Filialschließungen

Deutsche Bank streicht Boni zusammen

Die Deutsche Bank räumt ihr Privatkundengeschäft auf. Die 2006 aufgekaufte Norisbank soll nur noch über das Internet ihre Dienste anbieten.

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Die Schuldenkrise macht auch vor den Portemonnaies der Investmentbanker nicht halt. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete, will die Deutsche Bank offenbar die Sofort-Boni, die im laufenden Jahr ausgezahlt werden, auf maximal 200.000 Euro begrenzen. Die Information wurde der "Welt" aus Konzernkreisen bestätigt. Demnach würden die Banker bis zu 100.000 Euro in bar und Aktien im Wert von 100.000 Euro erhalten, die bis August zum Verkauf gesperrt seien. Jegliche darüber hinausgehende Bonuszahlungen würden drei Jahre hinausgeschoben. Die Regelung gelte konzernweit, einschließlich der Investmentbank, hieß es weiter.

Zuvor hatten bereits Morgan Stanley, Credit Suisse und Citigroup angesichts sinkender Erträge die Vergütung von leitenden Investmentbankern für 2011 gekürzt. Auch die UBS hatte den Bonuspool um 40 Prozent reduziert. Morgan Stanley begrenze Sofort-Boni bei 125.000 Dollar, hieß es im Januar aus informierten Kreisen.

"Der allgemeine 'Kampf um die Besten' ist vorbei”, sagte John Purcell, Gründer der Personalberatung Purcell & Co. in London. Die jüngsten Runden von Stellenstreichungen hätten die Größenordnungen bei der Vergütung im Bankensektor fundamental verändert, sagte Purcell.

Die Boni werden in manchen Häusern bis zu neun Jahre gestreckt. Zudem sollen Mitarbeitern teilweise Wertpapiere angeboten worden sein, die auf den Bilanzen der Bank liegen. Nimmt der Mitarbeiter die Papiere an, so hat die Bank einen doppelten Vorteil: Sie bezahlt den Mitarbeiter und wird gleichzeitig Risiken los. "Es ist ganz schön demotivierend, wenn man zuerst mit großen Versprechungen angespornt wird, einen hohen Berg zu erklimmen – und oben angekommen heißt es dann, dass die Brotzeit schon aufgegessen ist", sagte ein enttäuschter Investmentbanker zur "Welt".

Die Deutsche Bank wollte die Boni-Kürzungen nicht kommentieren. Für das vierte Quartal 2011 hatte die Bank in der Vorwoche einen Gewinnrückgang um 76 Prozent gemeldet.

Auch im Privatkundenbereich ist die Bank in Bewegung: So sollen die rund 100 Filialen der Deutsche-Bank-Tochter Norisbank geschlossen werden. Wie die "Welt" aus Finanzkreisen erfuhr, sollen die 400 Mitarbeiter von der Postbank übernommen werden. Die Norisbank soll künftig nur noch als Direktbank über das Internet auftreten. Die Deutsche Bank wollte einen entsprechenden Bericht der "FTD" nicht bestätigen, eine Sprecherin sagte jedoch, dass Ende Januar eine Kooperationsvereinbarung zwischen Postbank und Norisbank abgeschlossen wurde. Demnächst werden Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen.

In den USA hat die Deutsche Bank unterdessen einen Etappensieg errungen: Ein New Yorker Richter hat Klagen von institutionellen Kunden abgewiesen, die sich bei Geschäften mit Hypothekenpapieren betrogen fühlten. Sowohl die französisch-belgische Finanzgruppe Dexia als auch die US-Pensionskasse TIAA hätten ihre Vorwürfe "in mehreren Kernpunkten" nicht ausreichend belegen können, sagte Richter Jed Rakoff. Die Deutsche Bank wollte das Thema am Mittwoch auf Anfrage nicht kommentieren.