Insolvente Drogeriekette

Zwei Buchstaben, die Schlecker ruinierten

"Eingetragener Kaufmann", kurz e.K. - das war die Rechtsform von Anton Schleckers Drogerieimperium. Vorteil: e.K. macht Geheimniskrämerei möglich. Nachteil: e.K. bedeutet unter Umständen ein hohes Risiko. Denn wer als "eingetragener Kaufmann" firmiert, haftet mit seinem kompletten Vermögen - und nicht nur mit den Firmenwerten.

Anton Schlecker, einst als Milliardär gehandelt, hat sein Lebenswerk abgewirtschaftet – die Drogeriekette ist pleite. Der schwäbische Geschäftsmann fuhr sein Riesenreich in einer Branche voll Konkurrenzdruck und Argwohn gegen die Wand. Dabei verkehrte sich für ihn am Ende ein einstiger Vorteil ins Gegenteil: Die Rechtsform seines Unternehmens, der eingetragene Kaufmann (kurz: e.K.).

Eine Rechtsform regelt die juristischen Rahmenbedingungen einer Firma. Eine an der Börse gehandelte Aktiengesellschaft, eine AG, muss beispielsweise ganz andere Vorgaben erfüllen als ein selbstständiger Handwerksmeister. Die Unterschiede der Rechtsformen liegen etwa in Fragen der Haftung, im Ablauf der Unternehmensführung oder bei den Pflichten für das Erstellen öffentlich einsehbarer Bilanzen.

Leicht zu haben, kostengünstig - und gefährlich

Der „eingetragene Kaufmann“ (kurz e.K.) wird auch Einzelfirma oder Einzelunternehmen genannt und ist relativ leicht und kostengünstig zu gründen. Die Rechtsform hat die Besonderheit, dass nur eine Person alleiniger Inhaber ist. Als Chef hat derjenige den Vorteil, frei entscheiden zu dürfen, ohne dass ihm irgendjemand hereinredet. Es gibt auch keine Veröffentlichungspflicht für einen Geschäftsbericht, aus dem zentrale Kennziffern wie Umsatz, Rentabilität, Standorte oder Mitarbeiterzahlen hervorgehen. Genau an diesem letzten Punkt sehen Branchenkenner die Triebfeder dafür, dass Anton Schlecker die vielen Glieder seiner riesigen Handelskette in der Rechtsform e.K. bündelte. So konnte ihm die Konkurrenz nämlich nicht in die Bücher schauen.

Der Nachteil ist gewaltig: Anton Schlecker haftet mit seinem kompletten Privatvermögen für alle Schulden. Da die Firma Schlecker am Ende an der Zahlung eines zweistelligen Millionenbetrages scheiterte und die Familie beteuert, dass angeblich „nichts mehr da“ sei, muss zunächst angenommen werden, dass Anton Schlecker wirklich keine nennenswerte Barschaft mehr besitzt. Im angelaufenen Insolvenzverfahren geht es neben der Frage einer Fortführung der Kette auch darum, die Gläubiger zu befriedigen. Sollte bei Anton Schlecker noch etwas zu holen sein - etwa Immobilien, Luxusautos oder Kunstgegenstände – müsste er diese Werte in die Insolvenzmasse einbringen, um Forderungen zu begleichen.

Schlecker hätte noch umsteuern können

Firmenpatriarch Schlecker hätte – als die Schwierigkeiten absehbar wurden – seine Firma in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) umwandeln können. Wie der Name schon sagt, gibt es in dieser Rechtsform kein unbegrenztes finanzielles Geradestehen. Eine GmbH haftet nur mit dem, was an Werten in der Firma vorhanden ist – etwa in Kassen, auf Konten oder an Sachwerten wie Büroeinrichtungen oder Lagerbeständen. Schlecker hätte sich als alleiniger Gesellschafter auch zum Geschäftsführer machen können – um wie früher weiter frei zu entscheiden. Die Kehrseite wäre gewesen, dass ein Unternehmen dieser Größenordnung für jeden einsehbar im Detail über die Geschäfte hätte Rechenschaft ablegen müssen. Es ist zu vermuten, dass Schlecker das nicht wollte – trotz der Gefahren für ihn privat. Die Kosten für die Umfirmierung wären gering gewesen: 25.000 Euro Stammkapital sind für eine GmbH nötig, hinzugekommen wären wohl Verwaltungskosten, Honorare für einen Notar und womöglich die Bezahlung externer Beratung.

Umsatzstarke Unternehmen mit der Rechtsform e.K. sind in Deutschland die absolute Ausnahme. Im Jahr 2009 gab es hierzulande lediglich sechs Unternehmen, die als e.K. firmierten und einen Erlös von mindestens 250 Millionen Euro erwirtschafteten. Das geht aus Berechnungen zur Umsatzsteuerstatistik hervor, die das Statistische Bundesamt erstellte. Demnach ist der e.K. vor allem dann das Mittel der Wahl, wenn die Leistung der Firma zwischen 17.500 und 50.000 Euro liegt. In diesem Segment sind 84,3 Prozent aller Firmen mit der Rechtsform e.K. eingetragen.

2,2 Millionen e.K.-Firmen in Deutschland

Der e.K. ist die Unternehmensrechtsform, die in Deutschland am meisten genutzt wird. Knapp 2,2 Millionen e.K. standen im Jahr 2009 der zweithäufigsten Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) gegenüber, die nur auf 473.782 Einträge kam. Offene Handelsgesellschaften (OHG) bildeten die drittbeliebteste Form mit 266 138 Einträgen – dort ist übrigens, wie beim e.K. auch, das Privatvermögen der Gesellschafter im Insolvenzfall in Gefahr. Insgesamt nennt die Statistik gut 3,1 Millionen Firmen. Sie kamen im Jahr 2009 zusammengerechnet auf rund 4,9 Billionen Euro Umsatz.

Eine mit Schlecker vergleichbaren Fall gab es noch nie. Laut Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID) ist nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik ein Unternehmen dieser Größenordnung mit der Rechtsform e.K. in die Insolvenz gegangen.