Internes Papier

Post verurteilt internen Mobbing-Leitfaden

Eine Mobbing-Anleitung bringt den Konzern in Erklärungsnot. Zusteller werden darin als Motzbrüder und Sozialfälle bezeichnet.

Foto: Volkmar Schulz / Keystone Presse

Die Deutsche Post hat sich von einem internen Papier aus einer Niederlassung distanziert, bei dem es um mangelnde Arbeitsmoral von Postboten und Leistungsdruck geht. Das Magazin „Stern“ zitiert aus dem Papier, in dem „auffällige“ Zusteller, die angeblich zu langsam arbeiteten, mit besonderen „Maßnahmen“ ins Visier genommen werden sollten.

Der Bericht über den Umgang mit sogenannten „Low-Performern“ teilt die Postboten in vier „Typen“ ein: Typ eins etwa arbeitet „zuverlässig“, aber „extrem langsam“; Typ zwei sei „uneinsichtig“ und „beratungsresistent“, kurz: „Motzbrüder“ mit „negativer Grundeinstellung“. Bei Typ drei handle es sich um „Sozialfälle“, die für die Zustellung „ungeeignet“ seien; Typ vier könne wegen seines „hohen Alters“ den Schalter nicht mehr umlegen. Um die Leistung dieser langsamen Postboten zu steigern, sollten ihnen Führungskräfte samstags und montags oder vor Feiertagen nie freigeben oder Gespräche mit dem Ziel führen, Überstunden verfallen zu lassen.

Menschenverachtende Typisierung

Allein die Typisierung ist nach Meinung von Christoph Schmitz skandalös, menschenverachtend und zynisch. Der Sprecher des Ver.di-Bundesvorstands erwartet von der Post, dass "auch das letzte Exemplar dieses Papiers in den Reißwolf geht." Schon längere Zeit beobachtet Schmitz, dass immer mehr Druck auf Mitarbeiter ausgeübt werde, insbesondere von Anwälten. Arbeitnehmern empfiehlt Schmitz, sich bei Verdacht auf Maßnahmen dieser Art sofort an den Betriebsrat zu wenden.

Auch arbeitsrechtlich ist diese Typologisierung bedenklich, so Rüdiger Krause, Professor am Institut für Arbeitrecht der Uni Göttingen. Er bezeichnet Betitelungen wie "Sozialfall" für Mitarbeiter als unangemessen, die "vor Gericht unter Umständen erfolgreich angefochten werden können." Besonders die Maßnahmen, die in dem Papier vorgesehen sind, widersprächen den Rechten der Mitarbeiter. "Es darf nicht sein, dass ein Arbeitgeber in dieser Weise Druck auf Arbeitnehmer ausübt."

Autor hat keine Personalverantwortung mehr

Auch Deutsche Post Sprecher Dirk Klasen verurteilte das Papier. Natürlich gebe es unterschiedliche Leistungsvermögen der Mitarbeiter, das sei aber in jedem anderen Unternehmen auch der Fall. „Wir haben klare Bewertungskriterien für unsere Mitarbeiter, die wir zusammen mit Arbeitnehmerverbänden entwickelt haben“, betont Klasen. Verantwortlich für den Inhalt sei ein einzelner Autor, der das Papier innerhalb einer Arbeitsgruppe entwarf. Der Leiter der Niederlassung habe jedoch das Papier kassiert, so Klasen.

Im Anschluss sei der Fall zusammen mit dem Betriebsrat aufgeklärt worden. „Der zuständige Autor ist mittlerweile in keine Personalentscheidungen mehr involviert“, sagt Klasen. Zudem schloss er aus, dass diese Maßnahmen jemals in einer Filiale eingesetzt wurden. Die Überlegungen hätten im Unternehmen auch nie eine Rolle gespielt. „Solche Praktiken gibt es bei uns nicht“, so Klasen.

Auch Ver.di Sprecher Schmitz sei überrascht, dass es gerade bei der Post einen derartigen Entwurf gab. "Insbesondere bei altersgerechter Arbeit ziehen wir mit der Post an einem Strang", betont Schmitz. Man habe mit der Post gemeinsam einen modernen und einzigartigen Tarifvertrag beschlossen, der den Leistungsdruck älterer Arbeitnehmer mindere.