Prozess

Deutsche Bank lässt Kirch-Vergleich platzen

Die Deutsche Bank will sich nun doch nicht außergerichtlich mit den Erben des Medienunternehmers Kirch einigen. Der scheidende Bank-Chef Josef Ackermann hatte den Kompromiss ausgehandelt, den der Vorstand jetzt kippte - einvernehmlich.

Die Deutsche Bank lehnt einen Vergleich mit der Kirch-Gruppe ab. Der Vorstand habe den Vergleichsvorschlag "sorgfältig" geprüft. „Auf der Basis dieser Prüfung, auch unter Berücksichtigung internen und externen Rechtsrats, hat der Vorstand einvernehmlich entschieden, den Vergleichsvorschlag nicht anzunehmen“, erklärte die Bank .

Schon mehrfach hatten die Deutsche Bank und die Anwälte des verstorbenen Medienunternehmens Leo Kirch versucht, ihren milliardenschweren Streit um Schadenersatz für die Pleite des Kirch-Medienimperiums 2002 außerhalb von Gerichtssälen beizulegen. Zuletzt schien eine Einigung in Sicht. Der scheidende Bankchef Josef Ackermann und die Witwe des im Juli 2011 gestorbenen Kirch hatten sich geeinigt. Die Bank sollte 812 Millionen Euro zahlen, die Kirch-Seite im Gegenzug auf alle weiteren Ansprüche verzichten.

Der Rechtsstreit um die Pleite von Kirchs Medien-Imperium dauert bereits seit zehn Jahren an. Kirch hatte noch zu Lebzeiten auf Schadenersatz in Milliardenhöhe geklagt. Er machte den ehemaligen Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer für die Pleite seines Medienkonzerns verantwortlich.

Breuer hatte im Februar 2002 in einem Interview mit der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg in Bezug auf die Lage der Kirch-Gruppe gesagt: „Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen.“

Breuer habe damit die Kreditwürdigkeit von Kirchs Konzerns angezweifelt, argumentierte die Kirch-Seite, und damit die Pleite mindestens beschleunigt. Ein Gutachten des Wirtschaftsprüfungsunternehmens PricewaterhouseCoopers (PwC) allerdings besagt, dass Kirch zu diesem Zeitpunkt schon so gut wie zahlungsunfähig war.

Nachdem die Deutsche Bank den Vergleich nun abgesagt hat, wird Prozess vor dem Oberlandesgericht (OLG) München fortgesetzt werden. Die Erben von Leo Kirch klagen dort auf Schadenersatz in Milliardenhöhe.