Solarbranche

Indische Firma will bei Solon 400 Jobs erhalten

Als potenzieller Investor für die insolvente Berliner Solarfirma Solon gilt das indische Unternehmen Microsol, ein eher kleiner Mittelständler. Der will jedoch die Mehrzahl der Arbeitsplätz erhalten.

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Beim insolventen Berliner Solarmodulhersteller Solon wird es ernst. Insolvenzgeld erhalten die Beschäftigten nur noch bis Ende Februar. Eine Lösung muss innerhalb der nächsten drei Wochen her. Favorit für die neue Eigentümerrolle ist das indische Solarunternehmen Microsol, ein nach deutschen Maßstäben kleiner Mittelständler mit rund 250 Beschäftigten in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Kommenden Freitag treffen sich Vertreter von Microsol mit dem Betriebsrat des Unternehmens in Adlershof. Dort werden die Abgesandten den Belegschaftsvertretern eine gute Nachricht überbringen können. Wie Morgenpost Online aus Verhandlungskreisen erfuhr, will Microsol rund 400 Arbeitsplätze in Berlin erhalten.

Damit würde ein recht großer Teil der Arbeitsplätze gerettet. Derzeit sind rund 500 Beschäftigte für Solon in Berlin tätig. Allerdings dürften schon eine ganze Reihe das Unternehmen verlassen haben. Insolvenz meldete Solon bereits am 13. Dezember an. Ist ein Betrieb in einer solchen Situation, beginnen viele Angestellte Bewerbungen zu verschicken.

Noch kein Vertrag unterschrieben

Allerdings ist noch kein Vertrag unterzeichnet, um Details wird weiterhin gerungen. Sollten es wirklich 400 Arbeitsplätze sein, die übrigblieben, wäre das ein Erfolg für Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg. Sein Büro nennt keine Zahlen und keinerlei Details zum Stand der Verhandlungen. Ein Sprecher verwies darauf, dass man das Treffen zwischen Microsol und dem Betriebsrat auch nicht als Vorentscheidung zugunsten der Inder werten könne. „Das ist ein normaler Vorgang im Zuge eines solchen Verfahrens.“

Möglicherweise wollen die Microsol-Vertreter ein Entgegenkommen der Belegschaft ausloten. Denn im Grunde hat Solon zu viele Mitarbeiter. Das Unternehmen ist auf eine Umsatzgröße von rund einer Milliarde Euro im Jahr ausgelegt. Für 2011 wird mit einem Umsatz von gut der Hälfte gerechnet. In jedem Fall ist es für Microsol von Vorteil, mit den Mitarbeitern Einvernehmen zu erzielen. Zwar ist auch eine Einigung über Kaufpreis, Garantieübernahme und Kreditlinien wichtig. Doch wenn die Belegschaft blockt, gibt es kaum Handhabe, um die Arbeitskosten zu drücken.

An der Börse ist die Solon-Aktie mittlerweile ein Zockerpapier. Aktuell steht der Kurs bei 28 Cent. Die Aktionäre müssen mit einem Totalverlust rechnen. Denn egal, wer Solon übernimmt: Der neue Investor wird keine Aktien kaufen, sondern die werthaltigen Teile – etwa Maschinen, Gebäude, Lieferbeziehungen, Patente und Markenrechte. Den Aktionären gehörte dann nur noch eine leere Hülle namens Solon SE. Daher hat der einstige Großaktionär Immo Ströher seine Anteile in den vergangenen Tagen verkauft. Der Verlust dürfte beträchtlich sein.