Quartalszahlen

Google-Gründer sichern ihre Macht mit Aktiencoup

Die Google-Gründer sichern sich mit einem Aktiensplit die Kontrolle über das Unternehmen. Das steigerte seinen Quartalsgewinn um 61 Prozent.

Googles Gründerduo sichert seine Macht im Internetkonzern. Larry Page und Sergej Brin wollen mit einer neuen Aktienstruktur dafür sorgen, dass sie auch künftig das Sagen haben. „Unsere Herzen hängen an Google“, schrieben sie in einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an die Aktionäre. Mit der neuen Struktur solle sichergestellt werden, dass sie ihre Visionen auch umsetzen könnten. „Wir haben entschieden, dass die Bewahrung des Gründer-basierten Ansatzes im besten Interesse von Google ist.“

Der Plan: Die bisherige Google-Aktie wird de facto geteilt. Alle Anteilseigner erhalten zusätzlich zu ihrer stimmberechtigten eine stimmrechtslose Aktie, die genauso gehandelt werden kann wie ihr „großer Bruder“. Der Vorteil liegt nun darin, dass künftig etwa die Bonusausschüttungen an Mitarbeiter oder die Bezahlung von Übernahmen mittels dieser stimmrechtslosen Aktien passieren können. Die Macht im Unternehmen verschiebt sich dadurch nicht.

Eine optische Täuschung

Ein Nebeneffekt ist, dass die Aktie durch den sogenannten Split optisch günstiger aussieht und mehr Käufer anlocken könnte. Momentan kostet ein einzelnes Papier satte 650 Dollar.

Der Plan für den Aktiensplit ist bereits vom Verwaltungsrat abgesegnet worden. Nun muss er noch die für den 21. Juni angesetzte Hauptversammlung passieren. „Angesichts der Tatsache, dass Larry, Sergej und Eric die Mehrheit der Stimmrechte kontrollieren und dieses Vorhaben unterstützen, rechnen wir damit, dass es durchgeht“, sagte Chefjustiziar David Drummond. Mit Eric ist Eric Schmidt gemeint, der langjährige Konzernchef und jetzige Verwaltungsratsvorsitzende. Er hatte als Teil seiner Vergütung große Aktienpakete bekommen.

Page, der seit einem Jahr wieder im Chefsessel sitzt, warb dafür, dass die Anleger auf seine und Brins langfristig ausgerichteten Ziele vertrauten. Er verwies auf den Kauf der Videoplattform YouTube und die Entwicklung der Android-Software für mobile Geräte, die sich erst nach Jahren ausgezahlt hätten. Am besten könnten solche großen Gelegenheiten weiterhin aufgetan werden, wenn die besondere Unternehmensstruktur beibehalten werde, die ihm und Brin 56,7 Prozent der Stimmrechte zusichern.

Der Aktiensplit im Verhältnis von 2:1 sieht die Ausgabe einer neuen „C-Klasse“-Aktie für jeden bereits existierenden Google-Anteilschein vor.

Der Aktiensplit fällt in eine Zeit, in der die Entwicklung des Unternehmens kritisch verfolgt wird. Es gehe nicht so sehr um die Frage, welche Zahlen Google vorlege, sondern welche Strategie der Konzern verfolge, sagte der Analyst Ben Schachter von Macquarie Research. So werde Googles geplante 12,5-Milliarden-Dollar-Übernahme des Handy-Konzerns Motorola durchaus mit Skepsis verfolgt. Das Internet-Unternehmen werde damit zum Hardware-Hersteller – ein Bereich, in dem es bisher keine Erfahrung gesammelt habe.

Google ist eine Gelddruckmaschine

CEO Page will den dominanten Suchmaschinen-Anbieter aber breiter aufstellen. Firmen wie das Online-Netzwerk Facebook oder der Nachrichtendienst Twitter ziehen zunehmend Nutzer ab. Zudem ist noch nicht klar, wie sich die rasante Verbreitung von internetfähigen Smartphones und anderen mobilen Geräten wie Tablet-PCs auf die Einnahmen durch Werbung bei Suchergebnissen auswirkt.

Google ist eine Gelddruckmaschine: Im ersten Quartal strich der US-Internetkonzern einen Gewinn von unterm Strich 2,9 Milliarden Dollar ein (2,2 Mrd Euro) – das sind 61 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dieses Kunststück gelang, obwohl das Unternehmen kräftig in neue Produkte und Mitarbeiter investiert hat. Ende März arbeiteten knapp 33 100 Menschen für Google und damit 600 mehr als zum Jahreswechsel.

„Google hatte ein weiteres großartiges Quartal“, erklärte der amtierende Konzernchef Page am Firmensitz im kalifornischen Mountain View. Die „großen Wetten“ auf das Handy-Betriebssystem Android, den Browser Chrome oder die Videoplattform Youtube hätten sich ausgezahlt. Die Aktie legte nachbörslich leicht zu.

Der Umsatz war um 24 Prozent auf 10,6 Milliarden Dollar gestiegen - es ist das zweite Mal nach dem Schlussquartal 2011, dass Google einen zweistelligen Milliardenumsatz erwirtschaftete. Der Großteil der Einnahmen stammte dabei wie gehabt aus der Werbung im Umfeld der Suchmaschine. Google ist hier Marktführer.

Zu den großen Rivalen gehören Microsoft mit seiner Suchmaschine Bing und das verbündete Internet-Urgestein Yahoo. Auch das soziale Netzwerk Facebook hat sich einen guten Teil des Werbekuchens gesichert. Googles Anzeigen wurden im ersten Quartal dennoch 39 Prozent häufiger angeklickt als im Vorjahreszeitraum, gleichzeitig sanken die Einnahmen pro Klick allerdings um 12 Prozent.

Erneut Rückgang bei Werbeeinnahmen

Die Geschäftszahlen ließen allerdings auch erkennen, dass bei dem Branchenprimus nicht alles rund läuft. Google verbuchte das zweite Quartal in Folge einen Rückgang seiner Werbeeinnahmen, dem Kerngeschäft des Unternehmens, diesmal um besorgniserregende zwölf Prozent.

Die Google-Aktie stieg nachbörslich auf 653 Dollar nach 651 Dollar zum Handelsschluss in New York.