Staatsanleihen

Briten planen Anleihe mit 100 Jahren Laufzeit

Schatzkanzler Osborne will eine 100-jährige Anleihe auflegen. Die Auszahlung wird kaum ein Anleger erleben – und lukrativ ist sie auch nicht.

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Es ist noch gar nicht so lange her, dass die britische Regierung den traurigen Rekord für den größten Schuldenberg aller Zeiten in Großbritannien brach. Im Januar überstieg die Verschuldung erstmals die Billionengrenze . Nun plant der britische Schatzkanzler George Osborne neue Schulden, allerdings mit einem ungewöhnlichen Modell. Die „Osborne Anleihe“ könnte eine Laufzeit von 100 Jahren haben oder sogar unendlich sein.

Beide Möglichkeiten prüft das Schatzamt Zeitungsberichten zufolge derzeit. Offiziell vorstellen will Osborne den Plan am kommenden Mittwoch, wenn er seinem Land auch den vermutlich unerfreulichen Haushaltsplan für das kommende Jahr vorlegen wird.

Mit der hundertjährigen Anleihe will Osborne von den historisch niedrigen Zinsen profitieren, zu denen sein Land momentan Geld leihen kann. Die Zinsen sind deswegen so gering, weil die Bank of England durch ihr „Quantitative easing“-Programm in den vergangenen drei Jahren insgesamt 325 Mrd. Pfund (390 Mrd. Euro) zusätzliches Geld in den Kreislauf pumpte.

Ähnliche Anleihen mit langer Laufzeit wurden schon in anderen kritischen Zeiten von den Briten genutzt: Nach der Südseeblase im 18. Jahrhundert gab es eine solche Anleihe, aber auch nach dem Ersten Weltkrieg.

Wie die „Financial Times“ und der „Daily Telegraph“ übereinstimmend berichteten, glaubt das Schatzamt, Großbritannien gelte bei Investoren als „sicherer Hafen“. Daher würden auch die langlebigen Anleihen attraktiv sein. Einige Investoren äußerten sich aber skeptisch, da die niedrigen Zinsen den „Osborne Bond“ uninteressant machen könnten.

Tatsächlich zeigt ein Vergleich mit dem „War Bond“ nach dem Ersten Weltkrieg, dass eine solche Anleihe nicht unbedingt lukrativ ist. Der „War Bond“ verlor direkt nach seinem Start 1932 rapide an Wert und kletterte erst vor kurzem wieder auf den Ausgabepreis.

Inflationsbereinigt erweist er sich laut „Financial Times“ als Reinfall: Wer 100 Pfund vor 80 Jahren angelegt habe, dem bleibe heute nur noch ein Wert von 1,74 Pfund, errechnet die Zeitung. Die Laufzeit einer durchschnittlichen, britischen Staatsanleihe liegt heute bei 14 Jahren, wobei die Zeiten variieren von einem Monat bis 50 Jahren. Eine britische Zehnjahresanleihe verspricht momentan eine Rendite von 2,17 Prozent.

Die als äußerst sicher geltende Bundesanleihe bringt 1,93 Prozent Rendite bei zehnjähriger Laufzeit und 2,60 Prozent bei 30-jähriger Laufzeit. Zudem entfällt für deutsche Investoren das Währungsrisiko.