Stellenabbau

Sony will mit drastischem Sparkurs in die Gewinnzone zurück

Der japanische Elektronikkonzern erwartet schon das vierte Verlustjahr in Folge. Nun soll Personal drastisch abgebaut werden

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Ein anderer Einstand wäre Kazuo Hirai lieber gewesen. So aber muss der neue Chef von Sony, noch keine zwei Wochen an der Spitze des japanischen Elektronikkonzerns, eine Hiobsbotschaft nach der anderen vermelden. Der Playstation-Hersteller kämpft mit großen Problemen, vor allem im Geschäft mit Fernsehern. Für das am 31. März abgelaufene Geschäftsjahr rechnet Sony im vierten Jahr in Folge mit Verlusten. Das hat es seit dem Gang an die Börse 1958 nicht gegeben. Seit 2005 hat das Unternehmen rund zwei Drittel seines Börsenwerts verloren.

Hirai will am kommenden Donnerstag in Tokio die neue Strategie für das einstige Vorzeigeunternehmen vorstellen. Dabei soll es einem Zeitungsbericht zufolge auch um den Abbau von weltweit 10.000 Arbeitsplätzen gehen. Das entspricht rund sechs Prozent der Gesamtbelegschaft, wie die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“ berichtete.

Die Hälfte der Stellenstreichungen soll demnach durch die bereits bekanntgegebene Konsolidierung des Chemiegeschäfts sowie kleinerer und mittlerer LCD-Bereiche erfolgen. Der Pionierkonzern der Elektronikbranche, der unter anderem den Walkman erfand, hat mit starker Konkurrenz zu kämpfen.

Der Wechsel von Howard Stringer – der gebürtige Waliser soll nach sieben Jahren an der Spitze fortan den Verwaltungsrat leitet – zu Kazuo Hirai ist nach Ansicht von Beobachtern die wohl letzte Chance für Japans einstige Firmenikone, den Rückstand auf Rivalen wie Apple und Samsung aufzuholen. Hirai gilt als Brücke zwischen der in Japan entwickelten Hardware und den in den USA produzierten Musik- und Filminhalten von Sony. Der Sohn eines Bankers hatte sich 1984 um einen Job bei der Musiksparte von Sony beworben, weil es dort erlaubt war, bei der Arbeit Jeans zu tragen. Sein makelloses Englisch erleichterte ihm später den Aufstieg zum US-Chef der Unterhaltungssparte von Sony.

Für die Konzernspitze empfahl sich der 51-Jährige durch die Sanierung des Spielegeschäfts: Nach mehrjährigen Verlusten schrieb die Sparte 2010 wieder Gewinn. Danach baute Hirai nach dem Vorbild von Apples iTunes das Online-Portal Sony Entertainment Network auf. Über die Plattform vertreibt Sony Medieninhalte an derzeit 90 Millionen Kunden weltweit.

Als Sony sich im März vergangenen Jahres dann neu organisierte, übernahm Hirai die Sparte für Endverbraucher, die unter anderem für Fernseher, Foto, Video und Spiele zuständig ist. Er will jetzt den Investoren beweisen, dass sein neues Team auf dem richtigen Weg ist, Sony aus den Problemen zu führen. So will er die Angebote des Konzerns besser miteinander vernetzen – was allerdings schon sein Vorgänger versucht hatte.

Im März kündigte das Unternehmen die Initiative „One Sony“ an, die die Bereiche Spiele, Mobile und Digital Imaging zu den drei Säulen des Konzerns machen soll. Zudem hatte Sony zudem den Verkauf seines Chemiegeschäfts an die staatliche Entwicklungsbank von Japan bekanntgegeben. Am 1. April legten Sony, Toshiba und Hitachi ihre kleinen und mittleren LCD-Geschäfte zusammen. Insgesamt waren davon 5000 Mitarbeiter betroffen.

Doch Hirai scheint noch drastischere Schritte zu planen. Ging es bei früheren Umstrukturierungen vornehmlich um den Verkauf oder die Konsolidierung von Produktionsstandorten, so ist laut „Nikkei“ diesmal auch der Verkaufs- und administrative Bereich des Unternehmens betroffen. Zwar sei noch nicht klar, wie viele weitere Stellen im In- und Ausland gestrichen werden sollen. Doch dürfte sich der geplante Stellenabbau über mehrere Bereichen sowohl im Mutterhaus wie auch bei Gruppenunternehmen erstrecken, hieß es. Sony steuert sein Deutschlandgeschäft von Berlin aus und betreibt Forschungs- und Servicestandorte in Köln, Stuttgart und München. Sony plane seine Konsolidierung durch das Abstoßen von Bereichen zu forcieren, die nur einen geringfügigen Beitrag leisteten, hatte „Nikkei“ berichtet.