Eurolotto

Lottoanbieter suchen ihr Heil im Eurojackpot

Eine neue Zahlenlotterie lockt mit Gewinnen bis zu 90 Millionen Euro. Kritiker sehen das Ziel der Suchtprävention konterkariert.

Foto: obs / obs/DPA

Nach Jahren, in denen die staatlichen Lotteriegesellschaften rückläufige Umsätze verknusen mussten, haben sie zum Befreiungsschlag angesetzt: Gemeinsam mit Lottoanbietern aus sechs anderen europäischen Ländern werden sie von Samstag an ein europaweites Lotteriespiel anbieten , das deutlich höhere Gewinnchancen eröffnet als nationale Angebote wie etwa das Spiel „6 aus 49“.

Der neue Eurojackpot bietet den Tippern einen wöchentlichen Jackpot von mindestens zehn Millionen Euro, der auf das Neunfache anwachsen kann – und die Spielfreude unter Lottofans entsprechend anheizen dürfte.

Nicht umsonst also wähnt man sich bei dem staatlichen Anbieter Westlotto, der das länderübergreifende Projekt im Deutschen Lotto- und Totoblock federführend betreut, am Beginn eines „neuen Zeitalters der Lotteriegeschichte“: Die immer stärker aufkommende Nachfrage auf Kundenseite hätte die Entwicklung eines legalen länderübergreifenden Spielangebots gefordert, heißt es dort.

Was aus ökonomischer Sicht nachvollziehbar ist, ist politisch betrachtet zumindest fragwürdig: Bereits im Jahr 2009 hatte die Politik das Lotto- und Sportwettengeschäft unter staatliche Obhut gestellt – und dies damit gerechtfertigt, dass die staatlichen Lottogesellschaften die Bürger besser als private Anbieter vor Spielsucht schützen könnten.

Strenge Werbeauflagen verfügt

Im gleichen Atemzug wurden überdies strenge Werbeauflagen verfügt, um die Anreize für Glücksspielfans möglichst klein zu halten. Eben dieses übergeordnete Ziel der Suchtprävention aber, argwöhnen Kritiker nun, werde mit dem neuen Eurojackpot ad absurdum geführt. „Der Glücksspielstaatsvertrag wird mit Sucht begründet, und nun kommt ein Spiel auf den Markt, in dem man bis zu 90 Millionen Euro gewinnen kann“, sagt André Jütting, Geschäftsführer des Deutschen Lottoverbands.

Pikant ist zudem, dass ausgerechnet der Fachbeirat Glücksspielsucht der Bundesländer den Eurojackpot explizit abgelehnt hatte: „Eurojackpot weist ein höheres Gefährdungspotential auf als 6 aus 49“, heißt es in einem Bericht. Es sei nicht von einem Substitutionseffekt auszugehen; zudem könnten derzeitige Nichtspieler in den Markt gezogen werden.

Bei Westlotto zeigt man sich davon unbeeindruckt: Man habe die Einschätzung des Beirats ebenso zur Kenntnis genommen wie die Meinung vieler anderer, auch internationaler Gutachter. Am Ende habe man aber schon allein aus „Kanalisierungsgründen“ auf die Nachfrage im Markt reagieren müssen: „Unser Ziel war es, all den oft auch jüngeren Lottofans, die in der Hoffnung auf größere Gewinnchancen bislang bei illegalen Anbietern spielen, eine legale Alternative zu bieten.“

Rein finanziell dürfte sich dieser Einsatz lohnen: Schon für 2012 rechnen die staatlichen Lotteriegesellschaften, die vor allem durch Werberestriktionen seit 2009 schmerzhafte Umsatzeinbrüche verkraften mussten, mit sprudelnden Neueinnahmen: Ungeachtet möglicher Kannibalisierungseffekte mit anderen Angeboten, sprechen die staatlichen Anbieter von zusätzlichen Umsätzen von bis zu 500 Millionen Euro allein in diesem Jahr. Die Hälfte der Erlöse soll zurück an die Tipper fließen, rund 40 Prozent könnten als Fördergelder an die Länder abgeführt werden.

Von weiteren Steigerungen in der Zukunft kann aber ausgegangen werden. Nach Erfahrungen etwa in Großbritannien zu urteilen, steigt die Begeisterung und entsprechend auch die Zahlungsbereitschaft der Lottofans spürbar an, sobald der Eurojackpot im eigenen Land geknackt wurde. 2010 hatte der deutsche Lotto- und Totoblock insgesamt 6,5 Milliarden Euro eingenommen.

Da laut geltender Glücksspielregelung das Angebot von Lotto im Internet verboten ist, werden die Eurojackpot-Spieler ihre Kreuzchen zu Beginn noch vor Ort in den Lottoannahmestellen machen müssen. Ab Sommer soll die Lotterie dann auch im Netz angeboten werden – sofern der neue Glücksspielstaatsvertrag dann wie geplant wirklich in Kraft getreten ist. Dies ist aber fraglich: Seit Jahren tobt ein erbitterter Streit über das deutsche Glücksspielrecht – und bislang ist keine Einigung abzusehen.