Erneuerbare Energien

Der Staat ist mit der Energiewende völlig überfordert

Die neue „Umlage", die der Verbraucher für den Offshore-Netzanschluss zu entrichten hat, ist die weitere Konsequenz einer Ursünde.

Die Betreiber von Offshore-Windparks und Atomkraftwerken haben eines gemeinsam: Sie beide produzieren Strom in Anlagen mit einem solchen Schadenspotenzial, dass sie als „nicht versicherbar“ gelten – freilich aus unterschiedlichen Gründen. Dass selbst die Ökostrom-Technologie Windkraft unter diesem wirtschaftlichen Manko leidet, wird angesichts der Dimensionen verständlich.

Mehr als 2000 Windkraftanlagen, jede so hoch wie der Kölner Dom, sollen bis 2020 in der Nordsee stehen und eine elektrische Leistung bereitstellen, die der von zehn Atomkraftwerken entspricht. In Wassertiefen von bis zu 40 Metern sollen sie im Sturm 20 Meter hohen Wellen trotzen können und trotzdem verlässlich Strom liefern. Offshore-Windkraft in der deutschen Nordsee ist eine Pionier- und Risiko-Technologie, die unter so harten Bedingungen bislang noch nirgendwo in der Welt zum Einsatz kam.

Die weitere Konsequenz einer Ursünde

An einer einzigen Kabeltrasse soll nun aber ein ganzer „Cluster“ aus mehreren Windparks mit Hunderten von Anlagen hängen, deren gesamte elektrische Leistung die eines Atomkraftwerks übertrifft. Ein Produktionsausfall wegen eines Kabelschadens kann da leicht Hunderttausende Euro Kosten pro Tag bedeuten – wobei es Monate dauern kann, bis die Wetterbedingungen eine Reparatur zulassen.

Dass ein eher mittelständisches Unternehmen wie der Netzbetreiber Tennet dafür nicht aufkommen kann, ist verständlich. Unverständlich ist, warum er von der Politik überhaupt dazu gesetzlich verpflichtet wurde.

Dass nun der Steuerzahler und Verbraucher für die Risiken einspringen soll, ist wohl unvermeidlich, solange die Bundesregierung nicht bereit ist, von ihren maritimen Ökostrom-Plänen abzulassen. Die neue „Umlage“, die der Verbraucher für den Offshore-Netzanschluss zu entrichten hat, ist eine weitere Konsequenz der Ursünde, den Energiemarkt erst zu liberalisieren, um ihm dann planwirtschaftliche Ziele vorzugeben.

Dass es bei einem staatlichen Eingriff nicht bleibt, wenn das Gleichgewicht des Marktes erst einmal gestört ist, hätte man wissen können. Ein Subventionstatbestand führt zum nächsten. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) enthält inzwischen mehr als 4000 staatlich festgesetzte Preise, und pausenlos kommen neue gesetzliche Markt- oder Management-Prämien, Umlagen, Zahlungsverpflichtungen, Härtefall- und Ausgleichsregelungen hinzu.

Der Staat erweist sich mit der Steuerung eines so komplexen System wie der Energieversorgung zunehmend überfordert. Die 3,5 Cent pro Kilowattstunde Ökostrom, mit denen die Verbraucher derzeit belastet werden, spiegeln nicht ansatzweise alle Kosten der Energiewende wieder. Ein Fortschritt wäre es, alle neu auftretenden Kosten nicht in „Umlagen“ zu verstecken, die der Verbraucher nolens volens mitbezahlen muss, sondern im Bundeshaushalt klar und transparent auszuweisen.