglich geplant. Auch die Preisspanne war von 34 bis 38 Dollar von zuvor 28 bis 35 Dollar je Papier angehoben worden. Mit einer Marktkapitalisierung von 104 Milliarden Dollar war Facebook mit dem Glockenschlag so viel wert wie die deutschen Traditionskonzerne Daimler und BMW und Lufthansa zusammen. Der Weg zu den ganz großen Namen der Technologiebranche ist aber noch weit. Apple etwa ist an der Börse derzeit etwa 500 Milliarden Dollar wert. Der große Rivale Google wird mit rund 200 Milliarden Euro bewertet.

Wie groß das Kursplus am ersten Tag ausfallen muss, um als Erfolg zu gelten, darüber waren die Meinungen der Analysten und Experten weit auseinandergegangen. „Ein Sprung von 15 bis 20 Prozent ist im Bereich des Möglichen“, sagte Finanzprofessor Tim Loughran. Andere hielten Kursaufschläge von 30 Prozent für erreichbar. Einer Morningstar-Umfrage zufolge sahen Analysten den Schlusskurs am ersten Handelstag bei 50 Dollar. Manche hängten die Erfolgslatte besonders hoch. „Ich denke, alles über 50 Prozent wird als erfolgreiche Emission betrachtet – alles unter 50 Prozent als enttäuschend“, sagte Jim Krampfel, Analyst bei Morningstar. Demnach war der Start eine Enttäuschung. Denn die Aktie schloss nur 23Cent über dem Ausgabekurs.

Doch eins war schon vor dem Debüt klar: Das ist der größte Börsengang eines Technologieunternehmens aller Zeiten und der drittgrößte in den USA. Der Börsenwert von Facebook belief sich zum Start auf 104 Milliarden Dollar. Der Online-Treffpunkt ist damit mehr wert als Hewlett-Packard und Dell zusammen. Und noch ein Rekord, zumindest einen amerikanischen, stellte das Unternehmen auf: Noch nie war ein Unternehmen bei seinem Börsendebüt allein auf Grundlage des Ausgabepreises bereits so viel wert. Mit 104 Mrd. Dollar rangiert es mit deutlichem Abstand vor dem Logistikunternehmen UPS, das 1999 auf 60,2 Mrd. Dollar kam, und AT&T Wireless, das im Jahr 2000 mit 58,9 Mrd. Dollar Marktkapitalisierung in den Handel startete.

Von den Einnahmen des Börsengangs fließt dem erst acht Jahre alten Unternehmen selbst nur etwas mehr als die Hälfte zu. Der Rest geht an Geldgeber, die das Potenzial des Online-Treffpunkts früh erkannt haben. Der 28 Jahre alte Gründer Zuckerberg bleibt auch nach dem IPO Mehrheitseigner. Er verkaufte 30 Millionen Aktien im Wert von rund 1,1 Mrd. Dollar. Die übrigen 504 Millionen Papiere hatten auf Grundlage des Ausgabepreises einen Wert von mehr als 19 Mrd. Dollar – die Kursgewinne in den ersten Handelsminuten noch nicht mit eingerechnet.

Mehr als 900 Millionen Menschen weltweit haben ein Facebook-Konto, organisieren ihre Kontakte über das soziale Netzwerk, posten Fotos und teilen Musik mit Freunden. Kritiker bemängeln, dass noch immer nicht klar ist, wie das kalifornische Unternehmen seine Popularität bei den Nutzern in Umsatz- und Gewinnwachstum ummünzen will. Im ersten Quartal dieses Jahres sank der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent auf 205 Millionen Dollar. Der Umsatz ging um sechs Prozent auf 1,06 Milliarden Dollar zurück.

Anzeigen sind die wichtigste Einnahmequelle für Facebook. Problematisch für die Silicon-Valley-Firma ist, dass immer mehr Anhänger über mobile Zugänge wie Smartphones und Tablets das Netzwerk besuchen. In diesen Fällen kann Facebook weniger für Anzeigen verlangen, zudem schalten bisher weniger Konzerne auf mobilen Geräten Werbung.