Rückversicherungen

Hannover Rück plant Umzug ins Ausland

Umweltkatastrophen haben die Bilanz der Versicherung stark belastet. Ab 2014 soll zudem eine neue Regulierung greifen. Die Hannover Rück bereitet sich schon vor.

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Wenn der Gewinn um fast 20 Prozent fällt, ist das kein Grund zu jubeln. Aber dennoch kann sich das Management der Hannover Rück mit den 606 Mio. Euro zufrieden zeigen, die es im Jahr 2011 erwirtschaftet hat: Angesichts der enormen Häufung von Naturkatastrophen im vergangenen Jahr hat das Haus damit im Branchenvergleich ein passables Ergebnis abgeliefert.

Der Konkurrent Munich Re musste an diesem Dienstag eine Einbruch von gut 70 Prozent vorlegen. Doch während die Münchner die Dividende stabil hielten, kürzten die Hannoveraner die Ausschüttung um 20 Cent auf 2,10 Euro pro Aktie.

Hannover Rück profitierte 2011 von einer Steuererstattung in Höhe von 128 Mio. Euro sowie einem um zehn Prozent höheren Kapitalanlageergebnis. Hier wirkte sich vor allem aus, dass die Hannover Rück keine Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen verkraften musste, während es bei der Münchner Rück satte 1,2 Mrd. Euro waren. Die Rendite auf die Kapitalanlagen lag bei den Norddeutschen mit 3,9 Prozent zudem etwas höher.

Überschattet wurden diese Effekte von den Belastungen aus Naturkatastrophen, die bei der Hannover Rück den zweithöchsten jemals erzielten Wert ausmachten. Großschäden wie die Erdbeben in Japan und Neuseeland sowie die Überschwemmungen in Thailand summierten sich auf 980,7 Mio. Euro. Die wichtige Schaden-Kosten-Quote als zentrale Kennziffer für die Profitabilität lag bei 104,3 Prozent. Bei Werten oberhalb von 100 Prozent sind im Schaden-Unfall-Bereich die Zahlungen für Schäden und die Verwaltungskosten nicht mehr aus den Prämieneinnahmen gedeckt.

Für dieses Jahr haben sich die Niedersachsen einen Zuwachs bei den Bruttoprämien von fünf bis sieben Prozent vorgenommen, nachdem das Plus 2011 bei knapp sechs Prozent auf 12,1 Mrd. Euro lag. Für Großschäden sind 560 Millionen Euro zurückgelegt. Für das laufende Jahr zeigte sich der Konzern optimistisch. „Die Hannover Rück erwartet ein gutes Geschäftsjahr 2012.“ Ein konkretes Gewinnziel für 2012 wurde mit Verweis auf einen möglichen Börsengang der Konzernmutter Talanx nicht genannt.

Talanx ist einer der größten deutschen Versicherer und für Marken wie HDI oder Gerling bekannt. Der Sprung an die Börse könnte dem Unternehmen, das gerade in Polen für 770 Mio. Euro die Nummer zwei des Marktes übernimmt, selbst mehr als eine Milliarde Euro einbringen. Zuletzt wurde die Deutsche Bank für die Vorbereitungen angeheuert, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters. In Talanx-Kreisen hält Reuters zufolge einen Börsengang frühestens zur Jahresmitte für möglich.

Neben dem Ergebnis gab die zweitgrößte Rückversicherung Deutschlands bekannt, dass man anstrebe, die Rechtsform in eine Europäische Aktiengesellschaft (SE) ändern zu wollen. Damit folgt das Unternehmen dem Beispiel von Porsche, Puma oder der Allianz. Interessant ist dabei die Begründung des Managements: Damit könne man den Firmensitz einfacher innerhalb der EU verlegen. „Dies könnte im Zusammenhang mit der Einführung von Solvency II Bedeutung erlangen“, heißt es in einer schriftlichen Mitteilung des Konzerns.

In Solvency II sind die neuen Regulierungsvorschriften für Versicherer zusammengefasst. Sie sind derzeit noch in der Bearbeitung und sollen 2014 angewendet werden. Nach dem Stand der derzeitigen Diskussion könnte die Anwendung der Regeln innerhalb der EU unterschiedlich ausfallen, da die jeweils nationale Aufsicht Rücksicht auf nationale Besonderheiten nehmen kann. Dieser Spielraum wird unterschiedlich ausgelegt. So würden in Frankreich beispielsweise die Investition in Aktien für Versicherungsunternehmen erleichtert, sagt Versicherungsstratege Carsten Zielke von Société Générale. In Spanien beispielsweise sei die Anwendung von unternehmenseigenen Risikomodellen unkomplizierter.

„Mit dem Schritt bereitet sich die Hannover Rück auf Regulierungsoptimierung vor“, so Zielke. Generell sieht es die deutsche Versicherungsaufsicht Bafin nicht als unangemessen hart an: „Die Bafin ist im Vergleich zu vielen anderen nationalen Aufsichten sehr praxisnah“, sagt Zielke. Noch aber die Ankündigung der Hannover Rück nicht mehr als ein Warnschuss: „Konkrete Pläne für eine solche Sitzverlegung hat die Hannover Rück jedoch derzeit nicht“, heißt es in der schriftlichen Mitteilung weiter. Die Hauptversammlung muss im Mai über den Schritt entscheiden.