Insolvenz

Schlecker-Märkte erhalten Schließungs-Faxe

Die ersten Schlecker-Märkte haben am Dienstagabend die Mitteilung erhalten, dass sie Ende März geschlossen werden. In zahlreichen Filialen in Deutschland kamen Faxe mit einer entsprechenden Nachricht aus der Zentrale in Ehingen an.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Am Dienstagabend kam die traurige Gewissheit per Fax: Die ersten Schlecker-Märkte sind darüber informiert worden, dass sie Ende März geschlossen werden. Eine Gesamtliste aller zu schließenden Filialen wird Mitte dieser Woche erwartet.

Unklar scheint indes zu sein, wie viele Schlecker-Filialen im Rahmen des Insolvenzverfahrens nun geschlossen werden sollen. Der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz sagte am Dienstag in Oberhof, er habe „einige hundert Filialschließungen zurückgenommen“. Schlecker hatte Ende Januar Insolvenz angemeldet. Um das Unternehmen zu retten, sollen nach ursprünglichen Angaben rund 2400 der derzeit 5400 deutschen Filialen geschlossen werden.

Im thüringischen Oberhof gingen derweil die Verhandlungen über das Schicksal der Schlecker-Beschäftigten zwischen der Gewerkschaft ver.di, dem Schlecker-Betriebsrat und Geiwitz weiter. Unter anderem werde über einen Sozialplan zum bevorstehenden Stellenabbau gesprochen, sagte die Sprecherin des ver.di-Bundesverbands, Christiane Scheller. Denn die Schließung einer Filiale bedeutet nicht automatisch die Kündigung der dort Beschäftigten.

Die Gewerkschaft und der Insolvenzverwalter müssen jetzt ein Konzept erstellen, wie die Beschäftigten über die Standorte verteilt werden sollen, wenn Filialen geschlossen werden. Weitere Themen sollten laut Sprecherin die bestehenden Tarifverträge sein sowie eine Transfergesellschaft für die knapp 12.000 Beschäftigten, die Ende März ihre Jobs verlieren sollen.

Geiwitz geht von mehreren Verhandlungstagen in Oberhof aus

Die Verhandlungen in Oberhof verzögerten sich, weil sich Geiwitz zunächst in Stuttgart mit dem baden-württembergischen Finanzminister Nils Schmid (SPD) und Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) traf. Mit einem echten Durchbruch rechnete Geiwitz bei den Verhandlungen nicht. Dies sei nicht der einzige Verhandlungstag und werde auch nicht der letzte sein, sagte er bei seinem Eintreffen in Oberhof.

„Die Nerven sind doch enorm angespannt“, sagte Scheller. Die Zeit laufe ab. Bis zum Ende des Monats müsse die Transfergesellschaft gegründet sein, weil zum 1. April das Insolvenzverfahren bei Schlecker eröffnet werde und die Beschäftigen ansonsten in die Arbeitslosigkeit entlassen würden. Zudem steige die Gefahr, dass sie das Ehinger Unternehmen mit Kündigungsschutzklagen überziehen. „Das wäre für einen Investor dann nicht mehr attraktiv“, sagte Scheller.

Geiwitz hofft noch, einen Investor zu finden, der bei der Drogeriemarktkette einsteigt. Parallel bittet er um einen Kredit der staatlichen Förderbank KfW für die Transfergesellschaft.

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte am Wochenende allerdings deutlich gemacht, dass die KfW diesen Kredite nicht gewähren werde. Zur Begründung hieß es, diese Kredite seien auf kleine und mittelständische Firmen ausgerichtet.

„KfW-Kredit kein unzumutbares Risiko für Steuerzahler“

Geiwitz betonte in der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstagausgabe) erneut, eine solche Gesellschaft sei „für alle Beteiligten absolut sinnvoll“. Das Unternehmen benötige die etwa 75 Millionen Euro nicht als Zuschuss, sondern lediglich zur Überbrückung, bis das Kerngeschäft wieder stabil laufe. „Das wäre kein unzumutbares Risiko für den Steuerzahler“, sagte Geiwitz.

Druck baute unterdessen auch der Baden-Württembergs Finanzminister Schmid gegen die Bundesregierung auf. Er beharrte am Dienstag auf einem Termin mit Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler und machte dem FDP-Politiker schwere Vorwürfe. „Herrn Rösler ist es offenbar egal, was mit den Schlecker-Frauen passiert. Mir ist es nicht egal“, sagte Schmid. Die Landesregierung in Stuttgart habe die Erwartung an die Bundesregierung, dass sie sich auf die Seite der Beschäftigten schlage und den KfW-Kredit gewähre.

Die Mitteilung im Wortlaut:

"An die Schlecker Verkaufsstelle

Ehingen, 13.03.2012

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Schlecker Marktes,

wir müssen Ihnen heute leider mitteilen, dass Ihre Verkaufsstelle nach vorläufigem Stand zum 24. März 2012 geschlossen wird. Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht und mit allen beteiligten Seiten – Gewerkschaften, Betriebsräten, Unternehmensberatung – nach einer alternativen Lösung gesucht. Doch um eine zukunftsfähige Basis für Schlecker zu schaffen, ist es unumgänglich, das Filialnetz jetzt deutlich zu verkleinern.

Wir sind uns bewusst, dass das für Sie eine harte Entscheidung ist. Sie haben sich zum Teil bereits seit vielen Jahren für Ihren Markt engagiert und leidenschaftlich eingesetzt. Dafür möchten wir uns heute noch einmal ausdrücklich bei Ihnen bedanken.

Marktschließung bedeutet nicht automatisch Kündigung

Die Schließung Ihrer Verkaufsstelle bedeutet nicht automatisch auch die Kündigung der darin tätigen Mitarbeiter. Zu den unvermeidbaren Entlassungen laufen aktuell noch Gespräche mit dem Schlecker Gesamtbetriebsrat, der Gewerkschaft ver.di und dem vorläufigen Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Ziel ist es, einen Sozialplan auszuarbeiten, der den Stellenabbau so sozial verträglich wie möglich macht. "