VW-Fusion belastet

Porsche-Holding schrammt knapp am Verlust vorbei

Die Porsche-Muttergesellschaft hält die Mehrheit an zwei der weltweit besten Autobauern. Dennoch entgeht sie 2011 nur knapp roten Zahlen.

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Ein Besuch bei Porsche müsste für VW-Chef Martin Winterkorn eigentlich ein Vergnügen sein – noch nie hat der Sportwagenbauer so viele Autos verkauft wie 2011, die Umsatzrendite liegt bei sagenhaften 18,7 Prozent. Doch diesmal gab es für den VW-Chef, der zugleich Vorstandsvorsitzender der Porsche Holding SE ist, bei seinem Abstecher keinen Anlass, euphorisch zu sein.

Winterkorn präsentierte die Bilanz der Muttergesellschaft des Sportwagenherstellers. Die ist im vergangenen Jahr gerade noch an roten Zahlen vorbeigeschrammt, und das, obwohl die Holding die Mehrheit an der Volkswagen AG und der Porsche AG hält, zwei der mit Abstand erfolgreichsten Automobilhersteller der Welt.

Unterm Strich hat die Porsche Holding SE im vergangenen Jahr einen Gewinn von 59 Millionen Euro erzielt, das Vorsteuerergebnis lag sogar bei nur 28 Millionen Euro. Die Werte ihrer Anteile hatten der Holding dagegen satte 4,66 Milliarden Euro eingebracht. Die Porsche Dachgesellschaft hält 50,7 Prozent der Stammaktien am VW-Konzern und 50,1 Prozent an der Porsche AG, dem eigentlichen Autobauer.

Die Beteiligungen sind das Ergebnis des gescheiterten Versuchs der Zuffenhausener, unter dem damaligen Porschechef Wendelin Wiedeking den Wolfsburger Konzern zu schlucken. Nach dessen Scheitern drehte VW den Spieß um und arbeitet seither nach einer Überkreuzbeteiligung an einer – salopp gesagt – Fusion. Allerdings unter Führung der Wolfsburger.

Eigentlich sollten die Unternehmen in einem komplizierten Prozess miteinander verschmolzen werden. Damit könnte man einen Kauf, der steuerpflichtig ist, vermeiden. Doch die Pläne wurden verworfen, weil sich Porsche und VW nicht darauf einigen konnten, wie die Risiken zu bewerten sind, die auf der Porsche SE liegen.

Anleger überziehen die Holding mit Milliardenklagen, weil sie sich in Folge der Finanztransaktionen, mit denen sich Wiedeking die Mehrheit an VW sichern wollte, um große Teile ihres Vermögens gebracht sehen. Plan B ist nun, dass VW doch die restlichen Anteile der Porsche AG kauft. Vereinbart wurde dafür ein Preis von 3,9 Milliarden Euro. Das war 2009, mitten in der Autokrise.

Um den Kauf zu diesen Konditionen abzuwickeln, haben sich Porsche und VW sogenannte Put- und Call-Optionen, also Kauf- und Verkaufs-Optionen eingeräumt. Weil VW es aber aufgegeben hat, wie geplant bis Ende 2011 mit der Porsche-Holding zu verschmelzen, mussten die von beiden Unternehmen gehaltenen Optionen neu bewertet werden – und das ist schlecht für Porsche. Denn der Sportwagenbauer verkauft immer mehr Autos, ist heute deutlich mehr Wert als 3,9 Milliarden Euro und kann dennoch laut Vertrag nur zu diesem Preis an VW verkauft werden.

Die Folge sind Abschreibungen durch die Porsche SE. Die Belastung durch diese Neubewertung betrug im vergangenen Jahr 4,37 Milliarden Euro. Und so bleiben zuzüglich anderer Effekte am Ende nur 59 Millionen Euro Gewinn. Für Porsche ist das doppelt bitter, noch 2008 hatten Optionen auf VW den Stuttgartern gigantische Gewinne beschert.

Tröstlich ist dabei, dass es sich bei der Holding um Buchwerte handelt, es wird also nicht tatsächlich Geld verbrannt. Die Anleger reagierten gelassen, die Aktie der Porsche SE gab nur leicht 49,50 Euro nach. Derweil ist unklar, ob VW tatsächlich Porsche kaufen wird. Denn dabei würden bis Mitte 2014 Steuern in Milliardenhöhe anfallen. Und so wird an Plan C gearbeitet.