Hunrun-Liste

Wenn eine Milliarde nicht mehr reicht

Eine neue Reichen-Liste führt nur noch Personen, die mehr als zehn Milliarden Dollar schwer sind. Weltweit sind dort 83 Superreiche vertreten. Unter den ersten zehn befindet sich auch ein Deutscher.

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Auch unter den Reichsten der Welt geht es inflationär zu, seitdem sie immer reicher werden. Ein Millionär zu sein zählt heutzutage nicht mehr viel. Selbst ordinäre Milliardäre fallen inzwischen unter „ferner liefen“. Zumindest für den in Shanghai lebenden Briten Rupert Hoogewerf, der seit 1999 mit seinen jährlichen Hunrun-Reichenlisten Jagd auf die Vermögens-Eliten Asiens und Chinas macht. Der 41-Jährige und sein Team legten am Dienstag in Peking nun ihre erste weltweite Liste mit den 83 Allerreichsten unter den Reichen als globale Premiere vor. „Wir wollten ursprünglich die ultimative Top-50-Liste erstellen. Als wir das Limit zur Aufnahme auf mindestens zehn Milliarden Dollar an Vermögen festsetzten, kamen wir aber bereits auf 83 Kandidaten“, sagte Hoogewerf. Er habe es schließlich dabei belassen. Die neue Crème de la Crème des weltweiten Geldadels nennt er die „Hunrun-Liste der Zehnmilliardäre“ oder den „Klub der Zehn Nullen“.

Der 73-jährige Mexikaner Carlos Slim, Südamerikas Telekomgigant, Besitzer von Bergwerken und Banken, führt mit 55 Milliarden Dollar an Vermögen als reichster Mann der Erde die Liste an. Ihm folgt Microsoft-Gründer Bill Gates (50 Milliarden) und trotz Börsenverluste als Dritter die Investmentlegende Warren Buffett mit immerhin noch 48 Milliarden Dollar. Unter den ersten Zehn ist auch ein Deutscher, Karl Albrecht (Aldi, 26 Milliarden). Er teilt sich Platz Acht mit dem 28-jährigen Mark Zuckerberg (Facebook, 26 Milliarden). Der ist mit Abstand der jüngste unter den Superreichen, die im Durchschnitt 66 Jahre alt sind.

Neun Monate brauchten Hoogewerf und seine Mitarbeiter, um zum Stichtag Ende Februar die 83 Multimilliardäre nach dem aktuellen Wert ihres Aktien- und Immobilienbesitz, ihrer Unternehmen und Beteiligungen zu taxieren. Zusammen bringen sie rund 1,5 Billionen Dollar Vermögen auf die Waage. Sieben Deutsche sind unter den 83 Reichsten der Reichen. Hoogewerf beklagt sich über deren Versteckspiel: „Bei ihnen war es am schwersten herauszufinden, wie hoch ihr Vermögen ist. Wirklich reiche Deutsche scheuen die Öffentlichkeit.“

Mit ihrem „Zehn Nullen Klub“ ist die Hunrun-Gruppe von Hoogewerf dem Konkurrenten Forbes wieder mal um eine Nasenlänge voraus. Forbes zählte bisher nur Dollar-Milliardäre. Der Sprung von Milliardären zu zehnfachen Milliardären ist eine Entwicklung, die erst vor wenigen Jahren eintrat, sagt Hoogewerf. Überall in der Welt würden die Reichen immer reicher trotz aller Wirtschaftskrisen. Zum „großen Sprung des Geldes zum Geld“ komme es besonders in Asien und China über die Spekulationen mit Immobilien und mit Börsengängen. Als er 1999 in Shanghai seine erste chinesische Millionärsliste zusammenstellte, ermittelte er 50 Personen, die ein damals umgerechnetes Vermögen von mindestens sechs Millionen Dollar als unterstes Limit mitbrachten. Im Oktober 2011 zählte er 271 Chinesen mit jeweils mindestens eine Milliarde Dollar Vermögen.

Während bei den Zahlen für „einstellige“ Dollar-Milliardäre massenweise Neureiche wie Chinesen oder Inder aufholen, führen unter den 83 Superreichen im noch exklusiven „Zehn Nullen Klub“ immer noch die „traditionellen Superreichen“. Ein Drittel von ihnen (27) lebt in den USA, 17 in Europa und jeweils zehn in Russland und Südamerika. Aus Indien stammen fünf Multimilliardäre und ebenfalls fünf aus China.