Kriselnder Autobauer

Opelaner gehen auf Konfrontationskurs zur Chefetage

Die Opel-Betriebsräte werfen dem Management eine "Hinhaltetaktik" vor. Sie spielten mit Konzernmutter GM Standorte gegeneinander aus.

Die Opel-Arbeitnehmer gehen in der anhaltenden Krise des Autobauers auf Konfrontationskurs zum Management: In einer beispiellosen Erklärung forderten die Betriebsräte der Opel-Werke in Europa die Unternehmensleitung und die US-Mutter GM ultimativ auf, „konstruktive Gespräche“ mit der Belegschaft aufzunehmen.

Die Betriebsräte werfen dem Rüsselsheimer Autobauer und GM Hinhaltetaktik in der Debatte um Überkapazitäten, Werksschließungen und Verluste vor. Das Management verweigere sich Gesprächen und setzte stattdessen auf das Motto „teile und herrsche“. Dadurch würden Standorte gegeneinander ausgespielt, kritisierten die Arbeitnehmer.

Eine Stellungnahme von Opel war zunächst nicht zu erhalten. GM hatte sich von seinem Ziel verabschiedet, sein Europageschäft bereits im vergangenen Jahr in die Gewinnzone zu führen . Wegen des Nachfragerückgangs in Südeuropa rechnet GM inzwischen für dieses und das nächste Jahr mit noch größeren Problemen für Opel.

Seit Wochen kursieren deshalb Spekulationen, GM wolle Werke in Europa schließen. Gleichzeitig arbeitet der US-Konzern an einem neuen Konzept, um das Europageschäft mit den Marken Opel und Vauxhall zu sanieren. Dazu hatte GM kürzlich mit dem französischen Autobauer Peugeot eine Allianz vereinbart. Die ersten Einsparungen durch gemeinsame Architekturen und den gemeinsamen Einkauf werden aber erst in einiger Zeit erwartet.

Das erste gemeinsam entwickelte Auto soll 2016 auf den Markt kommen. Bis dahin müssen Opel und der ebenfalls schwächelnde Partner Peugeot aus eigener Kraft aus den roten Zahlen kommen. Die Opel-Arbeitnehmer sind verunsichert, da sie weiteren Personalabbau fürchten.

Die Spekulationen über die Zukunft von Opel verstörten zudem die Kundschaft, erklärten die im Europäischen Arbeitnehmerforum zusammengeschlosssenen Betriebsräte der europäischen Werke. Sie forderten GM abermals auf, Opel den Export von Fahrzeugen außerhalb Europas zu erlauben. Nur so sei möglich, die Absatzrückgänge in Europa auszugleichen. „Wir halten deshalb die Verweigerung von Gesprächen für nicht verantwortbar“, erklärten die Arbeitnehmervertreter. Nur durch vollständige Information und einen realistischen Unternehmensplan bis 2016 könne Vertrauen zurückgewonnnen werden.