Fernsehen

Tausende Berliner versäumten Umstieg auf Digital

Das analoge Sat-TV endet an diesem Montag. Viele Berliner haben bis zum Schluss mit der Umrüstung gewartet.

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Vorbereitet wurde es mit sprichwörtlicher deutscher Gründlichkeit. Landesmedienanstalten, Fernsehsender, Satellitenbetreiber und Elektronikhändler informieren seit gut zwei Jahren auf allen erdenklichen Kanälen – über Broschüren, Internet, TV sowie Hörfunkspots – über das Ende des analogen Satelliten-Fernsehens. In den vergangenen Wochen wurde sogar ein Laufband auf Millionen Fernsehschirmen eingeblendet. Dennoch wird es an diesem Montag von drei Uhr morgens an auf einer Reihe von deutschen TV-Geräten nur noch rauschen.

Dann endet die analoge Ausstrahlung des Fernsehprogramms über den Astra-Satelliten. Seit zwei Jahren werden die17 Millionen TV-Schüssel-Nutzer auf diesen Schritt vorbereitet. Bis zuletzt schien es so, als würden viele die Umrüstung auf das digitale Zeitalter versäumen. Laut einer Umfrage im Auftrag des Satellitenbetreibers SES Astra hatten Ende vergangenen Jahres 1,8 Millionen Haushalte noch nicht auf digitalen Empfang umgestellt. Doch wie es aussieht, wurden die notwendigen Digital-Receiver seitdem in hoher Zahl angeschafft. Im letzten Moment hat sich Fernsehdeutschland doch noch für das digitale Zeitalter gewappnet.

Einige Tausend in Berlin

Der Branchenverband Bitkom hat herausgefunden, dass seit Jahresanfang 3,4 Millionen Receiver und Fernseher mit Digitalempfängern über die Ladentische gegangen sind. „Höchstens wenige Zehntausend Haushalte haben wohl noch nicht umgestellt“, schätzt Bitkom-Mann Maurice Shahd. Die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (GFU) sowie die Initiative Klardigital glauben, dass schlimmstenfalls 300.000 Haushalte bislang noch nicht umgestellt haben. In Berlin dürften es kaum mehr als wenige Tausend sein. Einer Umfrage zufolge sahen im vergangenen September 120.000 Haushalte in Berlin und Brandenburg noch analoges Sat-TV.

Klaus Hofmann leitet das Projektbüro Klardigital, das von den Landesmedienanstalten sowie privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern getragen wird. Ihn wundert ein wenig, dass es an diesem Montag überhaupt einen Satelliten-TV-Haushalt in Deutschland geben wird, der noch auf ein analoges Signal hofft. „Seit zwei Jahren wird informiert. Da ist es ziemlich unverständlich, dass so lange gewartet wird“, sagt Hofmann. In seinem Büro gingen Beschwerden über die eingeblendeten Laufbänder ein. Und Hofmann bekam aufgeregte Anrufe von Menschen, die wissen wollten, ob sie nach der Umrüstung in Ferienwohnungen und Hotels im Ausland noch deutsche Sender sehen können. Auch dort, beschied Hofmann ihnen, muss umgerüstet werden. Denn die europäischen Fernsehsender werden nur über einen Satelliten ausgestrahlt.

Auch die Betreiber von Gemeinschaftsanlagen in Mietshäusern, Krankenhäusern und Hotels mussten umrüsten. In diesem Fall können Zuschauer nur hoffen, dass die Umrüstung erfolgte. Die notwendigen Änderungen an einer solchen Anlage nehmen Handwerker vor. Und die haben derzeit gut zu tun, wie Roland Stehle von der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik berichtet. „Da gibt es Wartezeiten von zwei bis drei Wochen“, sagt Stehle.

Gedränge im Elektronikmarkt

Offenbar erreichte das Informations-Sperrfeuer nicht alle. „Das sind wohl Technikverweigerer, vielleicht auch viele Ältere, die verunsichert sind“, mutmaßt Stehle. Doch weil Fernsehen gemäß allen Umfragen die liebste Freizeitbeschäftigung der Deutschen ist, dürfte es von diesem Montag an hier und da zu Gedränge in Elektronikmärkten kommen. Schwierig werden kann es auch, wenn jemand einen Fachmann braucht, um seine Anlage auf dem Dach umzubauen. Da reichen die Kapazitäten derzeit nicht aus. Im Handwerk sei eine relativ hohe Auslastung zu bemerken, betont Klaus Hofmann von Klardigital, der Initiative der Landesmedienanstalten und Sender.

Das digitale Fernsehen sorgt für bessere Ton- und Bildqualität auf dem heimischen Bildschirm. Zudem wächst auf diesem Weg die Zahl der empfangbaren TV-Programme. Die Umrüstung wird notwendig, weil analoge Receiver das digitale Signal nicht empfangen können. Also müssen digitale Receiver eingesetzt werden – entweder als eigenes Gerät oder eingebaut im Fernseher. Zudem benötigt die Satellitenschüssel ein digitaltaugliches Empfangsteil, den Universal-LNB (Low Noise Block). Bei Anlagen ab dem Baujahr 1997 ist dieser LNB bereits integriert.

Um die bessere Qualität auch sehen zu können, muss ein Flachbildfernseher mit „HD ready“ oder „Full HD“-Technik ausgestattet sein. Alte Röhrenfernseher verfügen nicht darüber. Bei der Wahl eines Receivers ist zu beachten, dass sich die HD-Programme von ARD und ZDF nicht nur wiedergeben, sondern auch aufzeichnen lassen, ebenso die der Privatsender – diese aber nur in Standardauflösung.

Das sind die Alternativen

DVB-S: Mit fast 300 frei verfügbaren deutschsprachigen Radio- und TV-Sendern bietet digitales Sat-TV das größte Angebot. Anderssprachige Programme dazugerechnet, sind es sogar mehr als 600. DVB-S ist in Deutschland überall verfügbar, wenn die Schüssel auf einer unverbauten Sichtachse zum Satelliten in südlicher Himmelsrichtung ausgerichtet werden kann. Der Empfang ist kostenlos.

DVB-T: Bis zu 34 öffentlich-rechtliche und private TV-Sender sowie Radiosender in Großstädten und Ballungsgebieten. In ländlicheren Gebieten gibt es dagegen manchmal nur ein Dutzend öffentlich-rechtlicher Programme plus Radio. DVB-T ist fast flächendeckend verfügbar, allerdings reicht für den Empfang in der Fläche nicht immer eine Zimmerantenne. DVB-T ist kostenlos. HD-Sender werden nicht übertragen.

DVB-C: In den Kabelnetzen stehen digital bis zu 100 TV-Sender zur Verfügung. Wer schon Analog-Kabelkunde ist, kann für rund drei Euro monatlichen Aufpreis einen Zusatzvertrag für den digitalen Empfang abschließen. Ein neuer TV-Einzelnutzervertrag für digitales Kabel kostet bis zu 19 Euro im Monat.