Insolvente Drogeriekette

Firma pleite. Vermögen weg. Schleckers kämpfen

2011 waren die Schleckers noch eine der reichsten deutschen Familien. Nun ist die Firma pleite, das Geld weg. Aufgeben wollen sie aber nicht.

Die insolvente Drogeriekette Schlecker soll noch eine Chance bekommen – die Eigner hingegen, die einstige Milliardärsfamilie Schlecker, ist angeblich ruiniert. "Es ist nichts mehr da", sagte Meike Schlecker, Tochter des Unternehmensgründers Anton Schlecker, am Stammsitz des Unternehmens im schwäbischen Ehingen bei Ulm.

Schlecker hatte zu einer Pressekonferenz eingeladen – das allein ist eine kleine Sensation. Das letzte Mal hatte das notorisch verschwiegene Familienunternehmen die Journalisten im Jahr 1990 in sein Hauptquartier gelassen.

Nun stellt sich die Tochter des Firmengründers als einziges Familienmitglied diesem Forum. In dem nüchternen grauen Besprechungsraum ringt Meike Schlecker um Fassung. Während neben ihr der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz Zuversicht verbreiten will, ist die 38-Jährige für das Private zuständig. Sie müsse mit einigen Gerüchten aufräumen, sagt sie. "Es wurde immer gesagt, wir hätten Hunderte von Millionen auf die Seite geschafft", erklärt die Betriebswirtin. "Das ist falsch, das Vermögen meines Vaters war immer das Unternehmen ."

Die ganze Familie – ihr Vater, sie selbst und ihr Bruder Lars – habe dreistellige Millionenbeträge investiert, um das Unternehmen zu unterstützen. "Es ist kein signifikantes Vermögen mehr da, sonst würden wir nicht hier sitzen und hätten keine Insolvenz angemeldet", stellt sie fest.

Gleiwitz bestätigt das im Kern: Weil die Firma unter der Unternehmensform als "eingetragener Kaufmann" (e.K.) betrieben werde, stünden Anton Schlecker und seine Familie für die vor einer Woche angemeldete Insolvenz gerade. Das Unternehmen und die Familie habe kein Geld mehr bereitstellen können, um den weiteren Betrieb zu gewährleisten. "Wenn noch 100 Millionen im Schrank liegen würden, wäre es zu diesem Verfahren nicht gekommen", erklärt Geiwitz.

Aufgeben will die Familie nicht: Meike und ihr 40-jähriger Bruder Lars glauben an den Umbau des väterlichen Konzerns, so sagen sie. Sie hätten gute Teile ihres eigenen Geldes in die Hand genommen, um in den vergangenen Jahren den laufenden Betrieb und die Eröffnung moderner Filialen zu finanzieren, sagt Meike Schlecker.

Verkauf kommt nicht infrage

"Wir versuchen, einen kühlen Kopf zu bewahren. Wir geben uns kämpferisch. Wir glauben an die Restrukturierung." Ein Verkauf komme jedenfalls nicht infrage, so Meike Schlecker: "Wir wollen das Unternehmen weiterführen und so viele Arbeitsplätze wie möglich retten ."

Der vorläufige Insolvenzverwalter soll nun weitreichende Befugnisse bekommen, um den Fortbestand der Drogeriekette zu sichern. Zunächst könnten nun die Mieten der Läden bezahlt werden, da das Amtsgericht Ulm ihn zum sogenannten starken vorläufigen Verwalter gemacht habe. Hoffnungen gibt es auch, dass die Lieferanten mitziehen. "Alle Lieferanten haben sehr schnell zu verstehen gegeben, dass sie ein großes Interesse am Weiterbestehen der Drogeriekette Schlecker haben", erklärt Geiwitz. Die Schlecker-Lieferanten ebneten bereits den Weg für eine Weiterführung des Betriebs.

Neben der Markant-Gruppe hätten rund 140 weitere Unternehmen die weitere Belieferung der Handelskette zugesichert, sagt Geiwitz. Darunter seien auch Großkonzerne wie Procter & Gamble, Beiersdorf, Unilever und Henkel. Die gut 32.000 Mitarbeiter in Deutschland würden ihre Gehälter pünktlich bis März erhalten.

Für die Modernisierung der Geschäfte veranschlagt Geiwitz einen dreistelligen Millionen-Betrag. Es hätten sich bereits erste potenzielle Investoren gemeldet. Die Gewerkschaft Ver.di begrüßte die Angaben zu den Vermögensverhältnissen der Familie als "ein erstes Signal" des Unternehmens, Transparenz zu liefern.

Die Beschäftigten hätten einen Anspruch auf "absolute Transparenz hinsichtlich der finanziellen Ressourcen der Familie Schlecker und der gesamten Unternehmensgruppe", sagte Stefanie Nutzenberger, Ver.di-Bundesvorstandsmitglied für den Handel. Die Dienstleistungsgewerkschaft führt in dieser Woche Gespräche Geiwitz.

Schlecker hatte sich vor einer Woche in die Planinsolvenz geflüchtet. Deutschlands größte Drogeriekette schreibt seit Jahren Verluste. Gestrauchelt ist sie am Ende über einen "zweistelligen Millionenbetrag", den sie nicht mehr refinanzieren konnte, wie Geiwitz erklärt. Dabei gelten die Schleckers als eine der reichsten Familien in Deutschland.

Noch im vergangenen Jahr führte das "Manager Magazin" Firmengründer Anton Schlecker in seiner Liste der reichsten Deutschen mit einem geschätzten Vermögen von 1,95 Milliarden Euro auf Platz 56. Mitleid lehnt Meike Schlecker ab – auch wenn ihr Auftritt an dieser Stelle einen melodramatischen Unterton bekommt: "Ich will mich nicht beschweren und wir werden zurechtkommen."