Pharma-Großhändler

Umstrittene Apotheke DocMorris soll verkauft werden

Im Jahr 2007 hatte Celesio DocMorris übernommen und knapp 200 Millionen Euro bezahlt. Doch den Apotheken war die Konkurrenz ein Dorn im Auge. Der Pharma-Großhändler verkauft nun den Online-Versand.

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Der Pharmahändler Celesio beugt sich dem Druck der Apotheken : Nach jahrelangem Streit mit seinen Kunden kündigte der Konzern den Verkauf seines Online-Versands DocMorris an. Celesio hatte die Internet-Apotheke 2007 übernommen und damit die Apotheken vergrätzt, die durch die Konkurrenz aus dem Internet ihre Marktposition in Gefahr sahen.

Fast ein Drittel der Apotheken in Deutschland habe Celesio zeitweise den Rücken gekehrt, sagte Vorstandschef Markus Pinger bei der Bilanzvorlage in Stuttgart. „Es hat Jahre gebraucht, um dies wieder wettzumachen“, räumte er ein.

Mit dem Verkauf der umstrittenen Internet-Tochter vollzieht der 48-Jährige, der erst seit August die Geschicke des Konzerns leitet, jetzt die 180-Grad-Wende: „Wir haben uns entschlossen, diesen Konflikt klar und geradlinig zu lösen.“ Celesio habe den Verkaufsprozess für Doc Morris eingeleitet. „Wir wollen unser europäisches Apothekennetzwerk, das auf eine enge Zusammenarbeit mit inhabergeführten Apotheken setzt, völlig unbelastet von diesem Konflikt aufbauen.“

Für rund 200 Millionen Euro hatte Celesio vor fünf Jahren DocMorris übernommen. Glücklich ist der Konzern mit dieser Akquisition aber nie geworden. Der M-Dax-Konzern hat sogar Marktanteile verloren, Pinger sprach von 2,5 Prozentpunkten.

Wer die Kette übernimmt, ist unklar

Dass die Kunden Celesio zeitweise in Scharen verließen, hat seinen guten Grund. Schließlich ist DocMorris, das von den Niederlanden aus mit deutlichen Rezeptboni punkten kann, ein gefährlicher Wettbewerber für die inhabergeführten Apotheken in Deutschland. Darüber hinaus gab es regelmäßig rechtliche Probleme, die eine großflächige Expansion des Versenders in den klassischen Apothekenmarkt verhindert haben.

Wer die Apotheken-Kette mit hierzulande zuletzt 330 Millionen Euro Umsatz nun übernehmen könnte, ist noch unklar. Bisher bietet Celesio das Franchise-System hinter dem Namen DocMorris zum Verkauf an. „Wir gehen davon aus, dass ein möglicher Erwerber aber auch die Rechte an der Marke besitzen will. Wir könnten uns daher vorstellen, auch die Marke zu verkaufen“, sagte Pinger, der sich zu seinen Vorstellungen über den Kaufpreis nicht äußern wollte.

Was der Verkauf für die etwa 160 Franchiseapotheken mit dem grünen Doc-Morris-Kreuz bedeutet, konnte Pinger noch nicht sagen. „Wir werden in jedem Fall die Rechte der Markenpartner wahren“, betonte der Vorstandschef.

Ihnen soll voraussichtlich das Angebot gemacht werden, Teil eines europäischen Apothekennetzwerkes zu werden. Derzeit sind darin rund 7000 Partnerapotheken zusammengeschlossen. Pinger hält es für möglich, das Netzwerk in den kommenden fünf Jahren auf mehr als 10.000 Apotheken auszubauen.

Strategieschwenk soll Celesio wieder auf Kurs bringen

Beim Doc-Morris-Verkauf allerdings stehe man noch komplett am Anfang. Die Umsetzung soll nun aber zügig vorangehen, hieß es. Zumal der geplante Verkauf von Doc Morris nicht der einzige Strategieschwenk ist, den Pinger dem Unternehmen verordnet hat.

Der neue Konzernchef will Celesio in Zukunft ganz auf den Pharmahandel und das Geschäft mit derzeit rund 45.000 Apotheken konzentrieren. Pinger sieht dort noch „erhebliche Effizienzreserven“. „Mit innovativen Logistikkonzepten können wir neue Kunden gewinnen und damit im Kerngeschäft wachsen“, sagte er mit Verweis auch auf Wachstumschancen außerhalb Europas.

Andere Bereiche, mit denen sein Vorgänger Fritz Oesterle die Umsatzbasis des Konzerns verbreitern wollte, stehen wie DocMorris zum Verkauf. So will sich Pinger von den beiden Tochtergesellschaften „Movianto“ und „Pharmexx“ trennen.

Die beiden Unternehmen mit zusammen gut 6000 Mitarbeitern stehen für ein umfassendes Dienstleistungsangebot für die Pharmaindustrie, darunter zum Beispiel Personal- oder Logistik- und Marketingservices. „Auch hier haben wir den Verkaufsprozess eingeleitet“, sagte Pinger. Beide Unternehmen hätten außerhalb des Celesio-Konzerns größere Wachstumschancen.

Durch den Strategieschwenk will der frühere Beiersdorf-Manager Celesio wieder auf Kurs bringen. Denn das vergangene Jahr verlief alles andere als gut für den mehrheitlich zum Duisburger Familienunternehmen Haniel gehörenden Konzern.

Nicht nur das hausgemachte Problem mit den Apothekern infolge der Doc-Morris-Übernahme setzten Celesio zu – auch die Rabattschlachten auf dem Pharmamarkt sowie die Sparmaßnahmen im Gesundheitssystem vieler Länder hinterließen ihre Spuren in der Bilanz.

„Die globale Finanz- und Schuldenkrise hat sich in spürbarem Umfang auf staatliche Maßnahmen im Gesundheitswesen ausgewirkt“, erklärte Pinger. Zwar vermeldete er für 2011 noch einen Gewinn von 6,1 Millionen Euro.

Kürzung der Dividende nur von kurzer Dauer

Das allerdings ist nur noch ein Bruchteil des Ergebnisses aus dem Vorjahr. Damals standen immerhin noch 265 Millionen Euro unter dem Strich. Beim Umsatz gab es parallel dazu einen leichten Rückgang – um ein Prozent auf rund 23 Milliarde Euro.

Und die Aussichten für die kommenden Jahre sind nicht viel besser. „Stabilisierung in 2012, Neuausrichtung in 2013, Wachstum ab 2014“, lautet Pingers Vorausschau. Denn auch in den kommenden beiden Jahren seien Belastungen durch staatliche Eingriffe nicht auszuschließen.

Diese Entwicklung hat entsprechende Auswirkungen auf die Dividende. Vor dem Hintergrund der Restrukturierung und Neuausrichtung soll die Zahlung an die Aktionäre für das vergangene Jahr auf 25 Cent halbiert werden.

Diese Kürzung ist Pingers Plänen zufolge aber nur von kurzer Dauer. Denn ein parallel gestartetes Sparprogramm soll spätestens ab 2013 wieder für steigende Gewinne und damit auch für eine höhere Dividendenzahlung sorgen. Pinger spricht von jährlichen Einsparungen im zweistelligen Millionenbereich.