Drachme-Rückkehr

Die Euro-Zone rüstet sich für einen Austritt Griechenlands

Während der EU-Kommissar von Notfallszenarien spricht, bereitet sich der weltgrößte private Gelddrucker auf eine Drachme-Rückkehr vor.

Der weltgrößte private Gelddrucker De La Rue stellt sich auf die Rückkehr der griechischen Drachme ein. Angesichts eines möglichen Euro-Austritts Griechenlands müsse man sich auf alle Eventualitäten vorbereiten, sagte ein Insider – der anonym bleiben wollte – der Nachrichtenagentur Reuters. Das britische Unternehmen druckt Banknoten für mehr als 150 Währungen.

Die Vorbereitungen der Gelddrucker kommen nicht von ungefähr. Angesichts der politischen Wirren in Athen kursieren in der Euro-Zone Planspiele für eine Zukunft ohne Griechenland. Die EU-Kommission und die EZB arbeiten EU-Handelskommissar Karel De Gucht zufolge an entsprechenden Notfall-Szenarien. „Vor eineinhalb Jahren mag die Gefahr eines Domino-Effekts bestanden haben“, sagte De Gucht einem am Freitag veröffentlichten Interview der belgischen Zeitung „De Standaard“ zufolge. Aber nun stellten sich Stäbe der EZB und der EU-Kommission auch darauf ein, „dass es Griechenland nicht schafft“.

Die Interview-Äußerungen De Guchts lassen aufhorchen, räumte bisher doch kein Vertreter der EU-Kommission die Existenz von Notfallplänen für einen griechischen Euro-Austritt öffentlich ein. Ein Sprecher der EU-Vertretung in Berlin dementierte, dass in Brüssel ein solcher Fall konkret durchgespielt werde: „Um es deutlich zu sagen, die EU-Kommission arbeitet nicht an einem Austrittsszenario für Griechenland.“ Die EZB wolle Hellas im Euro halten, sagte EZB-Führungsmitglied Jose Manuel Gonzalez-Paramo aus Spanien. Seinem Land droht nach einem Rundumschlag der Ratingagentur Moody's gegen den dortigen Bankensektor noch stärker in den Strudel der Schulden-Krise zu geraten und der zweite große Brandherd der Euro-Zone zu werden.

Dank aufkeimender Hoffnungen auf eine Bewältigung der Schuldenkrise machten die europäischen Aktienmärkte ihre Anfangsverluste im Verlauf wieder wett. Der Euro erholte sich ebenfalls, nachdem eine Umfrage den Sparbefürwortern in Hellas überraschend wieder gute Chancen bei den Wahlen am 17. Juni einräumte. Angesichts dieser Hoffnungsschimmer bemühte sich auch die EZB, die Wogen zu glätten: Es stehe der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht zu, sich über ein Ausstiegsszenario für Griechenland zu äußern, betonte Gonzalez-Paramo, der Ende des Monats turnusmäßig aus dem EZB-Direktorium ausscheidet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel setzt unterdessen auf eine möglichst rasche Bildung einer handlungsfähigen Regierung in Athen. Dies teilte die Kanzlerin dem griechischen Präsidenten Karolos Papoulias am Morgen in einem Telefonat mit.

In Griechenland wittert das vermeintlich bereits auf verlorenem Posten stehende Lager der Sparbefürworter wieder Morgenluft: In der ersten Erhebung seit dem Scheitern der Regierungsgespräche und der Ausrufung von Neuwahlen kamen die konservative Neue Demokratie und die sozialistische Pasok zusammen auf genügend Mandate, um eine Regierungskoalition bilden zu können. Zuletzt hatte das radikale Linksbündnis Syriza, das den von der EU und dem IWF zur Bedingung gemachten Sparkurs ablehnt, in Umfragen vorne gelegen. Das schürte Sorgen, das schuldengeplagte Griechenland könne sich von der Euro-Zone verabschieden und direkt in den Staatsbankrott schlittern.

Auch wenn es noch einen Monat bis zur Wahl am 17. Juni hin ist und Experten davor warnen, einer einzelnen Umfrage zu viel Gewicht einzuräumen, so könnte die jüngste Erhebung doch auf eine Trendwende hindeuten. Mit der Auflösung des erst vor zwölf Tagen gewählten Parlaments macht der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias den Weg für Neuwahlen in dem vom Staatsbankrott bedrohten Euro-Land frei. Von dem neuen Urnengang am 17. Juni erhofft sich Papoulias klare Mehrheitsverhältnisse, die eine rasche Regierungsbildung erlauben.