Konjunktur

Jetzt schrumpft auch die deutsche Industrie

Die Wirtschaft der Euro-Zone ist schon länger auf Talfahrt. Doch nun kämpft auch die deutsche Industrie mit schrumpfenden Aufträgen – vor allem aus China

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Die deutsche Industrie ist erstmals in diesem Jahr von der Wachstumsspur abgekommen und baut bereits Stellen ab. Das entsprechende Konjunkturbarometer für März sackte überraschend um 2,1 auf 48,1 Zähler ab, wie das Londoner Markit-Institut mitteilte. Zum ersten Mal seit Dezember blieb der Frühindikator damit unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Die Produktion wächst zwar noch leicht, doch lässt die Zahl der Neuaufträge merklich nach.

Und erstmals seit zwei Jahren bauten die Firmen per Saldo auch Stellen ab. Einer Prognose der Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit (BA) zufolge bleibt der Jobmarkt robust, verliert beim Stellenaufbau aber an Schubkraft.

„ Auch die Eigenantriebskraft des Arbeitsmarkts wird die Kraft der letzten Jahre nicht ganz erreichen “, sagt Enzo Weber vom BA-eigenen Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). In diesem Jahr wird es demnach „nicht mehr so steil bergauf gehen“. Die Nürnberger Forscher gehen von durchschnittlich 2,84 Millionen Arbeitslosen aus – das wären rund 130.000 weniger als im Vorjahr. Damit ist der Jobaufbau nur noch halb so stark wie 2011.

Auch wenn die Industrie derzeit nicht mehr zum deutschen Jobwunder beiträgt, ist der Stellenaufbau im Servicesektor weiter intakt. Bei den Dienstleistern liefen die Geschäfte im März zwar ebenfalls nicht mehr so rund wie im Februar.

Sie blieben aber laut der Markit-Umfrage unter Einkaufsmanagern in der Wachstumsspur. Das Neugeschäft zog vorläufigen Daten zufolge nicht mehr so stark an wie im Vormonat, liegt jedoch noch einen vollen Punkt über der Wachstumsschwelle.

Euro-Zone beschleunigt Talfahrt

Die Wirtschaft in der Euro-Zone hat unterdessen ihre Talfahrt beschleunigt. Sowohl die Industrie als auch die Dienstleister verbuchten schwächere Geschäfte als im Februar.

Commerzbank-Ökonom Christoph Weil schätzt die Aussichten für die Euro-Zone als mau ein: „Wir sehen zwar weiterhin eine gute Chance, dass die Rezession im Euroraum im Frühjahr endet. Aber mehr als eine blutleere Aufwärtsbewegung ist im weiteren Jahresverlauf wohl nicht zu erwarten.“

Deutschland besser als die Euro-Zone

Die Aussichten für Deutschland stehen jedoch besser: Wegen der Stärke der Dienstleister hält sich die deutsche Privatwirtschaft trotz der Industrieflaute noch in der Wachstumszone.

Die Daten signalisieren laut Markit-Volkswirt Tim Moore einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 0,2 Prozent im ersten Quartal. „Dies würde bedeuten, dass Deutschland den Rückfall in die Rezession vermeidet, der weiten Teilen der Euro-Zone droht.“

Auch nach Einschätzung der Bundesbank zeichnet sich für das Frühjahr eine Konjunkturbelebung ab. Der robuste Arbeitsmarkt und die Aussicht auf Lohnzuwächse stärkt aus Sicht der deutschen Notenbank die Kauf- und Investitionsbereitschaft der privaten Haushalte.

Hiervon profitiere nicht zuletzt die Bauwirtschaft. Die Bundesbank rechnet in diesem Jahr mit einem Wirtschaftwachstum von 0,6 Prozent. 2011 waren es noch drei Prozent.

Deutsche Exporteure besorgt wegen Abkühlung in China

Mit Sorge blicht die Exportnation Deutschland jedoch auf die Abkühlung der Konjunktur in China . Laut DIHK ist die Volksrepublik dieses Jahr auf bestem Weg, zum zweitgrößten Abnehmer deutscher Waren weltweit aufzusteigen.

Die Talfahrt der Industrie der Volksrepublik hat sich zuletzt aber beschleunigt. Wie der vorläufige Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC für März zeigt, gingen die Geschäfte den fünften Monat in Folge zurück.

Das Barometer fiel auf 48,1 Punkte von 49,6 im Februar. Der Index rutschte damit tiefer unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten. China will dafür sorgen, dass die mittlerweile zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt künftig nachhaltiger wächst.

Dafür sollen insbesondere Reformen beschleunigt werden, wie Regierungschef Wen Jiabao jüngst ankündigte. Der Reformprozess hat jedoch seinen Preis: Das Wachstumsziel für 2012 wurde bereits auf 7,5 Prozent von acht Prozent gesenkt.

Euro unter Druck

Der Einkaufsmanager-Index löste einen Kursrückgäng beim Euro aus. Die Gemeinschaftswährung fiel auf 1,3163 Dollar und kostete damit rund einen halben US-Cent weniger als zum New Yorker Vortagesschluss. „Zahlen wie diese stellen die Wachstumsaussichten infrage und deuten auf eine milde Rezession hin“, sagte Devisenstratege Niels Christensen von der Nordea Bank. Sein Kollege Peter Kinsella von der Commerzbank betonte: „Sie erinnern Investoren daran, dass die Region trotz der jüngsten Fortschritte an der Verschuldungsfront vor Herausforderungen steht.“