Trotz Rekordgewinn

Deutsche Post will das Porto für Briefe erhöhen

Der Onlinehandel sorgt beim Logistik-Riesen für ein sattes Plus. Das Briefgeschäft zunehmend schwächer. Der Konzern prüft eine Portoerhöhung.

Foto: dpa

Es ist genau vier Jahre her, als Frank Appel im Erdgeschoss des Bonner Post-Towers neben dem Aufsichtsratsvorsitzenden stand und den Mitarbeitern als Nachfolger des damaligen Konzernchefs Klaus Zumwinkel bekannt gemacht wurde. Doch auch wenn die Postler den McKinsey-Manager schon jahrelang als Vorstand kannten, wussten viele nicht so recht, was der verschlossen wirkende Naturwissenschaftler nun so alles verändern könnte.

Der wegen Steuerhinterziehung verurteilte Zumwinkel lebt heute in Italien und England, seine Bewährungsstrafe läuft gerade aus. Währenddessen sitzt sein Ziehsohn Appel im Versammlungsraum der Konzernzentrale und redet über das Geschäft: 2011 war ein Rekordjahr für die Deutsche Post AG .

Der Vorsteuergewinn ist um ein Drittel auf gut 2,4 Mrd. Euro gestiegen, der Umsatz hat um drei Prozent auf knapp 53 Mrd. Euro zugelegt. Gründe dafür sind ein unerwartet gutes Brief- und Paketgeschäft in Deutschland sowie eine Gewinnverdoppelung im weltweiten Expressversand der Tochtergesellschaft DHL.

Briefporto kann wieder teurer werden

Die Post hat den Brief- mit dem Paketversand zusammengelegt, denn die Verhältnisse haben sich gedreht: Der frühere Gewinngarant Brief wird zunehmend durch elektronische Post in Form von E-Mails ersetzt. Im vergangenen Jahr half die gute Konjunktur, die Zahlen stabil zu halten, erst gegen Ende des Jahres sanken die Mengen um drei Prozent.

Pakete werden dagegen dank des bequemen und immer populärerer werdenden Onlinehandels zum Renner: 870 Mio. Sendungen verschickte die Post 2011, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Nur dadurch blieb der Gewinn (vor Zinsen und Steuern) bei 1,1 Mrd. Euro im Briefbereich konstant.

Bis Ende dieses Jahres wird die Post entscheiden, ob sie zum nächsten Jahr das Briefporto verteuert. Zuletzt hat es beim Standardbrief vor 17 Jahren eine Erhöhung gegeben. Man werde im Herbst sehen, ob das sinnvoll sei oder nicht, sagte Appel. Die für die Preiskontrolle zuständige Bundesnetzagentur hat der Post dafür einen Spielraum zugestanden.

Im Expressversand wiederum, bei den teuren und meist per Flugzeug verschickten Sendungen, nutzt die Posttochter DHL jetzt die Aufbauarbeit der vergangener Jahrzehnte und verdiente 2011 mit 927 Mio. Euro fast doppelt so viel wie im Jahr davor.

Post hat "alle Ziele erreicht"

DHL hat nach einer Analyse von Market Intelligence in Asien einen Marktanteil von 36 Prozent, dahinter folgen die US-Konkurrenten Fedex mit 21 und UPS mit zehn Prozent. Der hohe Marktanteil in Asien ist der Garant für das hohe Wachstum, jede zweite internationale Sendung von DHL betrifft diesen Kontinent.

Die Bereiche See- und Luftfracht sowie Warenlagerung für Großkunden verbesserten ihr Ergebnis um zwölf und 57 Prozent. Alle drei DHL-Geschäfte brachten mit 1,7 Mrd. Euro so viel Gewinn wie bislang noch nie für den Post-Konzern.

Appel selbst spricht in dem Moment davon, „alle Ziele erreicht“ zu haben. Aus der Ära Zumwinkel hat der 50-jährige Manager die einzelnen Konzernteile so übernommen, nur hat damals außer der Briefsparte kein Geschäft nennenswert Gewinn abgeworfen.

Zugleich hat Appel hochfliegende Wachstumspläne zurechtgestutzt und den Expressversand innerhalb der Vereinigten Staaten, Frankreich oder Großbritannien eingestellt oder verringert. Dieser Kurs setzt sich fort: Gerade hat die Post den Briefversand der Tochterfirma Global Mail in Großbritannien aufgegeben.

Appel für laufendes Geschäftsjahr optimistisch

Den Beschäftigten der Post bringen all diese Veränderungen vor allem: mehr Arbeit und auch mehr Geld. Erstmals seit vielen Jahren stieg die Mitarbeiterzahl in Deutschland wie auch weltweit um ein Prozent, insgesamt sind es rund 500.000 Beschäftigte. Und nach Jahren der Nullrunden gab es zuletzt vier Prozent mehr Lohn. Die Aktionäre der Deutschen Post sollen nach Plänen des Vorstands fünf Cent mehr und damit 70 Cent Dividende für 2011 bekommen.

Für das laufende Geschäftsjahr ist Appel optimistisch: „Ich habe keine Sorge vor einer Rezession.“ Appel rechnet für 2012 mit einem Wachstum der Weltwirtschaft von drei bis 3,5 Prozent – ähnlich wie der Internationale Währungsfonds, der ein Wachstum von 3,3 Prozent erwartet. Im Konzern soll der Gewinn auf 2,5 bis 2,6 Mrd. Euro steigen. Und dann eilt der Chef zur nächsten Konferenz mit Bankanalysten.