Tarifstreit

Lufthansa streicht 100 Flüge in Frankfurt

Während bei Deutschlands größter Fluggesellschaft wegen des Streiks am Frankfurter Flughafen 93 Flüge ausfallen, freut sich der benachbarte Airport Hahn im Hunsrück über mehr Arbeit.

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Wegen des angekündigten Streiks auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens hat die Lufthansa für Donnerstag100 Flüge gestrichen. Es handele sich um 50 Flugpaare mit Start und Landung in Frankfurt, erklärte eine Sprecherin der Fluggesellschaft.

Die Lufthansa bietet ihren Kunden kostenlose Stornierungen sowie Umbuchungen auf andere Flüge oder die Bahn an. Die Passagiere sollten sich persönlich informieren oder auf Internetseiten nachschauen. Dort seien auch jederzeit Umbuchungen möglich.

Unter den 100 annullierten Flügen sein nur zwei Interkontinentalverbindungen. Zu den möglichen Flugausfällen bei einer bereits angekündigten Ausweitung des Streiks auf Freitag von 08.00 bis 22.00 Uhr machte die Lufthansa noch keine Angaben, da noch nicht klar sei, wie viele Slots die Fraport anbieten könne. Laut Flughafen sind in dieser Zeit 1082 Starts und Landungen geplant.

Der Betreiber des Frankfurter Flughafens, Fraport, will derweil während des Streiks am Donnerstagnachmittag und Freitag etwa 50 Prozent des Flugbetriebes sicherstellen. „Es wird zu Verzögerungen, auch zu Flugausfällen kommen“, sagte Fraport-Sprecher Mike Schweitzer am Donnerstag. In erster Linie entschieden die Fluggesellschaften darüber, welche Flüge sie bedienen wollten. Passagiere sollten sich daher auf jeden Fall mit ihrer Fluglinie in Verbindung setzen.

Um den Betrieb zumindest teilweise aufrecht erhalten zu können, habe Fraport Mitarbeiter geschult, die die Aufgaben des streikenden Vorfeldpersonals übernähmen, sagte Schweitzer. „Außerdem haben sich Kollegen, die früher dort gearbeitet haben, bereit erklärt ihren früheren Job zu übernehmen“. Damit sei die entsprechende Qualifikation gewährleistet. „Die Sicherheit des Flugbetriebs werden wir sicherstellen“, sagte der Fraport-Sprecher.

Berlin bisher verschont

Am frühen Nachmittag waren die Berliner Flughäfen noch nicht vom Streik in Frankfurt betroffen. Wie ein Sprecher der Berliner Flughäfen sagte, seien bisher drei Flüge von Frankfurt nach Tegel gestrichen sowie zwei Flüge in die Gegenrichtung. Schönefeld sei nach bisherigem Stand von Auswirkungen verschont. Allerdings könne sich die Lage minütlich ändern.

Die Forderungen der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF), die mit den Streiks den Druck auf Fraport in den Verhandlungen um einen neuen Tarifvertrag erhöhen will, nannte Schweitzer „absolut überzogen“. „Dass überhöhte Forderungen auf dem Rücken der Passagiere und anderer Mitarbeiter ausgetragen werden, ist absolut inakzeptabel.“ Fraport sei „jederzeit gesprächsbereit, wenn von anderer Seite Kompromissbereitschaft gezeigt wird“. Die von der GdF geforderte Tariferhöhung für das Vorfeldpersonal lasse sich „im Vergleich zu anderen Tätigkeiten am Flughafen nicht darstellen“, sagte Schweitzer.

Streik am Frankfurter Flughafen in Stuttgart spürbar

In dem Tarifkonflikt geht es nach Darstellung der Gewerkschaft um einen komplett neuen Tarifvertrag für das Vorfeldpersonal. Dieses ist eine kleine, aber entscheidende Berufsgruppe auf den Flughäfen. Es sorgt unter anderem dafür, dass Flugzeuge von ihren Parkpositionen zu den Flugbahnen kommen. Am Frankfurter Flughafen arbeiten rund 200 Beschäftigte in der Vorfeldkontrolle, Vorfeldaufsicht und der Verkehrszentrale. 190 von ihnen sind in der GdF organisiert.

Die GdF hatte am Donnerstagmorgen mitgeteilt, ihren Streik am Frankfurter Flughafen auf . Die Wirkung der für Donnerstagnachmittag angekündigten Arbeitsniederlegung sei „bisher nicht groß genug“.

Der Streik hat auch Auswirkungen auf den Airport in Stuttgart. Drei Lufthansa-Flüge zwischen Frankfurt und Stuttgart seien gestrichen worden, sagte ein Sprecher des Flughafens in der Landeshauptstadt am Donnerstag. Am Freitagmorgen sei bislang ein Flug betroffen. Ob Flüge nach Stuttgart umgeleitet würden, werde wohl kurzfristig entschieden.

Flughafen Hahn freut sich wegen Frankfurt-Streik auf mehr Arbeit

Der mit Verlusten kämpfende Regionalflughafen Hahn im Hunsrück richtet sich wegen des Streiks am Frankfurter Airport hingegen auf arbeitsreiche Tage ein. „Uns liegen Anfragen von Fluggesellschaften vor, die den Flughafen Hahn als Alternative zu Frankfurt nutzen wollen“, sagte eine Sprecherin des rund 100 Kilometer von Frankfurt entfernt gelegenen ehemaligen US-Militärflughafens am Donnerstag. Dabei gehe es sowohl um Fracht- als auch Passagiermaschinen. Von den Flugbewegungen her habe Hahn genügend Kapazitäten, weitere Flüge aufzunehmen, das Problem sei aber die Abfertigung, erläuterte die Sprecherin. Deshalb könne sie noch keine Angaben dazu machen, wie viele Flüge von Frankfurt in die rheinland-pfälzische Provinz umgeleitet werden könnten.

Im Gegensatz zu dem mit einer eher geringen Auslastung operierenden Provinzflughafen Hahn können größere Airports wie München nicht unbegrenzt Flüge aufnehmen. Der bayerische Flughafen arbeitet bereits an der Kapazitätsgrenze. Wohl nur ein Teil der Maschinen mit Ziel Frankfurt werde nach München umgeleitet, sagte ein Sprecher des Airports. Weitere Alternativen könnten Hamburg, Brüssel oder London sein. Noch sei aber unklar, wie viele Flüge überhaupt umgeleitet werden. Darüber müssten Airlines und Piloten entscheiden.