Risse an Flügeln

Bei Lufthansa bleiben alle A380 in der Luft

Nach Rissen in den Tragflächen mehrerer Airbus A380 schicken die Aufseher jetzt alle Maschinen des Typs zum Flügel-Check. Lufthansa hat derzeit acht der Superjumbos im Einsatz, die allerdings fliegen weiter – vorerst.

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Risse an den Tragflächen mehrerer Airbus A380 kommen den Flugzeughersteller teuer zu stehen: Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) ordnete am Mittwoch eine Sicherheitsüberprüfung für alle bislang in Dienst gestellten Riesenflieger an. Eigentlich sollten nur die 20 Maschinen zur Zwangskontrolle, die höheren Belastungen ausgesetzt waren und schon mindestens 1300 Flüge absolviert hatten. Die übrigen der derzeit 68 eingesetzten A380 waren ausgenommen. Sie müssen nun auch kontrolliert werden.

Der Erlass stellt laut Airbus-Sprecher Stefan Schaffrath sicher, „dass die Untersuchung, die von Airbus ohnehin empfohlen wird, auch durchgeführt wird“. Die Anordnung komme „nicht überraschend“ für Airbus, sagte Schaffrath in Toulouse. Die Sicherheit der Fluggäste stehe nicht zur Debatte. Die EASA gab den Gesellschaften je nach Flugleistung der Maschinen bis zu sechs Wochen Zeit, ihre Flugzeuge zu untersuchen und gegebenenfalls beschädigte Teile auszutauschen.

Maschinen mit 1.384 oder mehr Flugstunden müssen innerhalb von drei Wochen, die anderen innerhalb von sechs Wochen ab 13. Februar zur Inspektion.

Lufthansa lässt A380 weiter fliegen

Die Lufthansa muss eigenen Angaben zufolge dafür keine A380-Flüge ausfallen lassen. Mit dem Kranich am Heck fliegen derzeit acht der zweistöckigen Großraumjets, zwei weitere sollen in diesem Jahr dazu kommen, wie Sprecher Michael Lamberty sagte. Der älteste Lufthansa-A380, die „Frankfurt“, habe derzeit rund 900 Flüge hinter sich, so dass der Spielraum bis zur Prüfung recht groß sei. Die eventuell betroffenen Teile befinden sich in den Tragflächen. Sie seien zwar leicht austauschbar, aber die vorbereitenden Arbeiten an den Flügeln, in denen die Kerosintanks untergebracht sind, dauerten mindestens einen Tag.

Airbus betonte erneut, dass die Risse keine Sicherheitsgefahr darstellten. Dass die Anweisung ausgeweitet werden würde, sei erwartet worden. Dies stehe nicht in Zusammenhang mit den am Mittwoch bekanntgewordenen Haarrissen an einer Qantas-Maschine. Airbus wollte sich am Mittwoch zunächst nicht zu den Kosten der Reparaturarbeiten äußern. Sie werden von dem Hersteller komplett übernommen. Für Check und Reparatur müssen die Fluggesellschaften laut Singapore Airlines zwei bis drei Tage einrechnen.

Risse bei Qantas-Jet

Hintergrund der EASA-Anordnung ist der Fund von Rissen in mehreren A380-Flugzeugen. „Wenn der Mangel nicht entdeckt und behoben wird, kann er möglicherweise die Stabilität des Flugzeugs beeinträchtigen“, hatte die Aufsichtsbehörde Ende Januar mitgeteilt. Laut Hersteller Airbus sind Material- und Fertigungsfehler Ursache der Risse. Eine Reparaturlösung sei bereits gefunden.

Für Schlagzeilen hatten die Probleme vor allem deswegen gesorgt, weil die ersten Risse an der Maschine entdeckt wurden, die im November 2010 einen schweren Triebwerkschaden hatte. Zunächst war deswegen von einem Zusammenhang ausgegangen worden. Beim Qantas-Flug QF32 war kurz nach dem Start in Singapur in einem Triebwerk Öl ausgelaufen und in Brand geraten. Teile stürzten zu Boden. Die Piloten schafften eine Notlandung, die 469 Menschen an Bord kamen mit dem Schrecken davon.

Die nun in einer A380 der australischen Fluggesellschaft Qantas entdeckten Risse, die am Mittwoch bekannt wurden, haben nach Angaben der EASA nichts mit der erweiterten Kontrollanordnung zu tun. Bei diesen Fehlern handele es sich um unkritische Haarrisse, ergänzte ein Airbussprecher. Qantas will die Fehler dennoch sofort reparieren lassen und die Maschine bis zu Abschluss der Arbeiten am Boden lassen. Auch die Fluggesellschaft hatte betont, es handele sich nicht um dieselbe Art von Rissen, die zuvor auf A380-Tragflächen entdeckt worden waren.