Wall Street

Facebook legt ein laues Börsendebüt hin

Das weltgrößte soziale Netzwerk hat ein enttäuschendes Börsendebüt hingelegt. Der Start ist schwächer als einst bei Google und LinkedIn.

Laues „Gefällt mir“-Votum für die Facebook-Aktie: Beim größten Börsengang eines Internetunternehmens sind die Anteile des Online-Netzwerkes zunächst hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Nachdem die Aktie zum Handelsbeginn an der Technologiebörse Nasdaq am Freitag zunächst auf 43 Dollar geschossen war, notierte sie eine halbe Stunde später knapp an der 40 Dollarmarke. Das war aber noch über dem Ausgabepreis von 38 Dollar.

Facebook hatte damit 16 Milliarden Dollar eingenommen. Analysten hatten vor dem Börsengang jedoch davon gesprochen, dass jede Preissteigerung unter 50 Prozent wohl als Enttäuschung zu werten sei.

„Ich bin überrascht über die Schwäche“, sagte Investor Kevin Landis dem US-Wirtschaftssender CNBC. „Wer am ersten Tag gegen Facebook gewettet hat, sieht jetzt wie ein Genie aus“, twitterte die Korrespondentin des Senders, Jane Wells.

Gründer Mark Zuckerberg, der 28 Jahre alt ist und auch künftig die Mehrheit der Stimmrechte hält, strotzte zunächst vor Arroganz: Er verzichtete darauf, persönlich an die Wall Street zu kommen. Die Glocke zum Handelsstart, die traditionell jeder Börsengänger zur Erstplatzierung seiner Firmenanteile läuten darf, steuerte er in der Firmenzentrale im kalifornischen Menlo Park fern – per Mausklick. Zuvor hatte er schon in Pulli statt Anzug vor Investoren gesprochen.

Risikofaktor „Datenschutz“ bleibt

Das US-Unternehmen ist bis zuletzt rasant gewachsen, auf derzeit gut 900 Millionen regelmäßige Nutzer aus aller Welt. Mit 23 Millionen Nutzern aus Deutschland pflegt heute auch jeder vierte Bundesbürger auf der Plattform ein persönliches Profil. Ein großes Problem ist vor allem China. Dort dominieren nationale Dienste.

Kritiker auch aus Deutschland warnen zudem ganz grundsätzlich davor, in Facebooks Zukunft zu vertrauen. „Der Datenschutz hat beim Börsengang von Facebook bislang eine untergeordnete Rolle gespielt“, mahnte Schleswig-Holsteins Datenschützer Thilo Weichert in einem Gespräch mit der FAZ, veröffentlicht am Freitag zum Börsengang. Er gehe davon aus, dass Gerichte das Unternehmen bald dazu zwingen werden, sich bei der Auswertung von Nutzerdaten zurückzuhalten. Das hätte Auswirkungen: Facebook lebt davon, Werbung zu personalisieren.

Prominenter Werbekunde steigt bereits aus

Dennoch hat Facebook mit seinem Börsengang vieles getoppt. Beispiel Google: Als der Suchmaschinenkonzern 2004 an die Börse ging, brachte er zunächst Aktien im Wert von nicht einmal zwei Milliarden Dollar unter die Leute. Google war damals nur gut 20 Milliarden Dollar wert – Facebook kommt jetzt wiederum auf mehr als 100 Milliarden Dollar.

Wie groß der Vertrauensvorschuss der Facebook-Anleger ist, zeigt ein Blick in die jüngste Bilanz des Netzwerks, das auch in Hamburg ein Büro betreibt. Facebook setzte im vergangenen Jahr 3,7 Milliarden Dollar um, größtenteils mit Anzeigen. Bewertet ist das Unternehmen an der Börse nun aber fast mit dem Faktor 30 – ein klassischer Hype.

Hinzu kommt: Neben Datenschützern geben sich auch erste Werber äußerst zurückhaltend. Mit dem US-Autokonzern General Motors (GM), der Muttergesellschaft von Opel, will ein prominenter Anzeigenkunde fortan komplett auf Werbung bei Facebook verzichten. Die Börsianer aber ließ auch diese Ankündigung nun ganz offensichtlich kalt.