Übernahmegerücht

Warum sich Apple für Loewe interessieren könnte

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Morgenpost.de

Eine Übernahmegerücht treibt den Aktienkurs von Deutschlands größtem TV-Hersteller. Loewe scheut aber das Wort "Apple".

Will der High-Tech-Konzern Apple Deutschlands größten Fernsehhersteller Loewe übernehmen? Seit ein Internetblog darüber berichtete, befindet sich die Loewe-Aktie auf Höhenflug. Die Internetseite „Apple Insider“ zitiert einen angeblichen Kenner der Pläne, wonach die Amerikaner knapp 88 Millionen Euro für die Oberfranken bieten wollen. Eine Vorentscheidung solle noch in der laufenden Woche fallen. Loewe erklärte allerdings, nicht über eine geplante Übernahme informiert zu sein. Der Aktienkurs schoss dennoch um ein Drittel nach oben.

Loewe ist ein Hersteller exklusiver Fernsehgeräte und Lautsprechersysteme. Apple und Loewe pflegen bislang Vertriebsbeziehungen bei einem Lautsprechersystem für Apple- Produkte. Außerdem könnten Loewe-Fernsehgeräte teils mit einem Miniprogramm für den Apple-Flachcomputer iPad bedient werden.

„Dem Management liegen aktuell keine Informationen vor, dass sich Apple an Loewe beteiligen will“, sagte Loewe-Aufsichtsratschef Rainer Hecker am Dienstag auf der Hauptversammlung in München. Er ist eine Schlüsselperson: Zusammen mit seiner Familie und dem Management kommt der Doyen der deutschen Unterhaltungselektronik auf 14 Prozent der Loewe-Anteile. Zu fast 29 Prozent gehört das Unternehmen dem japanischen Elektronikkonzern Sharp. Der französische IT-Konzern LaCie besitzt elf Prozent.

Morgenpost Online analysiert im Folgenden, warum Loewe für die Kalifornier interessant sein könnte – und was gegen eine Übernahme spricht.

Technologie und Design Apple feilt seit längerem erfolglos an einem breiten Einstieg ins TV-Geschäft. Loewe könnte durch seine lange Erfahrung viel Erfahrung in Sachen Technik und Vermarktung mitbringen. Die ausgetüftelten Geräte vom Erfinder des Fernsehens sind vollgestopft mit Technologie und Schnittstellen. Zudem ähnelt das traditionelle Loewe-Design mit seiner Fokussierung auf die Farben weiß, schwarz und silber dem des weltweit trendsetzenden US-Konzerns fast aufs Haar. Loewe ist in Europa als Premiummarke etabliert. Dort sieht sich auch Apple trotz des Massenerfolgs.

Vernetzung Loewe hat in den vergangenen Jahren seine Produkte konsequent für eine Vernetzung mit der Apple-Welt entwickelt. So kann ein iPad oder iPhone der Amerikaner mittels App als Fernbedienung für Loewe-Fernseher dienen. Auch die Audi-Produkte baute Loewe um Apple herum. Der Lautsprecher „Air Speaker“ gibt drahtlos Musik von den Apple-Geräten wieder. Der Computerriese verkauft die 750 Euro teuren Boxen in Deutschland sogar in seinen Läden und europaweit über seine Online-Shops.

Nische Loewe ist ein Nischenanbieter. Der Jahresabsatz liegt bei rund 200.000 Geräten, selbst mittlere Anbieter wie Sharp oder Panasonic kommen auf ein Vielfaches. Der einzige Produktionsstandort des Traditionsherstellers liegt im oberfränkischen Kronach. Loewe ist international nur in Europa und dem Nahen Osten vertreten, in Asien und den USA ist die Marke unbekannt.

Preise Die Loewe-Apparate kosten ein Mehrfaches des Durchschnittspreises für TV-Geräte in Europa, die Preisskala für Fernseher mittlerer Größe beginnt bei 1500 Euro und reicht bis 12.000 Euro für die Top-Produkte. Damit kommt Loewe in Deutschland auf einen Marktanteil von an die fünf Prozent. Zuletzt hatte Loewe zudem mit Verlusten zu kämpfen. 2011 fuhr das Unternehmen 11 Millionen Euro Verlust ein, im ersten Quartal dieses Jahres waren es 900 000 Euro.