Börsengang

Facebook beginnt am Montag mit Werbetour für seine Aktie

Am 18. Mai will das soziale Netzwerk angeblich an die Börse. Doch noch immer rätseln Experten: Wie viel ist das Unternehmen wirklich wert?

Der Börsengang von Facebook steht kurz bevor. An diesem Montag soll das weltgrößte Online-Netzwerk seine Werbetour bei potenziellen Anlegern beginnen. Der Börsengang könne dann am 18. Mai über die Bühne gehen, berichtet das "Wall Street Journal".

Facebook hatte den seit Langem erwartete Börsengang Anfang Februar angekündigt, bisher aber keinen offiziellen Termin genannt.

Lange war mit Mitte bis Ende Mai gerechnet worden. Vor Kurzem hatte der US-Fernsehsender CNBC dann berichtet, eine Verschiebung in den Juni sei wahrscheinlich, unter anderem weil die Unterlagen um den Zukauf der Fotoplattform Instagram ergänzt werden mussten und Gründer Mark Zuckerberg zu beschäftigt gewesen sei.

Nun könnte der Börsengang doch früher kommen. Üblicherweise dauert eine solche Werbetour ein bis zwei Wochen. Verläuft sie erfolgreich, wird sie oft um einige Tage verkürzt. So könnte sich der Terminplan noch um "ein bis zwei Tage verschieben".

Facebook geht auf Werbetour

Die "New York Times" berichtete, Facebook wolle in New York, Boston, San Francisco, Chicago, Baltimore und möglicherweise auch Los Angeles Investoren anwerben. Zuckerberg wolle selbst vor die Investoren treten, zitiert der in der Regel gut informierte IT-Blog "All Things Digital" eine mit der Sache vertraute Person. "Facebook ist Mark Zuckerberg und Mark Zuckerberg ist Facebook."

Andere Quellen halten es dagegen für wahrscheinlicher, dass Zuckerberg nicht an der Werbetour teilnimmt. Zuckerberg wirke vor Menschenmengen zu nervös. Das könnte sich allerdings als Bumerang erweisen: Bereits im vergangenen Monat war der Facebook-Gründer einem wichtigen Termin mit Bankern und Analysten ferngeblieben, was bei den Investoren nicht gut ankam.

Auch darüber hinaus hat sich Zuckerberg zuletzt nicht nur Freunde gemacht. So wolle das Unternehmen unpassende Aktionäre angeblich ablehnen und setze auf Anleger, die das Papier über längere Zeit halten würden. Das habe Banker frustriert, die die Aktie ihren Privatkunden anbieten wollten.

Fünf Milliarden sollen eingespielt werden

Dennoch besteht Analysten zufolge weiterhin großes Interesse unter Investoren. Facebook will mit den Aktien rund fünf Milliarden Dollar (3,81 Milliarden Euro) erlösen. Das wäre der bisher größte Börsengang eines Internet-Unternehmens. Hartnäckig halten sich Spekulationen, dass die Einnahmen auch auf zehn Milliarden Dollar steigen könnten – und das trotz zuletzt leicht sinkender Gewinne.

In den ersten drei Monaten dieses Jahres verbuchte Facebook einen Umsatz von mehr als einer Milliarden Dollar und kam auf mehr als 900 Millionen Nutzer. Zudem versuchte Facebook auch durch Übernahmen anderer Unternehmen zu wachsen.

So hatte das Internet-Unternehmen im April für eine Milliarden Dollar den Online-Fotodienstleister Instagram geschluckt. Einige Tage später kam dann noch der Kauf von Microsoft-Patenten für 550 Millionen Dollar hinzu. Der Wert von Facebook wird auf 75 bis 100 Milliarden Dollar geschätzt.

Zweifel am hohen Wert von Facebook

Allerdings werden immer wieder Zweifel laut, ob Facebook so viel wert ist – und ob das Internet-Unternehmen tatsächlich vor einer glänzenden Zukunft steht. In der Vergangenheit waren aufgehende Internet-Sterne wie "Myspace" oder "StudiVZ" schnell wieder abgestürzt. Insbesondere die Werbeindustrie sorgt sich, dass ihre Anzeigen auf Facebook womöglich herausgeschmissenes Geld sein könnten.

Drei Milliarden Dollar setzt das soziale Netzwerk im Jahr mit Anzeigen um. Allerdings lässt sich der Erfolg der Anzeigen kaum messen. "Die Frage bei Facebook und vielen anderen sozialen Netzwerken ist: Was bekommen wir für unsere Dollar?", sagte Michael Sprague, beim Autobauer Kia für das Marketing in Nordamerika zuständig, dem "Wall Street Journal".

Kia schaltet seit 2009 Anzeigen bei Facebook und plant auch, noch mehr Geld dort auszugeben. Natürlich sei es unschätzbar wertvoll, seine Marke auf einer Seite zu präsentieren, die 900 Millionen Nutzer hat. Aber Sprague fragt sich: "Wenn ein Verbraucher meine Anzeige dort sieht, führt das auf lange Sicht zum Kauf eines Neuwagens?"

Werbegeschäft wird angekurbelt

Die Sorgen von Kia und anderen Kunden unterstreichen, wie schwierig es ist, den Erfolg neuer Werbeformen zu messen. Die Konkurrenz um Google und Yahoo verkauft traditionelle Anzeigen auf ihren Seiten. Facebook bietet ebenfalls klassische, auf Text und Bildern basierende, Anzeigen an.

Darüber hinaus versucht der Börsenaspirant, das Werbegeschäft mit neuen, noch nicht ausführlich getesteten Werbeformen anzukurbeln. Banken und Investoren stellt dies allerdings vor ein Dilemma. Sie können den wahren Wert von Facebook nur schwer bewerten.

Zudem hat Facebook es sich mit einigen Anzeigenkunden verscherzt. Diese werfen dem sozialen Netzwerk schon lange arrogantes Auftreten und einen Missbrauch seiner Machtstellung vor. So lehne es Facebook ab, mehr Nutzungsdaten für die Anzeigen zu erheben.

Das Unternehmen hat inzwischen reagiert und arbeitet mit Datenspezialisten zusammen. Mit deren Hilfe soll der Erfolg der Werbeanzeigen besser ausgewertet können.