Schuldenkrise

Griechen dürfen keine Almosenempfänger bleiben

Der Schuldenschnitt wird nicht reichen, um Griechenlands Staatshaushalt zu stabilisieren. Das Land braucht Hilfe zur Selbsthilfe, um die Wirtschaft anzukurbeln.

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Die Verhandlungen über einen Forderungsverzicht privater Gläubiger in Athen sind kurz vor dem Ende. Es wird auch Zeit: Sie sind eine Farce. Jeder der Beteiligten weiß, dass die Banken und Versicherungen nicht „freiwillig“ auf ihre Milliarden verzichten. Und eine Sorge verwandelte sich erst in eine Ahnung, nun in Gewissheit: Der Schuldenschnitt, so hart er auch ausfällt, wird nicht reichen, um Griechenlands Verschuldung auf tragfähiges – das heißt: abbaubares – Niveau zurückzuführen.

Es gibt gute Gründe für die Angst vor einer ungeordneten griechischen Insolvenz. Griechenlands geopolitische Lage am Rand des Kontinents ist einer, die Sorge vor einem Zerfall der nur notdürftig zusammengekitteten Gesellschaft ein anderer.

Dass ein Staatsbankrott andere Länder mehr abschreckt, als dass er die Finanzmärkte dazu bewegt, auf eine Ansteckungsgefahr zu wetten, ist die Sicht der Optimisten. Davon gibt es wenige in Europa. Aber wenn unbedingt gelten soll, was bisher galt – Griechenland gehört zum Euro-Raum –, dann muss die Politik Kröten schlucken.

Export von Sonnenenergie

Dann braucht Athen nämlich noch über lange Jahre Geld der Steuerzahler. Das wird denen schwer zu vermitteln sein – erfolgreich höchstens, wenn die Aussicht besteht, dass Griechenland sich irgendwann zusammenreißt und zeigt: Wir meinen es ernst. Aber nicht jede Hilfe muss viel Geld kosten.

So ist eines der wenigen Projekte der Athener Regierung, die überhaupt Erfolg versprechen, der geplante Export von Sonnenenergie. Athen durch den Abbau von Regulierung zu ermöglichen, den Strom zu verkaufen, wäre Hilfe zur Selbsthilfe und allemal besser als Rettungsmilliarden. Es wäre auch ein Zeichen an die Griechen, dass sie noch als Partner verstanden werden. Bleiben sie Almosenempfänger, werden sie bald selbst genug von Europa haben.