Flughafen am Tarifkonflikt

In Frankfurter stehen die Zeichen auf Dauerstreik

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport bleibt bei seiner harten Linie gegen den Streik von rund 200 Vorfeldmitarbeitern. Unterstützung kommt dabei von Verdi. Zur Endabrechnung mit den Spartengewerkschaften taugt der Konflikt aber nicht.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Mit verhärteten Positionen sind der Betreiber Fraport und die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) in die neue Streikwoche am Frankfurter Flughafen gestartet. Die gescheiterten Tarifgespräche waren offenbar von Taktik und gegenseitigen Provokationen geprägt.

Wechselseitig halten sich die Gegner vor, hinter frühere Angebote und Zusagen zurückgegangen zu sein. Und so legen vorerst bis zum Donnerstag weiterhin rund 200 der 19.000 Fraport-Beschäftigten einen Teil des Flugverkehrs am Frankfurter Flughafen lahm. Fraport hält mit eigens geschulten Ersatzleuten dagegen und gewährleistete am Montag erneut rund 80 Prozent des geplanten Verkehrs.

Immer deutlicher wird in dem Konflikt die rote Linie, die Flughafenchef Stefan Schulte um keinen Preis überschreiten will. Neben den Vorfeldlotsen, die bereits in München einen eigenen höheren Tarif erstritten haben, will er keine weiteren Gruppen aus dem Fraport-Tarifgefüge entlassen. Das gilt insbesondere für die 91 Flugzeugeinweiser und „Follow-Me“-Fahrer, die bereits jetzt mehr verdienten als die Kollegen in der bayerischen Landeshauptstadt.

Unterstützung und Druck zugleich kommt von der großen DGB-Gewerkschaft Verdi, die traditionell die Arbeitnehmerinteressen am öffentlich kontrollierten Flughafen vertritt: Sollte das Management mit kleinen Gruppen hohe Abschlüsse zimmern, müssten die übrigen Beschäftigten mit entsprechenden Forderungen nachziehen, warnt der Bundesvorsitzende Frank Bsirske.

Die , wo Schulte letztendlich eine Auseinandersetzung im Namen aller führt: „Wenn sie an einem Ort etwas abschließen, wird das am nächsten Tag den anderen Flughäfen als Forderung präsentiert“, sagt Ralph Beisel vom Flughafenverband ADV. Eine weitere Befürchtung ist, dass sich immer neue Beschäftigtengruppen an Schlüsselstellen den Weg der Vorfeldleute als Vorbild nehmen könnten.

"Der Eindruck drängt sich auf, dass Fraport den Streik aussitzen will“, sagt der Tarifexperte Heiner Dribbusch von der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung und verweist auf das noch einmal abgespeckte Angebot des Unternehmens in der Streikpause. Es sei noch gar nicht ausgemacht, dass die GdF den Arbeitskampf tatsächlich zu einem Erfolg führen könne.

Klar ist, dass Fraport große Rückendeckung in der Branche genießt, die auch die politische Lobby-Arbeit wieder intensiviert hat. Von Hilfstruppen aus anderen Firmen und Standorten wird gemunkelt, der größte Fraport-Kunde Lufthansa stärkt Schulte demonstrativ den Rücken. „Ohne die Lufthansa würde Fraport das nie durchziehen“, ist sich ein Insider sicher.

Tatsächlich muss sich Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer in seinem Unternehmen so häufig mit Spartengewerkschaften auseinandersetzen wie sonst wohl kein deutscher Manager. Seit langem fordert er vom Gesetzgeber neue Spielregeln vor allem für die großen Infrastruktur-Unternehmen. Lauer bekennt sich aber gleichzeitig zur Tarifvielfalt im eigenen Unternehmen, wo Verdi, die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und die Kabinengewerkschaft UFO ihre unterschiedlichen Süppchen kochten.

Als Paradebeispiel für den übersteigerten Einfluss der Kleinstgewerkschaften taugt der Frankfurter Flughafen aber wohl nicht: Immerhin finden 80 bis 90 Prozent des Flugverkehrs statt, der Ausfall von Inlandsflügen scheint für die meisten verkraftbar. Tarifexperte Dribbusch hält nichts von gesetzlichen Schritten gegen die kleinen Gewerkschaften, auch wenn ein solidarisches Vorgehen für alle Beschäftigten vielleicht wünschenswert sei. Gewerkschaften müssten frei bleiben, beliebige Menschen und Berufsgruppen zu organisieren. „Gesetzliche Einschränkungen würden letztlich alle treffen und die Koalitionsfreiheit aushöhlen.“

Der Erfolg der Spartengewerkschaften werde ohnehin überschätzt, sagt Dribbusch. So sei die Zahl der tarif- und streikfähigen Organisationen seit Jahren unverändert. Spartengewerkschaften seien auch nicht als besonders streikfreudig aufgefallen. Selbst die vermeintlich kampfstarke Lokführergewerkschaft GDL habe im vergangenen Jahr in den Auseinandersetzungen mit den Privatbahnen Rückschläge hinnehmen müssen.

Der Flughafenbetreiber Fraport rät Fluggästen, sich bei ihrem Reiseveranstalter oder ihrer Fluggesellschaft zu informieren. Bei Rückfragen ist das Fraport Communication Center unter +49 1805 3724636 zu erreichen.

Eine Liste der gestrichenen Flüge findet sich hier.