Stellenboom

Deutsche Mittelständler schaffen 200.000 neue Jobs

Der Mittelstand ist so zuversichtlich wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Doch sein Wachstum wird vom Fachkräftemangel akut bedroht.

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Die Stimmung in kleinen und mittleren Unternehmen ist so gut wie seit der Wiedervereinigung vor 20 Jahren nicht mehr. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter 20.000 Unternehmen mit bis zu 500 Beschäftigten.

Vor allem die stärkere Binnenwirtschaft beflügelt die Firmen, die in diesem Jahr kräftig Personal aufstocken wollen. „Der DIHK rechnet im laufenden Jahr mit 200.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen im Mittelstand“, sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann "Morgenpost Online“. Diese Schätzungen basieren auf den Ergebnissen der Umfrage.

Die Einschätzung der eigenen wirtschaftlichen Lage erreichte bei der Umfrage, die um die Jahreswende durchgeführt wurde, einen neuen Rekord: In der Befragung gaben 45 Prozent der Unternehmen an, dass ihre Lage gut sei, lediglich neun Prozent klagen über eine schlechte wirtschaftliche Situation. Getragen wird die gute Stimmung von den Unternehmen der Konsumbranchen. Sei profitieren von der positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosigkeit sinkt, die Arbeitsplätze werden sind sicherer als noch vor wenigen Monaten und die Löhne steigen – drei Faktoren, die dafür sorgen, dass die Verbraucher deutlich mehr Geld ausgeben.

Dementsprechend berichten Hotels, Restaurants und die Hersteller von Konsumgütern von besseren Geschäften. Auch in der IT-Branche und bei den wissensbasierten Dienstleistungen, wie etwa der Unternehmensberatung haben sich die Geschäfte seit dem Herbst verbessert.

Noch besser geht es den Exportunternehmen , die ihre Situation weiterhin außergewöhnlich positiv sehen. Zwar wirkt sich die Schuldenkrise in der Euro-Zone auf die Geschäfte der Exporteure aus, die rund 60 Prozent ihres Umsatzes mit den europäischen Nachbarländern machen. Die schnell wachsenden Schwellenländer in Asien und Südamerika können diese Schwäche aber im Moment noch ausgleichen. Die mittelständischen Maschinenbauer beispielsweise profitieren von der dortigen Nachfrage; diese Unternehmen konnten ihre Geschäfte offenbar verbessern.

Auch die Geschäftserwartungen bleiben hoch: 22 Prozent der Mittelständler erwarten in den kommenden Monaten bessere Geschäfte, und gut zwei Drittel rechnen damit, dass ihre Situation stabil bleibt.

Besonders aussagekräftig: Die Unternehmen, die Güter herstellen die von anderen Unternehmen weiterverarbeitet werden, blicken optimistischer als zuvor in die Zukunft. Diese Produzenten stehen am Anfang der Wertschöpfungskette und merken sehr früh, wenn die Nachfrage anzieht; dass sie positiv gestimmt sind, ist ein starkes Signal für die gesamte Volkswirtschaft.

Stimmung könnte sogar noch besser sein

Vermutlich ist die Stimmung in den Unternehmen inzwischen sogar noch etwas besser, als in der um die Jahreswende erhobenen Studie; darauf deuten zumindest die Stimmungsindikatoren wie der Ifo-Index und der ZEW-Index hin, die in den vergangenen Wochen weiter gestiegen sind . Seitdem hat sich außerdem die Schuldenkrise in der Euro-Zone weiter beruhigt; auch diese Entwicklung ist in der Umfrage nur teilweise berücksichtigt.

Bereits um die Jahreswende hatten die Unternehmen bereits Pläne, ihre Belegschaften zu vergrößern. Immerhin fast jedes fünfte Unternehmen will demnach in diesem Jahr neue Mitarbeiter einstellen. Der DIHK hat die Angaben der Unternehmen hochgerechnet und erwartet aufgrund dieser Daten, dass Mittelständler in diesem Jahr 200.000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Einstellen wollen vor allem Informationsdienstleister, IT-Unternehmen, Werbeagenturen und Unternehmensberatungen. Vermutlich könnten die Unternehmen sogar mehr zusätzliche Mitarbeiter einstellen – wenn nicht das Personal in vielen Bereichen knapp wäre.

Der Fachkräftemangel stellt offenbar viele kleine und mittlere Unternehmen, zunehmend vor große Probleme: Ein gutes Drittel der Unternehmen klagt über Personalsorgen und sieht darin sogar ein Geschäftsrisiko. Ein besonderes Handicap der Mittelständler ist, dass sie teilweise mit bekannteren und finanzkräftigeren Großkonzernen um Mitarbeiter kämpfen und dabei häufig den kürzeren ziehen.

Job-Boom soll weitergehen

Dass die IT-Firmen besonders laut klagen – knapp die Hälfte sucht geeignete Kandidaten – ist nicht neu. Aber auch nicht-wissensintensive Branchen klagen über Personalmangel; beispielsweise das Gastgewerbe, in dem häufig niedrige Löhne gezahlt werden.

Auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg geht davon aus, dass der Job-Boom in diesem Jahr weitergehen wird. Die Arbeitsmarktforscher haben ihre Prognosen kräftig nach oben revidiert. Bisher war die Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit davon ausgegangen, dass die Zahl der Arbeitslosen in diesem Jahr um 40.000 sinken würde.

Jetzt aber erwarten die Forscher für dieses Jahr einen Rückgang der Arbeitslosenzahl von im Schnitt 130.000. Die Zahl der Beschäftigten werde weiter steigen – im Jahresdurchschnitt um 510.000 auf 28,94 Millionen.

Neue Arbeitsplätze werde es vor allem in der Industrie geben, im Baugewerbe, dem Handel, im Gastgewerbe und bei Firmen, die Dienstleistungen für Unternehmen erbringen. Bei Banken und Versicherungen werden dagegen tendenziell Arbeitsplätze abgebaut werden, außerdem in der Land- und Forstwirtschaft und im Grundstück- und Wohnungswesen.

Auch die Zahl der Beamten wird voraussichtlich um 50.000 auf 2,05 Millionen sinken; damit setzt sich ein 1990 begonnener Abwärtstrend fort.