Hannover-Messe

Mit dem intelligenten Gabelstapler zur Cebit

Am Dienstag öffnet wieder die große Technikmesse. Mit dabei sind auch zwei Hamburger Firmen, die man bisher nicht mit Computern in Verbindung brachte.

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In der kommenden Woche ist es wieder soweit. Tausende von Software-Entwicklern, Computerspezialisten und Kommunikationsexperten werden die Cebit in Hannover bevölkern und Neuentwicklungen aus der Informationstechnologie bestaunen. Doch in der Halle Nummer fünf am Stand B50 werden sich zwei Hamburger Firmen präsentieren, deren Namen man eher mit Gabelstaplern als mit Computern in Verbindung bringt: Jungheinrich und Still.

Die beiden Unternehmen, die zur Topliga der weltweiten Stapler-Hersteller gehören, sind eigentlich eher auf Maschinenbau- und Logistikmessen zu Hause. Erstmals sind die beiden Hamburger Konkurrenten in diesem Jahr auch bei der Cebit dabei.

Softwarelösungen für intelligente Gabelstapler

Und das mit gutem Grund. Längst hat die Informationstechnologie auch den Maschinenbau für sich erobert, und Material- und Warenflüsse werden von intelligenten Systemen überwacht.

„Wir sehen eine stark wachsende Bedeutung von Softwaredienstleistungen auch in der Intralogistikbranche“, sagt Still-Geschäftsführer Bert-Jan Knoef.

Als Anbieter maßgefertigter innerbetrieblicher Logistiklösungen weltweit mache Still mit seinem Programm „STILL Fleet Data Services“ aus Gabelstaplern intelligente Werkzeuge. Gleich drei Software-Lösungen kommen dabei zum Einsatz.

Mit ihrer Hilfe werden Fahrzeug- und Fahrerdaten erfasst und aufbereitet. Die Stapler werden gläsern. Logistikunternehmen erhalten somit schnell einen Überblick über die gesamte Staplerflotte, kann diese besser organisieren und ihren Einsatz optimieren. Diese und weitere Softwareanwendungen will das Unternehmen jetzt auf der Messe präsentieren.

„Damit unterstreicht Still einmal mehr seine Bedeutung als Innovationstreiber der Branche, mit Erfindergeist und einem ausgeprägten Gespür für Kundenbedürfnisse“, so Knoef.

"Wer nur Stapler herstellt, der kommt nicht weit"

Ähnlich sieht es das Unternehmen Jungheinrich. „Wer nur Stapler herstellt, der kommt nicht weit“, sagt Sprecher Jan Kaulfuhs-Berger. Deshalb habe das Unternehmen schon vor Jahren damit begonnen, sich mit den Materialflüssen in allen Bereichen wie Wareneingang und -ausgang, Lager sowie Kommissionierung zu befassen und Lösungen dafür anzubieten.

Inzwischen ist Jungheinrich dazu übergegangen, seinen Kunden ganze Systeme, also komplette Lagerhäuser anzubieten, in denen nach deren Wünschen Jungheinrich-Technik eingesetzt wird. Der Gabelstapler ist in dieser Verfahrenskette nur eines von vielen Produkten.

„Dabei spielen IT und Datenfunk eine immer größere Rolle“, sagt Kaulfuhs-Berger. Schwerpunkt der Präsentation auf dem gut 20 Quadratmeter großen Messestand bei der Cebit sei das Warehouse Management System (WMS) von Jungheinrich – eine Software zur Optimierung von innerbetrieblichen Material- und Informationsflüssen.

Neuer Schwerpunkt Logistics IT auf der Cebit

Über zahlreiche Schnittstellen kann diese Software mit vielen anderen Abteilungen eines Betriebs vernetzt werden, etwa mit dem Einkauf. Wie groß der Anteil dieses neuen Geschäftsfeldes am Gesamtumsatz von Jungheinrich ist, will Kaulfuhs-Berger nicht sagen.

Nur soviel: „Er wächst immer stärker an.“ Den Ausflug zur Cebit haben Still und Jungheinrich gründlich geplant. Nicht zuletzt, weil die Hannover Messe mit der Sparte Logistics IT einen neuen Schwerpunkt der Cebit definiert hat. Beide Unternehmen sind eigentlich gute Kunden der alle drei Jahre stattfindenden Cemat, der weltweitgrößten Messe für Intralogistik, die ebenfalls von der Deutschen Messe in Hannover organisiert wird.

„Viele Aussteller haben aber gesagt, dass ihnen das zu lange dauert. Die Innovationszyklen entwickeln sich gerade bei der IT für Logistik erheblich rasanter“, sagt Messe-Sprecherin Brigitte Mahnken-Brandhorst.

Deshalb habe sich die Messe AG dazu entschlossen, der Cemat jährlich eine Plattform im Rahmen der Cebit zu verschaffen.

Von der Finanz- und Wirtschaftskrise erholt

Still und Jungheinrich haben in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 erhebliche Umsatzrückgänge verzeichnet, von denen sich beide Unternehmen nach Restrukturierungen inzwischen wieder erholt haben. Die im Haspax gelistete Jungheinrich AG hat 2010 einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro gemacht und beschäftigt weltweit mehr als 10.500 Mitarbeiter. Mehr als die Hälfte davon im Ausland.

Still ist Marktführer in Deutschland im Bereich der Elektrostapler. Die Tochter des Kion Konzerns gehört zu den führenden Anbietern von Gabelstaplern, Wagen und Schleppern sowie modernsten Intralogistiksystemen. Das Unternehmen hat 6295 Mitarbeitern, vier Produktionsstätten, 14 Niederlassungen in Deutschland, sowie 20 Tochtergesellschaften im Ausland und erwirtschaftete 2010 einen Umsatz von mehr als 1,2 Milliarden Euro.