Aktiensplit

Die beiden Google-Gründer zementieren ihre Macht

Larry Page und Sergej Brin wollen mit einer neuen Aktienstruktur ihren Einfluss auf das Unternehmen langfristig schützen.

Die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin nehmen die Zügel bei dem Internetkonzern fest in ihre Hände. Mit Hilfe eines Aktiensplits und der Ausgabe eines neuen Aktientyps sichern sie sich zusammen mit dem Verwaltungsratsvorsitzenden Eric Schmidt langfristig die Entscheidungsmacht beim weltgrößten Suchmaschinenanbieter.

Page, der seit einem Jahr wieder im Chefsessel sitzt, begründete den überraschenden Schritt damit, es habe sich für Google in der Vergangenheit ausgezahlt, dass die Führungsetage stets ihren Visionen folgen konnte. Nur so seien „große Wetten“ wie der Milliardenkauf der Videoplattform YouTube und die Entwicklung des Betriebssystems Android – heute Nummer eins bei Smartphones – möglich gewesen.

Nach einem enttäuschenden Schlussquartal 2011 glänzte Google zu Jahresbeginn wieder mit einem deutlichen Gewinnsprung. Zudem konnte der US-Konzern erfreuliche Zuwachszahlen vom sozialen Netzwerk und Facebook-Konkurrenten Google+ berichten. Achillesferse bleiben jedoch weiterhin die wichtigen Einnahmen pro Online-Seitenaufruf, die das zweite Quartal in Folge zurückgingen.

Google steht vor einem Kraftakt: Der Internetkonzern muss den für 12,5 Milliarden Dollar übernommenen Handyhersteller Motorola mit rund 20.000 Mitarbeitern integrieren. Zu Motorola äußerte sich Page bei Vorlage der Geschäftszahlen am Donnerstagabend aber nicht. Experten befürchten, dass sich Google mit dem Einstieg ins Handygeschäft, wo der Konzern bisher kaum Erfahrungen gesammelt hat und die Gewinnmargen niedriger sind, die Finger verbrennt. Die Google-Aktie stagnierte vorbörslich nach Bekanntgabe der Zahlen.

Die Sache mit den „Super-Aktien“

Die Gründer Page und Brin und der frühere Chef Schmidt kontrollieren derzeit 66 Prozent der Stimmrechte mit etwa einem Viertel der Aktien. Das Unternehmen gab sich zu seinem Börsengang 2004 eine Struktur mit „Super-Aktien“, die zehn Mal mehr Stimmrechte haben als gewöhnliche Anteile. Über diese „Class B“-Aktien kontrollierte das Führungstrio gut zwei Drittel der Stimmrechte. Diese besondere Unternehmensstruktur haben auch andere Internetunternehmen wie Zynga und Facebook übernommen. Mit Hilfe des Aktiensplits verhindert Google eine Verwässerung der Kontrollmacht der drei Führungspersonen etwa bei Zukäufen.

Der Aktiensplit im Verhältnis von 2:1 sieht die Ausgabe einer neuen „C-Klasse“-Aktie für jeden bereits existierenden Google-Anteilsschein vor. Die neue Aktie soll an der Nasdaq unter einem separaten Ticker gehandelt werden, allerdings hat sie kein Stimmrecht. Die neuen Aktien können als Währung bei Firmenkäufen oder bei Bonus-Ausschüttungen an Mitarbeiter eingesetzt werden, ohne dass durch diese Aktienausgabe die Stimmrechts-Dominanz des Gründertrios aufgeweicht wird.

Klassische Aktiensplits dienen meist dazu, den Kurs „optisch“ billiger erscheinen zu lassen, damit Kleinanleger gerade nach einer rasanten Aufwärtsentwicklung nicht von einem Kauf abgeschreckt werden. Wenn Großaktionäre in Deutschland die Kontrolle über das Unternehmen behalten wollen, wird dies hierzulande in der Regel über eine Aufteilung des Kapitals in sogenannte Stamm- und Vorzugsaktien erreicht. Die Vorzugsaktien haben dann kein Stimmrecht, dafür erhalten die Anleger zum Ausgleich eine etwas höhere Dividendenausschüttung.

Facebook sitzt im Nacken

Derzeit kostet eine Google-Aktie mehr als 650 Dollar. Kurz nachdem Konkurrent Apple die magische Marke von 600 Dollar geknackt hatte, kündigte der Konzern die regelmäßige Auszahlung einer Dividende an. Google lehnte dies in der Vergangenheit stets mit Blick darauf ab, sich den gesamten Handelsspielraum hinsichtlich der eigenen Geldbestände erhalten zu wollen.

Der Aktiensplit fällt in eine Zeit, in der die Entwicklung des Unternehmens kritisch verfolgt wird. Es gehe nicht so sehr um die Frage, welche Zahlen Google vorlege, sondern welche Strategie der Konzern verfolge, sagte der Analyst Ben Schachter von Macquarie Research. Der Wettbewerb in der Internetbranche zieht massiv an. Neue „Global Player“ wie Facebook kämpfen mit Google um die Zeit, die Internetnutzer auf den jeweiligen Seiten und Portalen verbringen. Die zunehmende Konkurrenz veranlasste den Konzern in jüngster Vergangenheit, sich breiter aufzustellen.

Zu Jahresbeginn lief es für Google wieder rund. Netto kletterte der Gewinn im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um rund 60 Prozent auf 2,89 Milliarden Dollar. Der Umsatz unter Herausrechnung von Gebühren an Partner-Webseiten betrug 8,14 Milliarden Dollar nach 6,54 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum.

Google ließ allerdings erneut Federn bei den aufschlussreichen Einnahmen pro Klick, die um zwölf Prozent zurückgingen. Einige Experten sehen darin einen Hinweis für die Entwicklung, dass Internetnutzer häufiger über ihre Smartphones die Websuche starten. Damit kommt bei Google jedoch weniger in die Kasse, da Handyanzeigen für die Werbekunden günstiger sind als beispielsweise PC-Banner.

Trotz der Position als abgeschlagener Verfolger von Facebook gibt sich Page für das unter seiner Führung gestartete Google+ zuversichtlich. Man müsse mit der „Seele und der Leidenschaft“ eines Start-ups agieren. In den zehn Monaten seit Markteinführung gewann Google+ mehr als 100 Millionen Nutzer. Zum Vergleich: Facebook zählt 845 Millionen Anhänger. Und damit nicht genug: Die Nummer eins bereitet derzeit ihren Börsengang vor, der Googles Debüt aus dem Jahr 2004 weit übertreffen soll.