Sicherheitscheck für Airbus

Risse an Flügeln - Alle A380 müssen zum Test

An den Tragflächen mehrerer Passagiermaschinen vom Typ Airbus A380 sind Haarrisse gefunden worden - jetzt müssen alle weltweit eingesetzten Exemplare des Airbus-Großraumflugzeugs zum Sicherheitstest. Airbus-Konkurrent Boeing hat ähnliche Probleme.

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Das Flagschiff des europäischen Flugzeugkonzerns Airbus, das Großraum-Passagierflugzeug Airbus A380, wird weltweit zeitweise aus dem Verkehr gezogen: An den Tragflächen von Maschinen dieses Typs waren Harrisse gefunden worden, jetzt müssen sie zur Sicherheitsüberprüfung. Zunächst hatte die australische Fluggesellschaft Qantas alle Flüge mit dem Riesenairbus gestoppt. Nun hat die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) eine Sicherheitsüberprüfung aller Airbus A380 angeordnet, die weltweit im Einsatz sind. Das sind insgesamt 68 Maschinen. Die EASA verschärfte mit dem neuen Erlass eine Anordnung vom 20. Januar, die nur jene Großflugzeuge betraf, die mehr als 1300 Flüge hinter sich haben.

Der Erlass stellt laut Airbus-Sprecher Stefan Schaffrath sicher, „dass die Untersuchung, die von Airbus ohnehin empfohlen wird, auch durchgeführt wird“. Schaffrath sagte in Toulouse, die Sicherheit der Fluggäste stehe nicht zur Debatte. Die EASA gab den Gesellschaften je nach Flugleistung bis zu sechs Wochen Zeit, ihre Flugzeuge zu untersuchen und gegebenenfalls beschädigte Teile auszutauschen. Maschinen mit 1.384 oder mehr Flugstunden müssen innerhalb von drei Wochen, die anderen innerhalb von sechs Wochen ab 13. Februar zur Inspektion.

Die Lufthansa muss eigenen Angaben zufolge dafür keine A380-Flüge ausfallen lassen. Mit dem Kranich am Heck fliegen derzeit acht der zweistöckigen Großraumjets, zwei weitere sollen in diesem Jahr dazu kommen, wie Sprecher Michael Lamberty sagte. Der älteste Lufthansa-A380, die „Frankfurt“, habe derzeit rund 900 Flüge hinter sich, so dass der Spielraum bis zur Prüfung recht groß sei. Die eventuell betroffenen Teile seien zwar leicht austauschbar, aber die vorbereitenden Arbeiten an den Tragflächen, in denen die Kerosintanks untergebracht sind, dauerten mindestens einen Tag.

Zwei Zentimeter lange Risse

Quantas-Mechaniker hatte Haarrisse in den Tragflächen einer Maschine entdeckt. Die zehn Quantas-Maschinen sollen nach Reparaturen nächste Woche wieder zum Einsatz kommen, teilte das Unternehmen mit - und dass die Risse die Flugsicherheit nicht beeinträchtigt hätten. Die 36 Risse seien bei einer Routineuntersuchung an einer Maschine entdeckt worden, die nach schweren Luftturbulenzen über Indien in Singapur gelandet war.

Es handele sich nicht um dieselbe Art von Haarrissen, die auf A380-Tragflächen in Europa entdeckt worden waren, teilte eine Qantas-Sprecherin mit. Airbus-Mitarbeiter waren im Januar auf Risse an den Flügeln zweier Maschinen gestoßen. Daraufhin hatte die EASA eine Überprüfung von fast einem Drittel aller A380 empfohlen.

Mitarbeiter von Qantas hatten die etwa zwei Zentimeter langen Haarrisse in den Verbindungsstücken zwischen zwischen Flügelhaut und inneren Strukturen einer Tragfläche entdeckt. Die Schäden seien jedoch nicht durch die Turbulenzen entstanden, sondern gingen auf ein Produktionsproblem beim Hersteller Airbus zurück, teilte die Fluggesellschaft mit. Innerhalb einer Woche solle das stillgelegte Flugzeug wieder starten können, hieß es bei Qantas.

Flugmechaniker warnen - Wartungszyklen sind zu lang

Nach der erstmaligen Entdeckung von Rissen in A380-Airlinern von Qantas vor einigen Tagen hatte der Präsident des australischen Flugzeugmechaniker-Verbandes, Paul Cousins, bereits gewarnt, dass die Risse sich vergrößern könnten. Der australischen Zeitung „The Sydney Morning Herald“ sagte er: „Ich würde niemals vier Jahre bis zur Inspektion warten.“

Bei einem so großen Flugzeug wie dem A380 müsse man sich absolut sicher sein, dass es einwandfrei fliegt. Airbus-Sprecher Schaffrath wies die Kritik zurück. Der millimetergroße Riss in den Tragflächen sei ein „nicht sicherheitsrelevantes Thema“, sagte der Airbus-Sprecher. Ein Flugzeug könne mit einem solchen Riss noch vier Jahre bis zur nächsten Inspektion fliegen. Dort würden die „material- und prozessbedingten“ Risse dann repariert. Die Airbus-Tests hätten gezeigt, dass der Riss sich nicht vergrößert, sagte Schaffrath. Die A380-Flotte sei sicher.

Betroffen sind neben der Qantas-Maschine ein Flugzeug von Emirates, ein Airbus-Testflugzeug und zwei Maschinen von Singapore Airlines. Nach Angaben von Singapore Airlines sind die erforderlichen Reparaturen an den betroffenen Maschinen bereits erfolgt. Der erste Riss war während der Reparaturarbeiten an der A380-Maschine von Qantas aufgefallen, die im November 2010 in Singapur notlanden musste, nachdem eines ihrer vier Triebwerke explodierte.

Auch Boeing hat Probleme mit Produktionsfehlern

Probleme mit Produktionsfehlern hat auch der Airbus-Konkurrent Boeing mit seinem Spitzenprodukt, dem Langstreckenflugzeug 787 Dreamliner: Am Heck des Flugzeugs wurden Teile falsch eingebaut, sie halten darum nicht. Boeing nutzt hier neuartige Verbundmaterialien. "Wir haben das Problem erkannt und machen Fortschritte bei dem Reparaturplan", hieß es in Seattle. Der Montagefehler stelle keinerlei Gefahr für die Sicherheit der Passagiere dar. Wie viele Flugzeuge von dem Problem betroffen sind, wollte Boeing nicht bekannt geben.

Der Dreamliner hat Boeing bis zuletzt mehrfach Probleme bereitet. Das Flugzeug besteht zur Hälfte aus Kohlefaserverbundstoffen, die machen ein Flugzeug leicht und damit auch energieeffizient. Allerdings führten Lieferprobleme bei Zulieferern zu deutlichen Verzögerungen. Gleich sieben Mal wurde die Erstauslieferung vertagt. Die Entwicklung kostete mit zehn Milliarden Euro doppelt so viel wie eigentlich geplant.

Boeing hat Kunden bereits vorgewarnt, dass möglicherweise Reparaturen folgen werden. All Nippon Airways, der Erstkunde des neuen Modells, kündigte an, die Maschinen weiter fliegen zu wollen. Nippon Air hat bereits fünf Flugzeuge des Typs im Betrieb und wird bis Ende März 2013 weitere 15 Flieger erhalten.