Krise

Arbeitslosigkeit ist in Euro-Zone auf Rekordwert gestiegen

Noch nie waren so viele Menschen in den Euro-Ländern ohne Job. Die Lage in Spanien und Griechenland ist desolat. Deutschland steht gut da.

Während in Deutschland die Arbeitslosigkeit weiter sinkt, ist sie in der Euro-Zone auf einen Rekordwert gestiegen. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote in den 17 Euro-Ländern lag im März bei 10,9 Prozent, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg meldete. Es ist der höchste Wert seit Einführung der Gemeinschaftswährung 2001. Für die gesamte EU lag die Quote im März wie bereits im Februar bei unverändert hohen 10,2 Prozent. Das ist der höchste Wert, seit die EU 2007 auf 27 Mitgliedsstaaten erweitert wurde.

Laut Eurostat waren im März 2012 in der EU insgesamt 24,8 Millionen Männer und Frauen arbeitslos, 17,4 Millionen von ihnen im Euro-Raum. Gegenüber Februar ist die Zahl der Arbeitslosen demnach in der EU um 193.000 und in der Euro-Zone um 169.000 Menschen gestiegen.

Die meisten Arbeitslosen gibt es in den Krisenländern Spanien mit 24,1 Prozent und Griechenland, wo die Behörden die Quote für Januar mit 21,7 Prozent angeben. Deutschland dagegen gehört laut Eurostat mit einer Quote von 5,6 Prozent nach Österreich, den Niederlanden und Luxemburg zu den Ländern mit der niedrigsten Quote.

Nach Berechnung der Bundesagentur für Arbeit sank die Arbeitslosenquote im April auf 7,0 (März 7,2) Prozent. Ein Jahr zuvor waren es 7,3 Prozent. Erstmals in diesem Jahr fiel die Arbeitslosenzahl mit 2,963 Millionen wieder unter die Marke von drei Millionen und zugleich auf den tiefsten April-Stand seit 20 Jahren. Es wurden 65000 weniger Arbeitslose als im März gezählt. Auch wenn die Zahlen recht gut aussehen: Die Frühjahrsbelebung fiel damit äußerst schwach aus. In den vergangenen drei Jahren war die April-Arbeitslosigkeit im Schnitt mehr als doppelt so stark gesunken.

Optimismus in Deutschland

„Auf dem Arbeitsmarkt hält die positive Grundtendenz an, obwohl die Konjunktur zuletzt an Schwung verloren hat“, sagte Bundesagentur-Chef Frank-Jürgen Weise. Für den schwachen April-Rückgang machte er unter anderem die Einschnitte bei der aktiven Arbeitsmarktpolitik verantwortlich – darunter fallen Weiterbildung der Arbeitslosen und Zuschüsse für Unternehmen, die Arbeitslose einstellen. Auch bremsten die Osterferien die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen.

Die Bundesagentur hält jedenfalls an ihrer optimistischen Arbeitsmarktprognose für das laufende Jahr fest. Weise zufolge erwartet die Behörde für 2012 im Durchschnitt 2,92 Millionen Erwerbslose; dies wären 50.000 weniger als im Boomjahr 2011.

Bestätigt in seiner positiven Grundhaltung sieht sich Weise durch das weiterhin große Angebot an freien Stellen, auch wenn sich ein Ende des Booms abzeichne. Die Unternehmen meldeten der Bundesagentur im April 499.000 unbesetzte Arbeitsplätze gemeldet; 38.000 mehr als vor einem Jahr. Die positive Tendenz spiegelten auch die Erwerbstätigenzahlen wider. Sie sind nach den jüngsten Daten vom März binnen Jahresfrist um 596.000 auf 41,21 Millionen gestiegen. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung legte im Vergleich zum Vorjahr um 694.000 auf 28,61 Millionen zu (Februardaten).

Auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) rechnet damit, dass sich der Arbeitsmarkt in Deutschland positiv entwickelt. Auch wenn „die ganz ganz hohe Dynamik“ von vor einem Jahr nicht mehr da sei, so gebe es doch keinerlei Anzeichen für ein Ende des Beschäftigungsaufbaus, sagte sie. Nach Ansicht der SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles macht sich dagegen die schwächelnde Konjunktur auf dem Arbeitsmarkt bereits bemerkbar, indem sie weniger Rückenwind biete. Die exportorientierte Wirtschaft leide unter den wegbrechenden Absatzmärkten vor allem in Osteuropa, sagte sie.

„Sehr besorgniserregend“

Unterschiedlich beurteilten auch Arbeitgeber und Gewerkschaften die Lage. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warf der Bundesregierung vor, sie habe versäumt, „für Ordnung und existenzsichernde Löhne am Arbeitsmarkt zu sorgen“. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sah den Arbeitsmarkt dagegen auf Erfolgskurs. „Insbesondere über flexible Beschäftigungsformen wie Befristungen oder Zeitarbeit konnten viele Menschen den Einstieg in Arbeit finden.“

Die schlechten Arbeitsmarktzahlen in Europa alarmieren indessen die EU. Eine Sprecherin von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso nannte die Rekordarbeitslosenquote „sehr besorgniserregend“. „Die neuen Zahlen unterstreichen wieder einmal das sehr ernste Ausmaß des Problems“, sagte Beschäftigungskommissar László Andor. „Sie bestätigen die Dringlichkeit, dynamischere Arbeitsmärkte zu schaffen.“

Einige Politiker fordern, als Mittel gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise nicht nur zu sparen, sondern auch das Wirtschaftswachstum zu beleben. Schwung könnte die Debatte bekommen, sollte bei der Stichwahl zum Präsidentenamt in Frankreich am Sonntag der Herausforderer François Hollande gegen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy gewinnen. Hollande will den Fiskalpakt, der auf Sparen und solide Haushaltsführung ausgelegt ist, um Wachstumselemente ergänzen. mit dpa