Weltbevölkerung

Bei acht Milliarden Menschen ist Schluss

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Claudia Ehrenstein

Foto: ANP

Der Club of Rome blickt ins Jahr 2052 und zeichnet eine düstere Zukunft – mit einigen Ausnahmen.

Jorgen Randers ist Professor an der Norwegian Business School in Oslo. Und seine Spezialität ist es, in die Zukunft zu schauen: Der Klimawandel werde dramatisch zunehmen, sagt er. Das weltweite Bruttoinlandsprodukt werde langsamer steigen als erwartet. Und auch der Produktivitätszuwachs werde deutlich geringer ausfallen, weil viele Volkswirtschaften ihr Entwicklungspotenzial ausgeschöpft hätten und soziale Verteilungskämpfe zunähmen.

Das sind nur einige der düsteren Prognosen, die Randers jetzt in Rotterdam präsentiert hat. Der Herausgeber des Club-of-Rome-Reports „2052“ hat mit mehr als 30 Wissenschaftler und Wirtschaftsexperten Zukunftsszenarien für die kommenden 40 Jahre entwickelt. Veröffentlicht wird der Text genau 40 Jahre, nachdem der Club of Rome mit seinem ersten Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ vor der Endlichkeit natürlicher Ressourcen warnte und damit weltweit für Aufsehen – und auch Empörung – sorgte.

Kritiker warfen den internationalen Forschern um den US-Ökonom Dennis Meadows damals vor, mit ihrem neuen „Weltmodell“ zur Planwirtschaft aufzurufen. Die noch junge Umweltbewegung fühlte sich dagegen durch den Report bestätigt. Die folgende Ölkrise schien ihnen Recht zugeben. An einigen Punkten erwiesen sich die Prognosen jedoch später als schlicht falsch.

China wird der große Gewinner

Randers hatte schon am ersten Club-of-Rome-Report mitgearbeitet. Damals war er Mitte 20 und nach eigenem Bekunden optimistisch, dass der Menschheit genügend Zeit bleiben würde, ihren Lebensstil so zu verändern, dass die natürlichen Lebensgrundlagen nicht zerstört würden. Inzwischen schaut er pessimistischer in die Zukunft. So werde etwa der Ausstoß von klimarelevanten Treibhausgasen noch bis 2030 weiter zunehmen und erst dann zurückgehen, was nach Einschätzung Randers mindestens 15 Jahre zu spät ist.

Die Erde werde sich daher weiter erwärmen und der Meeresspiegel ansteigen. Extremes Wetter, verheerende Dürren und Überflutungen würden zunehmen, warnt er. „Und im Jahr 2052 wird die Welt mit Schrecken auf weitere Änderungen in der zweiten Hälfte des Jahrhundert blicken.“ Neben dem Klima-Pessimismus geben die Wissenschaftler aber auch positive Prognosen ab: So werde es in den Entwicklungsländern bis 2052 weniger Armut geben.

In den Industrienationen werde allerdings die Ungleichheit zunehmen und die Wirtschaft stagnieren. Länder wie Brasilien, Russland, Indien, Südafrika und allen voran China dagegen werden zu den Gewinnern gehören. Solche Vorhersagen hören sich ähnlich an wie die der Investmentbank Goldman Sachs, die den Aufstieg der „BRIC“-Staaten schon vor Jahren vorhergesagt hat.

Und doch unterscheidet sich der Ansatz des Club of Rome deutlich: Chandran Nair, Wirtschaftsexperte aus Malaysia, kritisiert den „fast religiösen Glauben“ des Westens an freie Märkte und fordert, den Konsum auf ein Maß zu bringen, das die Erde nicht zerstöre. Der argentinische Investmentmanager und Mitautor des Reports, Carlos Joly, empfiehlt beispielsweise, umweltrelevante Faktoren wie Wasserressourcen, Bodenfruchtbarkeit, Lebensqualität und Klima künftig in die Berechnungen des Bruttoinlandsprodukts mit einzubeziehen.

Der neue Report enthält noch eine weitere gute Nachricht. So wird die Weltbevölkerung nicht so stark steigen wie bislang befürchtet. Sie soll den Berechnungen zufolge bis 2042 noch um eine Milliarde zunehmen und dann bei 8,1 Milliarden ihren Höchststand erreichen. Die Vereinten Nationen waren bei ihren Berechnungen bislang von einem Bevölkerungsmaximum von rund neun Milliarden Menschen ausgegangen. Der Generalsekretär des „Club of Rome“, Ian Johnson, mahnt dennoch schnelles Handeln an, damit auch künftige Generationen auf einem intakten, zukunftsfähigen Planeten leben könnten.

mit dpa