Gewinnrückgang

Euro-Krise drückt auf die Bilanz des Metro-Konzerns

Die Euro-Krise hat ihre Spuren in der Bilanz des Handelsriesen Metro hinterlassen. Konzernchef Olaf Koch verliert zudem einen Topmanager.

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Nach einem Gewinnrückgang im Jahr 2011 erwartet der Handelsriese Metro unter seinem neuen Chef Olaf Koch im laufenden Jahr nur stagnierende Erträge. „Bereits heute zeichnet sich ab, dass auch das laufende Geschäftsjahr sehr herausfordernd sein wird“, sagte Koch laut Geschäftsbericht.

2013 wolle Metro den Gewinn dann aber wieder steigern, stellte Koch in Aussicht, der Anfang Januar das Ruder bei dem Konzern mit seinen Töchtern Media-Saturn, Cash & Carry, Real und Kaufhof übernommen hatte. Der frühere Vorstandschef Eckhard Cordes hatte dem Handelsriesen 2011 sinkende Gewinne hinterlassen – unter anderem die Folgen der Euro-Schuldenkrise hinterließen ihre Spuren in den Bilanzen der Metro.

Die Aktionäre müssen sich nun mit einer Dividende auf Vorjahreshöhe von 1,35 Euro je Stammaktie begnügen. Koch erwartet 2012 stagnierende operative Erträge (Ebit vor Sonderfaktoren) bei einem Anstieg des Umsatzes. Die Prognose sei aber angesichts des unsicheren wirtschaftlichen Umfelds mit Risiken behaftet. 2013 soll es dann aufwärts gehen.

Bis dahin werden die Herausforderungen für Koch aber nicht kleiner: Metro-Vorstand Joël Saveuse (59) verlässt Ende März in beiderseitigem Einvernehmen den Konzern. Der gebürtige Franzose ist Chef der Lebensmitteltochter Real und war im vergangenen Jahr einer der Mitfavoriten für den Vorstandsvorsitz.

Saveuse genoss als Handelsexperte Sympathien im Arbeitnehmerlager. Die Verantwortung für Real übernimmt Vorstandschef Koch zusätzlich zu seinen anderen Aufgaben. Nach früheren Angaben gibt es bei Real mehrere Optionen: Ein Verbleib im Düsseldorfer Konzern, ein Verkauf und eine Partnerschaft mit einem anderen Unternehmen. Real beschäftigt 52 000 Mitarbeiter, 30 000 davon in Deutschland.

Auch der Marktfrüherer in Europa, Carrefour, hatte 2011 einen deutlichen Gewinnrückgang verbucht und will nun mit einer Preisoffensive die Kunden wieder in seine Märkte locken. Der französische Konzern hatte vor allem ein schwaches Marktumfeld in den Staaten Südeuropas beklagt, in denen die Verbraucher durch die Euro-Schuldenkrise und die Sparpakete der Regierungen besonders verunsichert sind. Auch Metro ist in Südeuropa aktiv. Der weltgrößte Händler Wal Mart blickt dagegen optimistisch in die Zukunft, nachdem der lange krisengebeutelte US-Heimatmarkt sich wieder erholt und die Umsätze dort steigen.

Metro habe im vierten Quartal mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft einen Rückgang des operativen Gewinns (Ebit) vor Sonderfaktoren auf 1,3 (vorjahr: 1,5) Milliarden Euro verbucht, im Gesamtjahr waren es 2,37 (2,4) Milliarden Euro, teilte Metro weiter mit.

Unter dem Strich blieben von Oktober bis Dezember 404 Millionen Euro, 2011 summierte sich der Gewinn nach Anteilen Dritter insgesamt auf 631 Millionen Euro – deutlich weniger als 2010, als noch 631 Millionen Euro in den Büchern standen.

Rückschläge bei Media-Saturn und Kaufhof

Der Konzern blieb beim Nettogewinn auch hinter den Erwartungen des Marktes zurück: Von Reuters befragte Analysten hatten für das Quartal mit einem Ebit vor Sonderfaktoren von 1,3 Milliarden Euro und einem Gewinn nach Anteilen Dritter von 633 Millionen Euro gerechnet. Metro hatte zudem bereits im Januar ein Umsatzminus für das Jahr 2011 auf 66,7 Milliarden Euro vermeldet. Im Vorjahr waren es noch 67,3 Milliarden Euro.

Rückgänge beim Ergebnis vor Sonderfaktoren verbuchten Media-Saturn und Kaufhof. Bei Europas größter Elektromarktkette schlugen Investitionen für den Eintritt in den chinesischen Wachstumsmarkt sowie in den Aufbau des Online-Auftritts der Gruppe zu Buche.

Bei der Warenhauskette Kaufhof schrumpfte der Umsatz, auch der operative Ertrag vor Sonderfaktoren ging um 17 Millionen Euro auf 121 Millionen Euro – die Kunden kauften unter anderem wegen des milden Winters weniger warme Kleidung.

Auch stellt die Kette ihr Sortiment um und will das margenschwache Techniksortiment aus den Regalen verbannen. Koch hatte die von Cordes forcierten Pläne für einen Verkauf der Warenhauskette im Januar auf Eis gelegt – das Marktumfeld erlaube eine Trennung derzeit nicht.